Die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten hat eine neue historische Marke erreicht. In den ersten 19 Monaten der zweiten Amtszeit von Donald Trump stieg sie auf mehr als 40 Billionen US-Dollar. Damit entwickelt sich die Finanzlage des Landes entgegen den politischen Versprechen, mit denen Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt war. Er hatte angekündigt, den Bundesstaat zu verkleinern, kostspielige militärische Engagements zurückzufahren und durch stärkeres Wirtschaftswachstum die hohen Haushaltsdefizite unter Kontrolle zu bringen. Tatsächlich sind die staatlichen Ausgaben jedoch weiter gestiegen, während zugleich die Kosten für die Finanzierung der Schulden zunehmen.
Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist die Finanzpolitik der Regierung. Trumps Steuer- und Einwanderungsgesetz aus seiner zweiten Amtszeit dürfte die Verschuldung nach Berechnungen des Congressional Budget Office um weitere 4,7 Billionen Dollar erhöhen. Schon die Steuersenkungen seiner ersten Amtszeit hatten nach Berechnungen des Committee for a Responsible Federal Budget erhebliche zusätzliche Schulden verursacht. Zwar gelang es Trump und den Republikanern im Kongress, das jährliche Haushaltsdefizit 2025 geringfügig zu reduzieren, doch die Gesamtverschuldung wuchs weiter.
Hinzu kommen steigende Finanzierungskosten. Die Renditen einiger US-Staatsanleihen haben den höchsten Stand seit nahezu zwei Jahrzehnten erreicht. Dadurch muss die Bundesregierung immer größere Beträge allein für Zinszahlungen aufbringen. Gleichzeitig belastet der seit Monaten andauernde Iran-Krieg den Haushalt zusätzlich. Die Kombination aus wachsenden Schulden, hohen Zinsen und anhaltenden Ausgaben erhöht den Druck auf die öffentlichen Finanzen und schränkt den Spielraum für künftige politische Entscheidungen ein.
Die Ursachen des amerikanischen Schuldenproblems reichen allerdings weit über die aktuelle Regierung hinaus. Republikanische wie demokratische Präsidenten haben über Jahrzehnte zu wachsenden Defiziten beigetragen. Steuersenkungen unter Ronald Reagan und George W. Bush belasteten den Haushalt ebenso wie die Kriege der Bush-Ära. Unter Barack Obama und Joe Biden erhöhten umfangreiche Konjunktur- und Krisenprogramme nach der Finanzkrise von 2008 beziehungsweise während der Corona-Pandemie die staatlichen Ausgaben. Eine Ausnahme bildete die zweite Amtszeit Bill Clintons, in der zeitweise Haushaltsüberschüsse erzielt wurden.
Neben politischen Entscheidungen verschärft auch die demografische Entwicklung die Situation. Mit dem Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand steigen die Belastungen für Social Security und Medicare. Gleichzeitig reichen die Einnahmen aus den Lohnabgaben zunehmend nicht aus, um die langfristig zugesagten Leistungen zu finanzieren. Damit wächst der Druck auf Programme, deren Kürzung politisch besonders umstritten wäre.
Die Regierung setzt darauf, dass kräftiges Wirtschaftswachstum einen Ausweg aus der angespannten Lage bieten kann. Niedrigere Steuern und weniger Regulierung sollen Investitionen fördern, zusätzliche Einnahmen schaffen und dafür sorgen, dass die Wirtschaftsleistung schneller wächst als die Schulden. Doch diese Strategie stößt auf erhebliche Zweifel. Der starke Kapitalbedarf, insbesondere durch umfangreiche Investitionen in künstliche Intelligenz und große Technologieunternehmen, verschärft den Wettbewerb um Finanzmittel und kann die Zinsen weiter nach oben treiben. Damit droht ausgerechnet die Finanzierung des Staates noch teurer zu werden.
Auch die angekündigten Einsparungen im Staatsapparat blieben deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Die von Elon Musk geführte, inzwischen aufgelöste Effizienzbehörde hatte Einsparungen von zwei Billionen Dollar in Aussicht gestellt. Am Ende wurden 110 Milliarden Dollar gemeldet. Eine Prüfung kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Teile dieser Angaben überhöht oder nicht ausreichend überprüfbar waren.
Damit wird die Staatsverschuldung zunehmend zu einem Problem, das sich nicht mehr allein durch Wirtschaftswachstum oder begrenzte Sparmaßnahmen lösen lässt. Bleiben grundlegende Reformen aus, dürften künftige Regierungen vor schwierigen Entscheidungen stehen. Höhere Steuern, geringere Sozialleistungen oder tiefere Einschnitte bei anderen Staatsausgaben könnten dann notwendig werden. Die Überschreitung der Marke von 40 Billionen Dollar ist deshalb mehr als nur eine symbolische Zahl: Sie verdeutlicht, wie stark sich der finanzpolitische Handlungsspielraum der Vereinigten Staaten bereits verengt hat.