USA, das Aller­letz­te vom 28.08.2026

Der 28. August 2026 brach­te bedeu­ten­de wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen, die von geld­po­li­ti­schen Rich­tungs­ent­schei­dun­gen über eska­lie­ren­de Han­dels­kon­flik­te bis hin zu anhal­ten­den geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen im Nahen Osten rei­chen.

1. Geld­po­li­tik & Finanz­märk­te: Die Jack­son-Hole-Rede von Kevin Warsh

Der Vor­sit­zen­de der US-Noten­bank Fede­ral Reser­ve, Kevin Warsh, hielt an sei­nem 100. Amts­tag sei­ne mit Span­nung erwar­te­te ers­te Rede beim jähr­li­chen Wirt­schafts­sym­po­si­um in Jack­son Hole, Wyo­ming. Warsh schlug einen aus­ge­spro­chen haw­ki­sh (fal­ken­haf­ten) Ton an und räum­te ein, dass die Infla­ti­on nach wie vor zu hoch sei, sich nicht maß­geb­lich ver­lang­samt habe und die Noten­bank noch „Arbeit vor sich habe“ („work to do“).

  • Das Infla­ti­ons­ziel: Warsh stell­te unmiss­ver­ständ­lich klar, dass das 2%-Inflationsziel (gemes­sen am PCE-Preis­in­dex) ein fes­tes, unver­rück­ba­res Ziel bleibt und die Fed ent­schlos­sen ist, die­ses zu errei­chen. Er erteil­te einer klas­si­schen „For­ward Gui­dance“ (Zukunfts­pro­gno­se für Zins­ent­schei­dun­gen) eine Absa­ge und warn­te vor dem „Hall of Mirrors“-Problem (Spie­gel­ka­bi­nett), bei dem sich Märk­te und Zen­tral­bank in ihren Erwar­tun­gen gegen­sei­tig blind steu­ern.
  • Reak­tio­nen am Ren­ten­markt: Die Rede führ­te zu einer deut­li­chen Ver­fla­chung der Ren­di­te­kur­ve. Die Ren­di­te für 2‑jährige US-Staats­an­lei­hen sprang um etwa 11 bis 12 Basis­punk­te nach oben und erreich­te 4,34%, wäh­rend die Ren­di­te für die 30-jäh­ri­ge Anlei­he fast unver­än­dert bei 5,20% ver­harr­te. Dies zeigt, dass Inves­to­ren nun mit einer höhe­ren Wahr­schein­lich­keit für bal­di­ge Leit­zins­er­hö­hun­gen rech­nen. Die Wahr­schein­lich­keit einer Zins­er­hö­hung bei der nächs­ten Sit­zung im Sep­tem­ber stieg in den Augen vie­ler Markt­teil­neh­mer auf rund 60%.
  • Reak­tio­nen am Akti­en­markt & US-Dol­lar: Wäh­rend der US-Dol­lar den stärks­ten Tages­ge­winn seit zwei Mona­ten ver­zeich­ne­te, schlos­sen die US-Akti­en­märk­te im Minus. Der S&P 500 sank um 0,3%, der Nasdaq 100 ver­lor 0,7% (auch belas­tet durch einen Gewinn­mit­nah­me-Rück­gang von Nvi­dia um 4–5% nach dem mas­si­ven Kurs­plus am Vor­tag). Der zins­sen­si­ti­ve Rus­sell 2000 (Small Caps) erlitt mit einem Minus von 1,4% die schwers­ten Ver­lus­te.

2. Geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te: Sechs-Monats-Mar­ke im Iran-Krieg & Ölför­de­rung

Ein zen­tra­ler, die Märk­te und die Poli­tik belas­ten­der Fak­tor ist der US-Krieg gegen den Iran, der heu­te die Sechs-Monats-Mar­ke erreich­te. Ursprüng­lich von der US-Regie­rung auf eine Dau­er von nur weni­gen Wochen geschätzt, wird der Kon­flikt nun von Exper­ten wie dem ehe­ma­li­gen CIA-Direk­tor Leon Panet­ta als ein wei­te­rer end­lo­ser Krieg („fore­ver war“) im Nahen Osten ein­ge­stuft, in dem sich die Par­tei­en in einer aus­weg­lo­sen Patt­si­tua­ti­on befin­den.

