Anti-Schwar­zer Ras­sis­mus in Deutsch­land

Die Druck­sa­che ent­hält die Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung (31.08.2026) auf eine Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on Die Lin­ke zum The­ma Anti‑Schwarzer Ras­sis­mus in Deutsch­land. Die Anfra­ge ver­weist auf zahl­rei­che Stu­di­en, die struk­tu­rel­len, insti­tu­tio­nel­len und gesell­schaft­li­chen Ras­sis­mus gegen­über Schwar­zen Men­schen doku­men­tie­ren.

Haupt­punk­te der Anfra­ge (kurz)

Die Fra­ge­stel­ler beto­nen:

  • Anti‑Schwarzer Ras­sis­mus ist struk­tu­rell, nicht indi­vi­du­ell.
  • Schwar­ze Men­schen sind in Deutsch­land über­pro­por­tio­nal von Dis­kri­mi­nie­rung betrof­fen (Bil­dung, Poli­zei, Behör­den, Gesund­heits­sys­tem).
  • Es gibt kei­ne staat­li­che sys­te­ma­ti­sche Erfas­sung von ras­sis­ti­scher Gewalt oder Todes­fäl­len in Gewahr­sam.
  • Zivil­ge­sell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen leis­ten zen­tra­le Arbeit, wer­den aber pre­kär finan­ziert.
  • Sicher­heits­be­hör­den wei­sen laut Stu­di­en struk­tu­rel­le Risi­ken ras­sis­ti­scher Gewalt auf.
  • For­de­rung nach unab­hän­gi­gen Ermitt­lungs­stel­len, bes­se­rer Daten­er­fas­sung, Refor­men im AGG, mehr Bil­dung über Kolo­nia­lis­mus und Ras­sis­mus.

Haupt­aus­sa­gen der Bun­des­re­gie­rung

1. Kei­ne staat­li­che Daten­er­fas­sung zu Todes­fäl­len Schwar­zer Men­schen

  • Es exis­tie­ren kei­ne Sta­tis­ti­ken zu Todes­fäl­len Schwar­zer Men­schen in Gewahr­sam.
  • Daher kann die Bun­des­re­gie­rung kei­ne belast­ba­re Ein­schät­zung geben.

2. Kei­ne Plä­ne zur Schlie­ßung der „Data Gap“

  • Die Bun­des­re­gie­rung plant kei­ne neu­en Erfas­sungs­in­stru­men­te für ras­sis­ti­sche Poli­zei­ge­walt oder Todes­fäl­le.

3. Bewer­tung zivil­ge­sell­schaft­li­cher Berich­te

  • Berich­te wer­den „zur Kennt­nis genom­men“, aber nicht öffent­lich bewer­tet.
  • Fehl­ver­hal­ten kann über bestehen­de Beschwer­de­we­ge geprüft wer­den.

4. Unab­hän­gi­ge Ermitt­lungs­stel­len

  • Ver­weis auf den Poli­zei­be­auf­trag­ten des Bun­des (seit 2024) als unab­hän­gi­ge Stel­le.
  • Kei­ne wei­te­ren Initia­ti­ven geplant.

5. Racial Pro­fil­ing

  • Poli­zei hand­le aus­schließ­lich nach gesetz­li­chen Grund­la­gen.
  • Schu­lun­gen sol­len Dis­kri­mi­nie­rung ver­hin­dern.
  • Haut­far­be sei kein Kri­te­ri­um für Kon­trol­len.

6. Dis­kri­mi­nie­rung in Sozi­al­be­hör­den

  • Bun­des­agen­tur für Arbeit setzt auf Schu­lun­gen, Sen­si­bi­li­sie­rung und inter­ne Ansprech­stel­len.

7. Dis­kri­mi­nie­rung Schwar­zer Geflüch­te­ter

  • Bun­des­re­gie­rung hat kei­ne spe­zi­fi­schen Erkennt­nis­se.
  • ADS mel­det jedoch hohe Fall­zah­len zu Anti‑Schwarzem Ras­sis­mus im Bereich staat­li­chen Han­delns.

8. Erklä­run­gen für hohe Dis­kri­mi­nie­rungs­wer­te

  • Bun­des­re­gie­rung nimmt kei­ne Stel­lung zu Stu­di­en­ergeb­nis­sen.

9. Refor­men des AGG

  • Geplant: Ver­län­ge­rung der Frist zur Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen (von 2 auf 4 Mona­te).
  • Wei­te­re Maß­nah­men erst nach Abschluss des Ver­fah­rens.

10. Kolo­nia­lis­mus & Ras­sis­mus in Schu­len

  • The­men wer­den im Rah­men von „Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“ behan­delt.
  • Lehr­plä­ne sind Län­der­sa­che → Bund greift nicht ein.

11. Dis­kri­mi­nie­rung im Bil­dungs­we­sen

  • Neue För­der­li­nie (2025) zu Modell­pro­jek­ten gegen Ras­sis­mus, Schwer­punkt ASR und Bil­dung.

12. Gesund­heit­li­che Fol­gen von Ras­sis­mus

  • For­schungs­för­de­rung im Rah­men der Richt­li­nie zu Rechts­extre­mis­mus und Ras­sis­mus (2023–2027).

13. Regel­fi­nan­zie­rung Schwar­zer Orga­ni­sa­tio­nen

  • Kei­ne kla­re Zusa­ge; Ver­weis auf Haus­halts­richt­li­ni­en.

14. För­der­mit­tel für Anti‑ASR‑Organisationen

  • 2022–2026:
    • Anti­ras­sis­mus­be­auf­trag­te: 537.475 €
    • Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung: 897.414 €
  • Anteil am Gesamt­bud­get nicht bestimm­bar.

15. UN‑Dekade für Men­schen afri­ka­ni­scher Her­kunft

  • Anlie­gen sol­len im neu­en Natio­na­len Akti­ons­plan gegen Ras­sis­mus berück­sich­tigt wer­den.

16. Mit­be­stim­mung mar­gi­na­li­sier­ter Com­mu­ni­ties

  • Kei­ne Reform geplant.
  • För­der­ent­schei­dun­gen sol­len nicht „extern beein­flusst“ wer­den.

Gesamt­fa­zit

Die Bun­des­re­gie­rung erkennt Ras­sis­mus als Pro­blem an, ver­weist aber über­wie­gend auf bestehen­de Struk­tu­ren und Maß­nah­men. Vie­le For­de­run­gen der Fragesteller*innen – ins­be­son­de­re zu Daten­er­fas­sung, unab­hän­gi­gen Ermitt­lungs­stel­len, struk­tu­rel­ler Finan­zie­rung und Bil­dungs­re­for­men – wer­den nicht auf­ge­grif­fen oder nur sehr ein­ge­schränkt beant­wor­tet.


Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7790

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