Stei­gen­de US-Anlei­he­ren­di­ten wer­den zum Belas­tungs­fak­tor für Akti­en

Die kräf­ti­ge Ral­ly am US-Akti­en­markt könn­te vor einer neu­en Bewäh­rungs­pro­be ste­hen. Wäh­rend star­ke Unter­neh­mens­ge­win­ne die Kur­se in den ver­gan­ge­nen Mona­ten gestützt haben, rückt mit dem Ende der Berichts­sai­son zuneh­mend ein ande­rer Fak­tor in den Mit­tel­punkt: die stei­gen­den Ren­di­ten von US-Staats­an­lei­hen. Beson­ders auf­merk­sam beob­ach­ten Anle­ger die zehn­jäh­ri­ge Tre­asu­ry-Ren­di­te, die sich der Mar­ke von fünf Pro­zent nähert. Die­ses Niveau gilt an den Märk­ten als psy­cho­lo­gisch bedeut­sam und könn­te den Druck auf Akti­en deut­lich erhö­hen.

Seit Anfang März ist die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger US-Staats­an­lei­hen um mehr als 80 Basis­punk­te auf rund 4,79 Pro­zent gestie­gen. Bis­lang hat die­ser Anstieg die Akti­en­märk­te jedoch nicht nach­hal­tig aus der Bahn gewor­fen. Der S&P 500 liegt im lau­fen­den Jahr wei­ter­hin deut­lich im Plus und notiert nur knapp unter sei­nem jüngs­ten Rekord­hoch. Ein wesent­li­cher Grund dafür ist die star­ke Gewinn­ent­wick­lung vie­ler US-Unter­neh­men, die Sor­gen über höhe­re Zin­sen bis­lang über­la­gert hat.

Mit dem Aus­lau­fen der star­ken Berichts­sai­son könn­te sich die­se Situa­ti­on ändern. Ohne den unmit­tel­ba­ren Rücken­wind über­zeu­gen­der Quar­tals­zah­len dürf­ten makro­öko­no­mi­sche Fak­to­ren wie­der stär­ker in den Vor­der­grund tre­ten. Dazu zäh­len vor allem die wei­ter­hin hart­nä­cki­ge Infla­ti­on, die hohe staat­li­che Kre­dit­auf­nah­me und eine ins­ge­samt robus­te wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung. Hin­zu kom­men wach­sen­de pri­va­te Inves­ti­ti­ons­be­dürf­nis­se, die eben­falls dazu bei­tra­gen kön­nen, den Druck auf die Ren­di­ten hoch zu hal­ten.

Für Akti­en sind stei­gen­de Anlei­he­ren­di­ten aus meh­re­ren Grün­den pro­ble­ma­tisch. Zum einen wer­den fest­ver­zins­li­che Wert­pa­pie­re attrak­ti­ver, wenn Anle­ger dort höhe­re lau­fen­de Erträ­ge erzie­len kön­nen. Akti­en müs­sen dann stär­ker um Kapi­tal kon­kur­rie­ren. Zum ande­ren stei­gen die Finan­zie­rungs­kos­ten für Unter­neh­men, was Inves­ti­tio­nen erschwe­ren und lang­fris­tig auch das Wirt­schafts­wachs­tum belas­ten kann. Beson­ders emp­find­lich reagie­ren Unter­neh­men, die stark auf Fremd­fi­nan­zie­rung ange­wie­sen sind.

Auch die Bewer­tung von Akti­en gerät bei höhe­ren Ren­di­ten unter Druck. In gän­gi­gen Bewer­tungs­mo­del­len wer­den zukünf­ti­ge Unter­neh­mens­ge­win­ne mit einem höhe­ren Zins­satz abge­zinst, wodurch ihr heu­ti­ger Wert sinkt. Das trifft vor allem Wachs­tums­un­ter­neh­men, deren Bewer­tung stark von Gewin­nen abhängt, die erst in spä­te­ren Jah­ren erwar­tet wer­den. Beson­ders sen­si­bel könn­ten daher Markt­seg­men­te reagie­ren, die von hohen Zukunfts­er­war­tun­gen und umfang­rei­chen Inves­ti­tio­nen in künst­li­che Intel­li­genz getra­gen wer­den.

Zwar ist die Bewer­tung des S&P 500 im Ver­gleich zum Jah­res­be­ginn bereits zurück­ge­kom­men. Das erwar­te­te Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis lag zuletzt bei 19,7, nach­dem es zu Jah­res­be­ginn noch 22,2 betra­gen hat­te. Damit erscheint der Markt zwar weni­ger teu­er als zuvor, liegt aber wei­ter­hin deut­lich über sei­nem lang­fris­ti­gen Durch­schnitt von rund 16. Stei­gen die Anlei­he­ren­di­ten wei­ter, könn­te dies eine erneu­te Aus­wei­tung der Akti­en­be­wer­tun­gen ver­hin­dern oder sogar zusätz­li­chen Abwärts­druck erzeu­gen.

Beson­de­re Auf­merk­sam­keit gilt des­halb der Mar­ke von fünf Pro­zent bei zehn­jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen. Zuletzt wur­de die­ses Niveau im Okto­ber 2023 erreicht, einer Pha­se, die mit deut­li­cher Schwä­che an den Akti­en­märk­ten zusam­men­fiel. Die Fünf-Pro­zent-Mar­ke könn­te erneut als Signal die­nen, Risi­ken zu redu­zie­ren und Kapi­tal stär­ker in Anlei­hen umzu­schich­ten. Gleich­zei­tig wür­den Unter­neh­men mit hohem Finan­zie­rungs­be­darf die stei­gen­den Kos­ten zuneh­mend spü­ren.

Ent­schei­dend dürf­te aller­dings nicht allein die Höhe der Ren­di­ten sein, son­dern auch die Geschwin­dig­keit ihres Anstiegs. Bis­lang ver­lief die Bewe­gung ver­gleichs­wei­se geord­net, sodass Unter­neh­men und Inves­to­ren Zeit hat­ten, sich dar­auf ein­zu­stel­len. Ein abrup­ter Sprung der Ren­di­ten könn­te die Lage jedoch deut­lich ver­schär­fen. In einem sol­chen Sze­na­rio wür­den nicht nur Akti­en­be­wer­tun­gen stär­ker unter Druck gera­ten, son­dern auch Zwei­fel an der Nach­hal­tig­keit des Gewinn­wachs­tums in einem restrik­ti­ve­ren Zins­um­feld zuneh­men.

Damit ver­schiebt sich der Fokus an der Wall Street zuneh­mend von der Unter­neh­mens­sei­te hin zum Anlei­he­markt. Solan­ge die Ren­di­ten nur schritt­wei­se stei­gen und die Gewin­ne robust blei­ben, dürf­te der Akti­en­markt den Belas­tun­gen stand­hal­ten kön­nen. Ein schnel­ler Anstieg der zehn­jäh­ri­gen Tre­asu­ry-Ren­di­te in Rich­tung fünf Pro­zent oder dar­über hin­aus könn­te jedoch zu einem ent­schei­den­den Stress­test für die bis­lang wider­stands­fä­hi­ge US-Bör­se wer­den.


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