  • Die Stra­ße von Hor­mus: Die Meer­enge bleibt der ent­schei­den­de Hebel des Iran. Obwohl das US-Mili­tär unter Ein­satz von Navy Seals und Tau­chern Minen erfolg­reich geräumt hat und Prä­si­dent Trump ver­kün­de­te, dass die Meer­enge wie­der voll­kom­men offen sei, behält der Iran die fak­ti­sche Kon­trol­le über die Pas­sa­ge. Durch anhal­ten­de Rake­ten­dro­hun­gen und Angrif­fe auf Frach­ter wur­de der Schiffs­ver­kehr von ehe­mals 100 Schif­fen pro Tag auf einen Bruch­teil redu­ziert. Dies hat die Treib­stoff- und Dün­ge­mit­tel­prei­se dras­tisch in die Höhe getrie­ben und wirkt welt­weit infla­ti­ons­trei­bend. Den­noch deu­te­te der ira­ni­sche Außen­mi­nis­ter an, dass eine Rück­kehr zu diplo­ma­ti­schen Gesprä­chen nicht unmög­lich sei.
  • Geheim­mis­si­on in Russ­land: Berich­tet wur­de zudem über eine Geheim­mis­si­on von CIA-Direk­tor John Rat­clif­fe nach Mos­kau. Rat­clif­fe über­brach­te dem Kreml die kla­re Bot­schaft der USA, von jeg­li­chen wei­te­ren Über­grif­fen auf NATO-Län­der (etwa mit­tels Droh­nen) abzu­se­hen.
  • Öl-Deals in Vene­zue­la: Um den glo­ba­len Ölpreis zu sta­bi­li­sie­ren und die Abhän­gig­keit zu ver­rin­gern, ver­han­delt das US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um (Pen­ta­gon) mit dem vene­zo­la­ni­schen Unter­neh­mer Ale­jan­dro Betancourt über Pacht­ver­trä­ge für bis zu 17 Ölfel­der. Zudem führt Che­vron Gesprä­che über die Erschlie­ßung zwei­er neu­er Ölfel­der in Vene­zue­la.

3. Han­dels­po­li­tik: Eska­lie­ren­der US-Kana­da-Zoll­streit

Die Han­dels­be­zie­hun­gen in Nord­ame­ri­ka ste­hen vor einer Zer­reiß­pro­be. Kana­da kün­dig­te Ver­gel­tungs­zöl­le auf über 700 US-Pro­duk­te an. Dies ist die direk­te Ant­wort auf die Dro­hun­gen von US-Prä­si­dent Trump, ab dem 1. Janu­ar 2027 Zöl­le in Höhe von 50% auf kana­di­sche Autos, Last­wa­gen, Auto­tei­le und Stahl ein­zu­füh­ren, soll­te bis zum Jah­res­en­de kein neu­es Abkom­men aus­ge­han­delt sein.

  • Lin­da Hasen­fratz, die Lei­te­rin des kana­di­schen Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rers Lin­amar, warn­te ein­dring­lich vor den Fol­gen. Da die Lie­fer­ket­ten in Nord­ame­ri­ka extrem inte­griert sind und ein­zel­ne Auto­tei­le vor der Fer­tig­stel­lung des Fahr­zeugs bis zu sie­ben­mal die Gren­ze über­que­ren, wür­den sol­che Zöl­le die gesam­te Auto­mo­bil­in­dus­trie inner­halb weni­ger Wochen voll­stän­dig auf die Knie zwin­gen. Betrof­fen wären vor allem US-Unter­neh­men und deren Arbei­ter, da der Groß­teil der Indus­trie in den USA ange­sie­delt ist.

