Anlei­hen wer­den wie­der attrak­ti­ver gegen­über Akti­en

Über vie­le Jah­re stan­den Akti­en für Anle­ger klar im Mit­tel­punkt. Nied­ri­ge Zin­sen mach­ten klas­si­sche Anlei­hen ver­gleichs­wei­se unat­trak­tiv, wäh­rend Unter­neh­men von güns­ti­gen Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten und stei­gen­den Bewer­tun­gen pro­fi­tier­ten. Inzwi­schen hat sich die­ses Ver­hält­nis ver­än­dert. Höhe­re Zin­sen haben dafür gesorgt, dass Anlei­hen wie­der deut­lich inter­es­san­ter gewor­den sind und zuneh­mend als ech­te Alter­na­ti­ve zu Akti­en wahr­ge­nom­men wer­den.

Der ent­schei­den­de Unter­schied liegt im Ver­hält­nis von Ren­di­te und Risi­ko. Akti­en bie­ten lang­fris­tig wei­ter­hin attrak­ti­ve Ertrags­chan­cen, sind jedoch mit deut­li­chen Kurs­schwan­kun­gen ver­bun­den. Anlei­hen ermög­li­chen dage­gen regel­mä­ßi­ge Zins­zah­lun­gen und bie­ten bei soli­den Emit­ten­ten eine höhe­re Plan­bar­keit. Steigt das all­ge­mei­ne Zins­ni­veau, müs­sen Anle­ger für eine akzep­ta­ble Ren­di­te nicht mehr zwangs­läu­fig die höhe­ren Risi­ken des Akti­en­mark­tes ein­ge­hen. Damit wächst die Kon­kur­renz zwi­schen bei­den Anla­ge­klas­sen.

Beson­ders Staats­an­lei­hen gewin­nen in einem sol­chen Umfeld an Bedeu­tung. Sie gel­ten bei wirt­schaft­lich und finan­zi­ell sta­bi­len Staa­ten als ver­gleichs­wei­se siche­re Anla­ge­form und kön­nen wie­der einen spür­ba­ren lau­fen­den Ertrag bie­ten. Auch Unter­neh­mens­an­lei­hen wer­den inter­es­san­ter, da sie häu­fig höhe­re Zin­sen als Staats­an­lei­hen zah­len. Dafür müs­sen Anle­ger aller­dings ein zusätz­li­ches Boni­täts- und Aus­fall­ri­si­ko berück­sich­ti­gen.

Für den Akti­en­markt haben höhe­re Anlei­he­ren­di­ten meh­re­re Fol­gen. Zum einen stei­gen die Finan­zie­rungs­kos­ten für Unter­neh­men. Kre­di­te und die Auf­nah­me neu­en Kapi­tals wer­den teu­rer, wodurch Inves­ti­tio­nen schwie­ri­ger zu finan­zie­ren sein kön­nen. Zum ande­ren ver­än­dern höhe­re Zin­sen die Bewer­tung von Akti­en. Künf­ti­ge Unter­neh­mens­ge­win­ne wer­den stär­ker abge­zinst, wodurch beson­ders hoch bewer­te­te Unter­neh­men unter Druck gera­ten kön­nen.

Hin­zu kommt ein wei­te­rer Effekt: Anle­ger ver­glei­chen ver­schie­de­ne Anla­ge­for­men mit­ein­an­der. Wenn siche­re oder ver­gleichs­wei­se risi­ko­ar­me Anlei­hen bereits eine attrak­ti­ve Ver­zin­sung bie­ten, muss eine Aktie ent­spre­chend höhe­re Ren­di­te­chan­cen bie­ten, damit sich das zusätz­li­che Risi­ko lohnt. Die­ser Zusam­men­hang kann dazu füh­ren, dass Kapi­tal stär­ker zwi­schen Akti­en und Anlei­hen ver­teilt wird.

Das bedeu­tet aller­dings nicht, dass Anlei­hen Akti­en grund­sätz­lich erset­zen. Bei­de Anla­ge­klas­sen erfül­len unter­schied­li­che Auf­ga­ben in einem Port­fo­lio. Akti­en blei­ben vor allem für lang­fris­ti­ges Kapi­tal­wachs­tum inter­es­sant, wäh­rend Anlei­hen stär­ker der Sta­bi­li­sie­rung, plan­ba­ren Erträ­gen und der Risi­ko­streu­ung die­nen kön­nen. Gera­de die Kom­bi­na­ti­on bei­der Anla­ge­for­men kann des­halb wie­der an Bedeu­tung gewin­nen.

Auch Anlei­hen sind jedoch nicht risi­ko­frei. Stei­gen die Markt­zin­sen nach dem Kauf wei­ter, kön­nen bereits aus­ge­ge­be­ne Anlei­hen an Wert ver­lie­ren. Beson­ders bei lan­gen Lauf­zei­ten kön­nen sol­che Kurs­schwan­kun­gen erheb­lich aus­fal­len. Wer eine Anlei­he bis zur Fäl­lig­keit hält und der Emit­tent sei­nen Ver­pflich­tun­gen nach­kommt, erhält in der Regel den ver­ein­bar­ten Rück­zah­lungs­be­trag. Wer dage­gen vor­zei­tig ver­kau­fen muss, kann Ver­lus­te erlei­den.

Dar­über hin­aus spielt die Boni­tät des Schuld­ners eine ent­schei­den­de Rol­le. Höhe­re Ren­di­ten sind häu­fig mit höhe­ren Risi­ken ver­bun­den. Anle­ger soll­ten des­halb nicht allein auf den ange­bo­te­nen Zins­satz ach­ten, son­dern auch Lauf­zeit, Kre­dit­wür­dig­keit, Infla­ti­ons­ri­si­ko und die eige­ne finan­zi­el­le Situa­ti­on berück­sich­ti­gen.

Ins­ge­samt hat sich das Kräf­te­ver­hält­nis zwi­schen Akti­en und Anlei­hen wie­der stär­ker aus­ge­gli­chen. Wäh­rend Anlei­hen in Zei­ten sehr nied­ri­ger Zin­sen häu­fig nur gerin­ge Erträ­ge boten, kön­nen sie heu­te wie­der eine wich­ti­ge Rol­le bei der Ver­mö­gens­an­la­ge spie­len. Für Anle­ger stellt sich des­halb weni­ger die Fra­ge, ob Akti­en oder Anlei­hen grund­sätz­lich die bes­se­re Wahl sind. Ent­schei­dend ist viel­mehr, wie bei­de Anla­ge­klas­sen ent­spre­chend Anla­ge­ho­ri­zont, Ren­di­te­ziel und per­sön­li­cher Risi­ko­be­reit­schaft sinn­voll mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den kön­nen.


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