Erfassung von Gewaltdelikten mit Messern in der Statistik der Bundespolizei im ersten Halbjahr 2026
1. Kontext und Vorbemerkungen
- Hintergrund: Die Antragsteller (AfD-Fraktion) betonen die Bedeutung der öffentlichen Sicherheit, insbesondere in Zügen, auf Bahnhöfen und im grenznahen Raum. Sie fordern präzise Daten zur Messerkriminalität, um Präventions- und Repressionsmaßnahmen evaluieren zu können.
- Wichtige Unterscheidung: Es wird zwischen dem bloßen „Mitführen“ eines Messers und dem tatsächlichen „Einsetzen“ (Gebrauch) als Tatmittel differenziert.
- Datenbasis: Die Daten stammen aus der Polizeilichen Eingangstatistik (PES) der Bundespolizei. Da ein Delikt mehrere Täter haben kann oder ein Täter mehrere Delikte begehen kann, stimmen die Summen der Delikte und der Tatverdächtigen nicht überein. Die Auswertung erfolgt je nach Fragestellung entweder nach Personen oder nach Delikten.
2. Anzahl der erfassten Gewaltdelikte (Frage 1)
Im ersten Halbjahr 2026 (Stichtag 30. Juni 2026) erfasste die Bundespolizei insgesamt 577 Gewaltdelikte im Zusammenhang mit Messern:
- Messer eingesetzt: 320 Fälle
- Messer mitgeführt: 257 Fälle
3. Aufschlüsselung der Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit (Frage 2 & 4)
Es wurden insgesamt 443 Tatverdächtige identifiziert (die Zahl ist niedriger als die der Delikte, da einige Täter an mehreren Taten beteiligt waren oder mehrere Täter pro Tat).
Gesamtübersicht der Tatverdächtigen:
- Deutsch: 155 Personen (davon 63 bei „eingesetzt“, 92 bei „mitgeführt“)
- Nicht-deutsch: 177 Personen (davon 97 bei „eingesetzt“, 80 bei „mitgeführt“)
- Unbekannt/ungeklärt: 111 Personen (davon 89 bei „eingesetzt“, 22 bei „mitgeführt“)
Die zehn häufigsten Staatsangehörigkeiten unter den nicht-deutschen Tatverdächtigen:
- Syrisch: 36 Personen (22 eingesetzt / 14 mitgeführt)
- Afghanisch: 19 Personen (13 eingesetzt / 6 mitgeführt)
- Türkisch: 17 Personen (7 eingesetzt / 10 mitgeführt)
- Polnisch: 16 Personen (8 eingesetzt / 8 mitgeführt)
- Rumänisch: 13 Personen (7 eingesetzt / 6 mitgeführt)
- Ukrainisch: 12 Personen (6 eingesetzt / 6 mitgeführt)
- Algerisch: 6 Personen (2 eingesetzt / 4 mitgeführt)
- Irakisch: 5 Personen (3 eingesetzt / 2 mitgeführt)
- Italienisch: 5 Personen (3 eingesetzt / 2 mitgeführt)
- Bulgarisch / Eritreisch / Ungarisch: Je 4 Personen
(Hinweis: Bei Platz 10 teilen sich bulgarische, eritreische und ungarische Staatsangehörige die Position mit jeweils 4 Fällen.)
4. Doppelstaatler (Frage 3)
Die Bundesregierung gab an, dass sie keine statistischen Daten darüber erfasst, wie viele der deutschen Tatverdächtigen neben der deutschen noch eine weitere Staatsangehörigkeit besitzen (Doppel- oder Mehrstaatler).
5. Altersstruktur der Tatverdächtigen (Frage 5)
Die Aufschlüsselung nach Altersgruppen zeigt folgende Verteilung:
Deutsche Tatverdächtige (Gesamt 155):
- Erwachsene: 132 (53 eingesetzt / 79 mitgeführt)
- Heranwachsende: 11 (6 eingesetzt / 5 mitgeführt)
- Jugendliche: 10 (3 eingesetzt / 7 mitgeführt)
- Kinder: 2 (1 eingesetzt / 1 mitgeführt)
Nicht-deutsche Tatverdächtige (Gesamt 177):
- Erwachsene: 139 (78 eingesetzt / 61 mitgeführt)
- Heranwachsende: 21 (10 eingesetzt / 11 mitgeführt)
- Jugendliche: 16 (8 eingesetzt / 8 mitgeführt)
- Kinder: 1 (1 eingesetzt / 0 mitgeführt)
Die Drucksache enthält zudem detaillierte Tabellen, welche die oben genannten Top-Staatsangehörigkeiten weiter nach diesen Altersgruppen aufschlüsseln.
6. Tatörtlichkeiten (Frage 6)
Die Delikte verteilten sich auf folgende Hauptorte:
- Bahnhof: 304 Fälle (140 eingesetzt / 164 mitgeführt) – Dies ist der mit Abstand häufigste Tatort.
- Adresse/Straße: 168 Fälle (125 eingesetzt / 43 mitgeführt)
- Bahnstreckenpunkt: 102 Fälle (54 eingesetzt / 48 mitgeführt)
- S‑Bahn-Haltestelle: 1 Fall (eingesetzt)
- Grenzübergang: 1 Fall (mitgeführt)
- Haltepunkt: 1 Fall (mitgeführt)
Fazit
Die Statistik zeigt, dass im ersten Halbjahr 2026 die Mehrheit der bekannten Messerdelikte der Bundespolizei an Bahnhöfen stattfand. Bei den Tatverdächtigen überwiegt leicht die Gruppe der Nicht-Deutschen (177) gegenüber den Deutschen (155), wobei bei einer großen Anzahl von Fällen (111) die Staatsangehörigkeit unbekannt blieb. Syrische Staatsangehörige stellen die größte Gruppe unter den nicht-deutschen Tatverdächtigen dar. Die Bundespolizei unterscheidet klar zwischen dem Mitführen und dem Einsatz von Messern, wobei das „Einsetzen“ in etwas mehr Fällen registriert wurde (320) als das reine „Mitführen“ (257).
Quelle: Bundestagsdrucksache 21/7694