4. Agrar­sek­tor: Fleisch­mo­no­po­le, Rück­ru­fe und Infla­ti­ons­trends

  • Bruch des Fleisch­mo­no­pols: Prä­si­dent Trump kün­dig­te recht­li­che Schrit­te an, um das Mono­pol der „Big Four“-Fleischkonzerne zu bre­chen, die der­zeit rund 85% des US-Rind­fleisch­mark­tes kon­trol­lie­ren. Ran­chern und Far­mern soll recht­lich gestat­tet wer­den, ihre eige­nen Schlach­tun­gen und Ver­ar­bei­tun­gen durch­zu­füh­ren, um den Wett­be­werb zu bele­ben. Will Har­ris von der tra­di­ti­ons­rei­chen Farm White Oak Pas­tu­res begrüß­te dies und ver­wies dar­auf, dass die Prei­se für Rind­fleisch rela­tiv zu ande­ren Pro­duk­ten his­to­risch hoch sei­en. Er kri­ti­sier­te zudem das irre­füh­ren­de Label „Pro­duct of the USA“ für Fleisch, das im Aus­land gezüch­tet und geschlach­tet und nur in den USA ver­packt wur­de.
  • Argen­ti­ni­scher Fleisch­rück­ruf: Das USDA muss­te am sel­ben Tag einen Rück­ruf für 30.000 Pfund impor­tier­tes Rind­fleisch aus Argen­ti­ni­en anord­nen, da kei­ne vor­ge­schrie­be­ne sekun­dä­re Inspek­ti­on statt­ge­fun­den hat­te – ein Vor­fall, der von Kri­ti­kern als sym­bo­lisch für das admi­nis­tra­ti­ve Cha­os der aktu­el­len Import­po­li­tik gewer­tet wird.
  • Das Cos­t­co-Hähn­chen: Im Gegen­satz zu den teu­ren Rind­fleisch­prei­sen trotzt Cos­t­co der Infla­ti­on mit sei­nem berühm­ten 5‑Dol­lar-Brat­hähn­chen. Cos­t­co hält die­sen Preis sta­bil, indem das Unter­neh­men die gesam­te Wert­schöp­fungs­ket­te in Eigen­re­gie betreibt – inklu­si­ve eines eige­nen Schlacht­ho­fes in Nebras­ka.

5. Tech­no­lo­gie & KI: Sicher­heits­ge­set­ze, Klas­sen­zim­mer und Cyber­ri­si­ken

  • Der Fron­tier Act: Die demo­kra­ti­sche Abge­ord­ne­te Lori Tra­han stell­te das über­par­tei­li­che KI-Sicher­heits­ge­setz „Fron­tier Act“ vor. Das Gesetz zielt auf die mäch­tigs­ten KI-Model­le ab und sieht eine Mel­de­pflicht für Sicher­heits­vor­fäl­le vor (etwa wenn ein Modell aus der Test­um­ge­bung aus­bricht), ver­langt unab­hän­gi­ge Prü­fun­gen und eta­bliert einen recht­li­chen Not­fall-Sicher­heits­me­cha­nis­mus, mit dem der Staat gefähr­li­che Ent­wick­lun­gen stop­pen kann. Gleich­zei­tig wächst in vie­len Gemein­den der Wider­stand von Wäh­lern gegen den mas­si­ven Bau von umwelt­schäd­li­chen KI-Rechen­zen­tren.
  • KI in der Schu­le: Cis­co-Prä­si­dent Jee­tu Patel beton­te, dass der Ein­satz von KI im Klas­sen­zim­mer die Bil­dung revo­lu­tio­nie­ren müs­se. Rei­nes Fak­ten­wis­sen wer­de zur Han­dels­wa­re; ent­schei­dend sei es in Zukunft, Schü­lern das For­mu­lie­ren der rich­ti­gen Fra­gen bei­zu­brin­gen.
  • Cyber­se­cu­ri­ty: Sen­ti­nelO­ne-CEO Tomer Wein­gar­ten wies dar­auf hin, dass Cyber­kri­mi­nel­le und staat­li­che Akteu­re zuneh­mend KI-Model­le nut­zen, um Angrif­fe auf kri­ti­sche Infra­struk­tu­ren zu ska­lie­ren. Er beton­te die Not­wen­dig­keit auto­no­mer Abwehr­sys­te­me. Dies fällt zusam­men mit einem offe­nen Brief von Ope­nAI und Anthro­pic, die zu einer kol­lek­ti­ven Akti­on im Bereich der Cyber­ver­tei­di­gung auf­ru­fen.

