Finan­zi­el­le Fol­gen der Ein­füh­rung des Ganz­tags­an­spruchs für die Kom­mu­nen

Wor­um es ins­ge­samt geht

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet eine Klei­ne Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on zu den finan­zi­el­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Aus­wir­kun­gen des neu­en Rechts­an­spruchs auf Ganz­tags­be­treu­ung für Grund­schul­kin­der, der ab 1. August 2026 stu­fen­wei­se ein­ge­führt wird. Die Fra­gen betref­fen Kos­ten, Per­so­nal, Umset­zungs­schwie­rig­kei­ten, kom­mu­na­le Belas­tun­gen und sozi­al­po­li­ti­sche Fol­gen.

1. Kos­ten­an­nah­men & Belast­bar­keit

  • Die ursprüng­li­chen Kos­ten­an­nah­men stam­men aus Modell­rech­nun­gen des Deut­schen Jugend­in­sti­tuts (DJI) von 2019.
  • Seit­dem sind Bau- und Per­so­nal­kos­ten deut­lich gestie­gen, was die Belast­bar­keit der alten Model­le infra­ge stellt.
  • Eine Eva­lua­ti­on der tat­säch­li­chen Inves­ti­ti­ons- und Betriebs­kos­ten läuft seit 2024 und soll 2027 und 2030 Ergeb­nis­se lie­fern.
  • Eine exter­ne Plau­si­bi­li­sie­rung der Kos­ten ist nicht vor­ge­se­hen.

2. Inves­ti­ti­ons- und Betriebs­kos­ten

  • Ursprüng­li­che Schät­zun­gen:
    • 7,5 Mrd. € Inves­ti­ti­ons­kos­ten für zusätz­li­che Plät­ze.
    • 4,5 Mrd. € jähr­lich Betriebs­kos­ten bei Voll­aus­las­tung.
  • Vie­le Kom­mu­nen kön­nen die Bun­des­in­ves­ti­ti­ons­hil­fen (3,5 Mrd. €) nicht abru­fen, weil sie den Eigen­an­teil nicht finan­zie­ren kön­nen oder an Büro­kra­tie schei­tern.

3. Umset­zung durch Kom­mu­nen

  • Die Bun­des­re­gie­rung ver­weist auf Moni­to­ring­be­rich­te, die den Aus­bau­stand doku­men­tie­ren.
  • Kon­kre­te Daten dar­über, wel­che Kom­mu­nen den Anspruch nicht frist­ge­recht erfül­len kön­nen, lie­gen nicht vor.
  • Grund­la­ge für die Annah­me einer frist­ge­rech­ten Umset­zung sind die Berich­te der Län­der und die bis­he­ri­gen Aus­bau­stän­de.

4. Aus­wir­kun­gen auf ande­re kom­mu­na­le Inves­ti­tio­nen

  • Es gibt kei­ne belast­ba­ren Erkennt­nis­se, ob Kom­mu­nen wegen des Ganz­tags­aus­baus ande­re Inves­ti­tio­nen zurück­stel­len.
  • Der Bund ver­weist auf ein 100-Mrd.-€-Infrastrukturprogramm, das Kom­mu­nen fle­xi­bel nut­zen kön­nen.

5. Ver­an­las­sungs­kon­ne­xi­tät (Wer bestellt, bezahlt)

  • Die neue Bund-Län­der-Ver­ein­ba­rung von 2026 gilt nur für Geset­ze nach dem 1. Okto­ber 2026.
  • Das Ganz­tags­för­de­rungs­ge­setz fällt nicht dar­un­ter.
  • Eine nach­träg­li­che Anpas­sung ist nicht geplant.

6. Sozi­al­po­li­ti­sche Begrün­dung

  • Der Rechts­an­spruch soll:
    • Teil­ha­be­chan­cen von Kin­dern ver­bes­sern
    • Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf stär­ken
    • Gleich­be­rech­ti­gung för­dern
  • Das Inkraft­tre­ten wur­de bereits um ein Jahr ver­scho­ben und wird stu­fen­wei­se ein­ge­führt.

7. Per­so­nal: Teil­zeit, Befris­tung, Mini­jobs

  • Für schu­li­sche Ganz­tags­an­ge­bo­te und Hor­te ver­weist die Bun­des­re­gie­rung auf das Fach­kräf­te­ba­ro­me­ter Frü­he Bil­dung 2025.
  • Kon­kre­te Daten zu:
    • Teil­zeit­quo­te
    • Befris­tungs­quo­te
    • Mini­jobs lie­gen nicht voll­stän­dig vor.
  • Löh­ne im Bereich der Kin­der­be­treu­ung sind seit 2021 um 16 % gestie­gen (Medi­an 4.077 € für Voll­zeit 2024).
  • Kei­ne Daten zur Tarif­bin­dung frei­er Trä­ger.

8. Per­so­nal­be­darf 2026/2027

  • Der Bedarf wird in einer DJI/TU Dort­mund-Publi­ka­ti­on von 2025 berech­net.
  • Kon­kre­te Zah­len nach Bun­des­län­dern ste­hen dort, nicht in der Ant­wort.

9. Erwerbs­be­tei­li­gung von Eltern

  • Die Annah­me, dass Ganz­tags­be­treu­ung die Erwerbs­ar­beit von Müt­tern erhöht, stützt sich auf:
    • DIW-Gut­ach­ten
    • Stu­di­en zu Ganz­tags­schu­le & Hort
    • Modell­rech­nun­gen zu fis­ka­li­schen Wir­kun­gen

10. Arbeits­markt­pro­gram­me

  • Die Bun­des­agen­tur für Arbeit bie­tet kei­ne spe­zi­el­len Pro­gram­me für den Ganz­tags­be­reich.
  • Qua­li­fi­zie­run­gen kön­nen über all­ge­mei­ne Wei­ter­bil­dungs­in­stru­men­te geför­dert wer­den.
  • Daten zu Inte­gra­tio­nen in den Ganz­tags­be­reich lie­gen nicht vor.

11. Kei­ne Ein­schrän­kung des Anspruchs nach Erwerbs­be­darf

  • Der Anspruch gilt für alle Kin­der, nicht nur für Fami­li­en mit beruf­li­chem Bedarf.
  • Begrün­dung: Teil­ha­be- und Bil­dungs­chan­cen ste­hen im Vor­der­grund.

12. Kei­ne zusätz­li­chen Trans­fer­leis­tun­gen für Eltern, die kei­nen Ganz­tags­platz nut­zen

  • Ein „Fami­li­en­geld“ oder ähn­li­che Zah­lun­gen sind nicht geplant.
  • Ver­weis auf bestehen­de Leis­tun­gen:
    • Kin­der­geld
    • Eltern­geld
    • Kin­der­zu­schlag (ins­ge­samt über 60 Mrd. € jähr­lich)

Kern­bot­schaft der Bun­des­re­gie­rung

Die Bun­des­re­gie­rung hält am Rechts­an­spruch fest, ver­weist auf lau­fen­de Eva­lua­tio­nen, sieht die Haupt­ver­ant­wor­tung für die Umset­zung bei Län­dern und Kom­mu­nen und plant kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen an Finan­zie­rung, Anspruchs­be­rech­ti­gung oder Zeit­plan.


Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7794

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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater