Ame­ri­kas Defi­zit nähert sich der Zwei-Bil­lio­nen-Mar­ke

Das Haus­halts­de­fi­zit der Ver­ei­nig­ten Staa­ten hat erneut eine Grö­ßen­ord­nung erreicht, die selbst für die welt­größ­te Volks­wirt­schaft bemer­kens­wert ist. Die Neu­ver­schul­dung des Bun­des bewegt sich inzwi­schen nahe der Mar­ke von zwei Bil­lio­nen US-Dol­lar pro Jahr. Noch im vor­he­ri­gen Fis­kal­jahr hat­te das Defi­zit bei rund 1,78 Bil­lio­nen Dol­lar gele­gen. Damit bleibt die Lücke zwi­schen staat­li­chen Ein­nah­men und Aus­ga­ben auf einem his­to­risch unge­wöhn­lich hohen Niveau – und das in einer Pha­se, die nicht von einer schwe­ren Rezes­si­on oder einer ver­gleich­ba­ren wirt­schaft­li­chen Aus­nah­me­si­tua­ti­on geprägt ist.

Beson­ders deut­lich zeigt sich die Belas­tung bei den Zins­aus­ga­ben. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten haben über vie­le Jah­re hin­weg einen immer grö­ße­ren Schul­den­berg auf­ge­baut. Solan­ge die Zin­sen nied­rig waren, ließ sich die­se Ent­wick­lung ver­gleichs­wei­se güns­tig finan­zie­ren. Das ver­än­der­te Zins­um­feld hat die Rech­nung jedoch grund­le­gend ver­scho­ben. Aus­lau­fen­de Staats­an­lei­hen müs­sen zuneh­mend zu höhe­ren Zins­sät­zen refi­nan­ziert wer­den, wäh­rend zugleich neue Schul­den hin­zu­kom­men. Dadurch gehö­ren die Net­to­zins­zah­lun­gen inzwi­schen zu den am schnells­ten wach­sen­den Aus­ga­ben­pos­ten des Bun­des­haus­halts.

Hin­zu kommt der kon­ti­nu­ier­li­che Anstieg der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Pflicht­aus­ga­ben. Pro­gram­me wie Social Secu­ri­ty, Medi­ca­re und Medi­caid bean­spru­chen einen immer grö­ße­ren Teil des Haus­halts. Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung ver­schärft die­sen Trend zusätz­lich: Eine altern­de Bevöl­ke­rung bedeu­tet mehr Ren­ten­emp­fän­ger und stei­gen­de Gesund­heits­aus­ga­ben. Anders als vie­le ande­re staat­li­che Aus­ga­ben las­sen sich die­se Ver­pflich­tun­gen kurz­fris­tig kaum redu­zie­ren, ohne tief­grei­fen­de poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

Auch die Aus­ga­ben für Ver­tei­di­gung und natio­na­le Sicher­heit blei­ben hoch. Inter­na­tio­na­le Span­nun­gen, mili­tä­ri­sche Ver­pflich­tun­gen und zusätz­li­che Inves­ti­tio­nen erhö­hen den Finan­zie­rungs­be­darf des Staa­tes. Gleich­zei­tig wach­sen zwar auch die Steu­er­ein­nah­men mit der Wirt­schaft, doch rei­chen die­se bis­lang nicht aus, um den Anstieg der Gesamt­aus­ga­ben aus­zu­glei­chen. Das Pro­blem liegt daher nicht allein in ein­zel­nen außer­ge­wöhn­li­chen Aus­ga­ben­pro­gram­men, son­dern zuneh­mend in einem struk­tu­rel­len Miss­ver­hält­nis zwi­schen den lang­fris­ti­gen Ein­nah­men und Ver­pflich­tun­gen des Staa­tes.

Die Fol­gen wer­den beson­ders sicht­bar, wenn man auf die gesam­te Staats­ver­schul­dung blickt. Der Schul­den­stand der Ver­ei­nig­ten Staa­ten hat inzwi­schen die Mar­ke von 40 Bil­lio­nen US-Dol­lar über­schrit­ten. Jedes wei­te­re hohe Haus­halts­de­fi­zit erhöht den Finan­zie­rungs­be­darf zusätz­lich. Für das US-Finanz­mi­nis­te­ri­um bedeu­tet dies, dass fort­lau­fend enor­me Men­gen neu­er Staats­an­lei­hen aus­ge­ge­ben wer­den müs­sen, um aus­lau­fen­de Ver­bind­lich­kei­ten zu refi­nan­zie­ren und neue Defi­zi­te zu finan­zie­ren.