6. Wich­ti­ge Unter­neh­mens­nach­rich­ten des Tages

  • Pay­Pal (-12%): Die Aktie des Zah­lungs­dienst­leis­ters erlitt einen schwe­ren Ein­bruch, nach­dem bekannt wur­de, dass die Inves­to­ren­grup­pe Advent Stri­pe ihre geplan­te 50-Mil­li­ar­den-Dol­lar-Über­nah­me des ange­schla­ge­nen Unter­neh­mens abge­bla­sen hat.
  • BioNTech (-8%): Das deut­sche Bio­tech-Unter­neh­men muss­te einen her­ben Rück­schlag hin­neh­men. Eine fort­ge­schrit­te­ne kli­ni­sche Stu­die für einen per­so­na­li­sier­ten mRNA-Krebs­impf­stoff bei soli­den Tumo­ren wur­de nach der Emp­feh­lung eines unab­hän­gi­gen Gre­mi­ums abge­bro­chen.
  • Affirm (+2% bis +17%): Der Akti­en­kurs des „Buy Now, Pay Later“-Anbieters schoss im Tages­ver­lauf um bis zu 17% in die Höhe, bevor er mode­rat im Plus schloss. Ursa­che war eine her­vor­ra­gen­de Umsatz­pro­gno­se für das ers­te Quar­tal, die die Erwar­tun­gen über­traf. CEO Max Lev­chin gab an, dass die Ver­brau­cher trotz der hohen Gas­prei­se finan­zi­ell sta­bil agie­ren, schränk­te jedoch ein, dass Affirm sei­ne Kre­dit­ver­ga­be im Ver­gleich zum Vor­jahr leicht restrik­ti­ver gestal­tet.

Hin­ter­grund-Notiz: Als Sym­bol für die wach­sen­de Kluft zwi­schen Arm und Reich wird heu­te zudem Teton Coun­ty in Wyo­ming (wo Jack­son Hole liegt) the­ma­ti­siert. Mit einem durch­schnitt­li­chen Pro-Kopf-Ein­kom­men von ca. 500.000 US-Dol­lar pro Jahr ist es der reichs­te Land­kreis der USA, weist jedoch gleich­zei­tig die größ­te Ein­kom­mens­dis­pa­ri­tät des Lan­des auf, da mehr als 90% des Gesamt­ein­kom­mens an die reichs­ten 15% flie­ßen.

Das Dol­lar-Cost-Aver­aging ist eine Anla­ge­stra­te­gie, die auf dis­zi­pli­nier­tem, regel­mä­ßi­gem Spa­ren basiert und laut den Quel­len wie folgt funk­tio­niert:

  • Regel­mä­ßi­ge, fes­te Beträ­ge: Man inves­tiert jeden Monat einen fes­ten Geld­be­trag in den Markt. Die­ses Geld wird in der Regel in einen ETF oder ein ande­res breit gestreu­tes Akti­en- und Anlei­hen­port­fo­lio ange­legt.
  • Dis­zi­plin statt Markt-Timing: Die Stra­te­gie erfor­dert eine ähn­li­che Dis­zi­plin wie das regel­mä­ßi­ge Spa­ren beim Eigen­heim, bei dem man jeden Monat den­sel­ben Betrag ein­zahlt, um kon­ti­nu­ier­lich Ver­mö­gen (bzw. Eigen­ka­pi­tal) auf­zu­bau­en. Die­se Metho­de lässt sich laut den Quel­len auch ohne Immo­bi­lie direkt am Akti­en­markt anwen­den, um eine fes­te Spar-Dis­zi­plin zu eta­blie­ren.
  • Zeit im Markt: Das Prin­zip folgt der klas­si­schen Anla­ge-Weis­heit: „Es geht nicht dar­um, den Markt zeit­lich per­fekt abzu­pas­sen, son­dern Zeit im Markt zu ver­brin­gen“ („It’s not timing the mar­ket. It’s time in the mar­ket“).
  • Lang­fris­ti­ger Ver­mö­gens­auf­bau: Wenn man die­se Metho­de bereits in jün­ge­ren Jah­ren kon­se­quent durch­zieht, kann man über die Zeit hin­weg erfolg­reich Ver­mö­gen auf­bau­en.

Die geld­po­li­ti­schen Wei­chen­stel­lun­gen der Fede­ral Reser­ve – ins­be­son­de­re die jüngs­ten Signa­le vom Wirt­schafts­sym­po­si­um in Jack­son Hole unter dem Fed-Vor­sit­zen­den Kevin Warsh – haben fun­da­men­ta­le Aus­wir­kun­gen auf lang­fris­ti­ge Anla­ge­stra­te­gien. Wenn die Zin­sen „höher für län­ger“ blei­ben und die Noten­ban­ken ent­schlos­sen gegen die Infla­ti­on vor­ge­hen, müs­sen Inves­to­ren ihre Port­fo­li­os und Risi­ko­mo­del­le anpas­sen.

Die Aus­wir­kun­gen von Jack­son Hole und der Fed-Poli­tik auf lang­fris­ti­ge Stra­te­gien las­sen sich in fol­gen­de Kern­be­rei­che unter­tei­len:

1. Abkehr von der „For­ward Gui­dance“: Fokus auf die Wirt­schaft, nicht auf die Fed

Unter Kevin Warsh voll­zieht die Fed einen deut­li­chen Kurs­wech­sel weg von der klas­si­schen „For­ward Gui­dance“ (der detail­lier­ten Ankün­di­gung künf­ti­ger Zins­schrit­te). Warsh warnt vor dem soge­nann­ten „Spiegelkabinett“-Problem (Hall of Mir­rors), bei dem die Fed und die Märk­te sich in ihren Erwar­tun­gen nur gegen­sei­tig spie­geln und dadurch blind für rea­le Wirt­schafts­da­ten wer­den.

  • Aus­wir­kung auf die Stra­te­gie: Lang­fris­ti­ge Inves­to­ren müs­sen ler­nen, weni­ger die Rhe­to­rik der Noten­ban­ker zu par­sen und sich statt­des­sen wie­der auf die tat­säch­li­chen öko­no­mi­schen Fun­da­men­tal­da­ten zu kon­zen­trie­ren – oder wie es im Markt­jar­gon heißt: „Pay atten­ti­on to the ball, not the refe­ree“ (Ach­ten Sie auf den Ball, nicht auf den Schieds­rich­ter). Da die Fed rein daten­ab­hän­gig agiert, gewinnt die fun­da­men­ta­le Ana­ly­se von Wirt­schafts­da­ten (wie CPI, PPI und Arbeits­markt­da­ten) für lang­fris­ti­ge Pro­gno­sen mas­siv an Bedeu­tung.

2. Ver­schie­bung der Markt­füh­rer­schaft: Qua­li­tät vor Spe­ku­la­ti­on

Ein Umfeld, in dem Zins­er­hö­hun­gen dro­hen oder die Zin­sen auf hohem Niveau ver­har­ren, ver­än­dert die Dyna­mik an den Akti­en­märk­ten grund­le­gend.

  • Risi­ken für spe­ku­la­ti­ve Wer­te und Small Caps: Hoch­spe­ku­la­ti­ve Wachs­tums­ak­ti­en und klei­ne­re Unter­neh­men (wie sie im Rus­sell 2000 ver­tre­ten sind) lei­den unter restrik­ti­ven Bedin­gun­gen. Klei­ne Unter­neh­men sind beson­ders anfäl­lig, da ein erheb­li­cher Teil ihrer Schul­den (oft 40 % bis 50 %) varia­bel ver­zinst ist. Sie flo­rie­ren vor allem dann, wenn Zins­sen­kun­gen garan­tiert sind – was der­zeit nicht der Fall ist.
  • Vor­tei­le für Sub­stanz und Lar­ge-Cap-Tech: Das Kapi­tal schich­tet sich in sta­bi­le­re, groß­ka­pi­ta­li­sier­te Tech­no­lo­gie­ak­ti­en (Mega-Caps) und den Finanz­sek­tor um. Höhe­re Zin­sen stüt­zen die Mar­gen von Finanz­in­sti­tu­ten und beloh­nen Unter­neh­men mit star­ken Bilan­zen und robus­tem Gewinn­wachs­tum. Für eine lang­fris­ti­ge Stra­te­gie bedeu­tet dies eine stär­ke­re Kon­zen­tra­ti­on auf Qua­li­täts­ak­ti­en.

3. Kapi­tal­kos­ten (Cost of Capi­tal) vs. Kapi­tal­ren­di­te (Return on Capi­tal)

Wenn die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen (wie der 10-jäh­ri­gen US-Anlei­he) stei­gen, erhöht dies die all­ge­mei­nen Kapi­tal­kos­ten.

