„Clan“ und „Clankriminalität“
Eine einfache Ja-oder-Nein-Antwort gibt es nicht, und Fachleute sind sich uneinig. Rassistisch ist das Wort an sich nicht. Ob es rassistisch wirkt, hängt davon ab, wie es definiert und angewendet wird.
Herkunft des Wortes
„Clan“ kommt vom gälischen clann („Familie“ „Kinder“, „Nachkommen“). Gemeint ist eine Großfamilie oder Abstammungsgemeinschaft. Eine ethnische Zuschreibung steckt in dem Wort ursprünglich nicht.
Argumente der Kritiker
Kritik kommt unter anderem aus Teilen der Migrations- und Kriminalitätsforschung, von Journalistenverbänden wie den Neuen deutschen Medienmacher und von betroffenen Familien.
- Ethnisierung: In Deutschland bezieht sich der Begriff fast nur auf Familien mit arabischem, türkischem oder kurdischem Hintergrund, etwa auf Mhallamiye-Kurden. Bei deutschen Rockerbanden oder der italienischen Mafia spricht man selten von „Clans“. So entsteht der Eindruck, Kriminalität sei eine Frage der Herkunft.
- Kollektive Zuschreibung: Teilweise wurden Fälle über Familiennamen erfasst. Damit geraten auch unbeteiligte Verwandte in Verdacht. Kritiker sprechen von „Sippenhaft“.
- Problematische Definitionen: Frühere Lagebilder sprachen etwa von „ethnisch abgeschotteten Subkulturen“. Das verknüpft Kriminalität direkt mit Herkunft.
- Folgen in der Praxis: Großrazzien in Shisha-Bars oder Barbershops brachten oft nur wenige schwere Funde. Kritiker sehen darin Racial Profiling und eine Stigmatisierung ganzer Gruppen.
Argumente der Befürworter
Dazu gehören Polizei, das BKA, Innenministerien und Forscher wie Ralph Ghadban.
- Echte Strukturen: Es gibt Netzwerke organisierter Kriminalität, die sich auf Großfamilien stützen. Der Begriff beschreibt eine Organisationsform, keine Ethnie.
- Nutzen für Ermittlungen: Familiäre Bindungen erklären typische Merkmale dieser Kriminalität: Abschottung, Druck auf Zeugen und eine Paralleljustiz, etwa durch sogenannte „Friedensrichter“.
- Neutrale Definition: Das BKA definiert „Clan“ über ein gemeinsames Abstammungsverständnis und hierarchische Familienstrukturen, nicht über eine Nationalität.
- Schutz der Betroffenen: Opfer sind oft selbst Menschen aus denselben Gemeinschaften. Wer das Problem nicht benennt, lässt sie im Stich.
Fazit
Die meisten differenzierten Stimmen sehen es so:
- Es ist legitim, kriminelle Strukturen zu benennen, die auf Familien beruhen.
- Problematisch wird es, wenn Herkunft oder Familienname zum Kriterium gemacht werden, wenn Unbeteiligte mitgemeint sind oder wenn Kriminalität als „ethnisches“ Problem dargestellt wird.
Deshalb schlagen manche genauere Formulierungen vor, etwa „familienbasierte organisierte Kriminalität“ oder einfach „organisierte Kriminalität“, und fordern eine klare Trennung zwischen kriminellen Netzwerken und Familien als Ganzes.
Ob man den Begriff selbst für rassistisch hält, ist am Ende auch eine politische Bewertung. Die Debatte dreht sich weniger um das Wort als darum, wie es verwendet wird.