Die­se Ent­wick­lung hat auch Bedeu­tung für die inter­na­tio­na­len Kapi­tal­märk­te. Ein dau­er­haft hohes Ange­bot an US-Staats­an­lei­hen kann dazu bei­tra­gen, die Ren­di­ten län­ger­fris­tig auf erhöh­tem Niveau zu hal­ten. Stei­gen­de Ren­di­ten ver­teu­ern wie­der­um die Refi­nan­zie­rung des Staa­tes und erhö­hen mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung die Zins­aus­ga­ben. Dadurch kann ein sich selbst ver­stär­ken­der Mecha­nis­mus ent­ste­hen: Höhe­re Schul­den füh­ren zu höhe­ren Zins­zah­lun­gen, höhe­re Zins­zah­lun­gen ver­grö­ßern das Defi­zit, und das grö­ße­re Defi­zit erfor­dert zusätz­li­che Kre­dit­auf­nah­me.

Bemer­kens­wert ist vor allem die Grö­ßen­ord­nung des Defi­zits im Ver­hält­nis zur Wirt­schafts­leis­tung. Mit einem Haus­halts­loch von unge­fähr sechs Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts liegt die Neu­ver­schul­dung auf einem Niveau, das his­to­risch eher mit schwe­ren Rezes­sio­nen, Krie­gen oder ande­ren außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tungs­si­tua­tio­nen ver­bun­den war. Dass ein der­art hohes Defi­zit inzwi­schen auch außer­halb einer aku­ten Wirt­schafts­kri­se auf­tritt, deu­tet auf ein grund­le­gen­des fis­ka­li­sches Ungleich­ge­wicht hin. Unbe­nannt 1

Kurz­fris­tig bedeu­tet dies nicht, dass den Ver­ei­nig­ten Staa­ten eine unmit­tel­ba­re Zah­lungs­un­fä­hig­keit droht. Der Dol­lar besitzt wei­ter­hin eine zen­tra­le Stel­lung im inter­na­tio­na­len Finanz­sys­tem, und US-Staats­an­lei­hen zäh­len nach wie vor zu den wich­tigs­ten und liqui­des­ten Wert­pa­pie­ren der Welt. Lang­fris­tig wächst jedoch der finanz­po­li­ti­sche Hand­lungs­spiel­raum nicht mit den Ver­pflich­tun­gen mit. Je grö­ßer der Anteil des Haus­halts wird, der für Zin­sen, Ren­ten- und Gesund­heits­pro­gram­me gebun­den ist, des­to schwie­ri­ger wird es, auf neue Kri­sen zu reagie­ren, Inves­ti­tio­nen zu finan­zie­ren oder die Ver­schul­dung ohne poli­ti­sche Ein­schnit­te zu sta­bi­li­sie­ren.

Das eigent­li­che Risi­ko liegt des­halb weni­ger in einer ein­zel­nen Defi­zit­zahl als in ihrer Dau­er­haf­tig­keit. Ein Defi­zit von annä­hernd zwei Bil­lio­nen Dol­lar kann in einer außer­ge­wöhn­li­chen Kri­se ver­kraft­bar sein. Wird eine sol­che Grö­ßen­ord­nung jedoch zum Nor­mal­zu­stand, wächst die Schul­den­last schnel­ler, wäh­rend zugleich die Kos­ten ihrer Finan­zie­rung stei­gen. Genau dar­in liegt die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung der ame­ri­ka­ni­schen Finanz­po­li­tik: nicht nur das gegen­wär­ti­ge Defi­zit zu finan­zie­ren, son­dern einen Weg zu fin­den, die lang­fris­ti­ge Dyna­mik von Aus­ga­ben, Ein­nah­men, Zin­sen und Ver­schul­dung wie­der in ein trag­fä­hi­ge­res Ver­hält­nis zu brin­gen.

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