  • Kon­kur­renz für Divi­den­den­ak­ti­en: Hohe risi­ko­freie Ren­di­ten bei Anlei­hen kon­kur­rie­ren direkt mit klas­si­schen „Anlei­hen-Sub­sti­tu­ten“ wie Divi­den­den­wer­ten, REITs (Immo­bi­li­en­ak­ti­en), Ver­sor­gern oder Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men. Inves­to­ren schich­ten in sol­chen Pha­sen oft von die­sen Akti­en direkt in ren­di­te­star­ke Anlei­hen um.
  • Die Son­der­rol­le von Tech­no­lo­gie und KI: Sek­to­ren, die von tief­grei­fen­den säku­la­ren Trends wie der künst­li­chen Intel­li­genz getra­gen wer­den, erwei­sen sich als weit­ge­hend unemp­find­lich gegen­über mode­rat stei­gen­den Zin­sen. Bei Inves­ti­tio­nen in KI-Infra­struk­tur oder Rechen­zen­tren wird weni­ger über die Kapi­tal­kos­ten (die sich viel­leicht um 50 Basis­punk­te ver­än­dern) debat­tiert, son­dern viel­mehr über die Kapi­tal­ren­di­te (Return on Capi­tal), die im hohen ein­stel­li­gen Bereich erwar­tet wird. Lang­fris­ti­ge Stra­te­gien soll­ten daher Sek­to­ren mit hoher Preis­macht und struk­tu­rel­lem Wachs­tum über­ge­wich­ten.

4. Zins­ni­veau vs. Zins­vo­la­ti­li­tät (Der Blick in die Geschich­te)

Für lang­fris­ti­ge Akti­en­in­ves­to­ren ist das rei­ne Niveau der Zins­sät­ze his­to­risch gese­hen nicht der größ­te Gefah­ren­herd.

  • Viel pro­ble­ma­ti­scher sind rapi­de Zins­sprün­ge, weil sie die Kal­ku­la­tio­nen von Unter­neh­men und Inves­to­ren abrupt durch­ein­an­der­brin­gen und zu hef­ti­gen Markt­schocks füh­ren.
  • Blickt man bei­spiels­wei­se auf die 1990er Jah­re (die Ära der Inter­net-Revo­lu­ti­on), zeigt sich, dass ein robus­tes und pro­duk­ti­ves Wirt­schafts­wachs­tum die dämp­fen­de Wir­kung höhe­rer Dis­kont­sät­ze pro­blem­los aus­glei­chen kann. Solan­ge das Gewinn­wachs­tum der Unter­neh­men sta­bil ist, kön­nen Akti­en­märk­te auch mit einem höhe­ren Zins­ni­veau sehr gut leben.

5. Die Rol­le von Liqui­di­tät: „Cash on the Side­lines“ und DCA

  • Enor­me Bar­geld­re­ser­ven: Aktu­ell lie­gen geschätz­te 7 Bil­lio­nen US-Dol­lar an Bar­geld auf der Sei­ten­li­nie. Vie­le Inves­to­ren haben aus Angst vor der Zins­ent­wick­lung den Markt gemie­den. Lang­fris­tig birgt die­ses unge­nutz­te Kapi­tal jedoch eine enor­me Chan­ce: Sobald sich die Zin­sen sta­bi­li­sie­ren oder die Ertrags­kraft der Unter­neh­men die Zins­ängs­te besiegt, wird die­ses Geld suk­zes­si­ve in die Märk­te zurück­flie­ßen und kann eine dau­er­haf­te Ral­ly stüt­zen.
  • Stär­ke des Dol­lar-Cost-Aver­aging (DCA): In Zei­ten makro­öko­no­mi­scher und geo­po­li­ti­scher Unsi­cher­heit (wie dem anhal­ten­den Kon­flikt im Nahen Osten, der die Ener­gie­prei­se treibt) erweist sich ein dis­zi­pli­nier­ter, regel­mä­ßi­ger Spar­plan als die robus­tes­te Metho­de. Da das exak­te Timing des Mark­tes extrem feh­ler­an­fäl­lig ist, gilt für lang­fris­ti­ge Anle­ger umso mehr: „Time in the mar­ket beats timing the mar­ket“ (Zeit im Markt schlägt das Timing des Mark­tes). Das monat­li­che, auto­ma­ti­sche Inves­tie­ren in breit gestreu­te ETF-Port­fo­li­os baut über Jahr­zehn­te hin­weg ver­läss­lich Ver­mö­gen auf, unab­hän­gig von den kurz­fris­ti­gen Zins­run­den der Fede­ral Reser­ve.

Man beschäf­tigt sich mit ame­ri­ka­ni­scher Poli­tik nicht aus Ame­ri­ka-Fas­zi­na­ti­on, son­dern aus deut­schem Eigen­in­ter­es­se.

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater