1. Kernaussagen
- Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist 2025 erstmals seit dem Corona-Jahr 2020 nicht mehr gestiegen, sondern minimal gesunken.
- Im Jahresdurchschnitt waren rund 46,0 Millionen Menschen erwerbstätig, etwa 5 000 weniger als 2024.
- Beschäftigungszuwächse gab es ausschließlich im Dienstleistungssektor, während Industrie, Bau und Landwirtschaft deutliche Verluste verzeichneten.
- Die Zahl der Erwerbslosen stieg deutlich um 161 000 Personen auf 1,7 Millionen, die Erwerbslosenquote erhöhte sich auf 3,5 %.
- Hauptursachen sind konjunkturelle Schwäche und der demografische Wandel .
2. Entwicklung der Erwerbstätigkeit insgesamt
Nach einem historischen Höchststand im Jahr 2024 stagnierte der Arbeitsmarkt 2025 faktisch. Der Rückgang um 5 000 Erwerbstätige entspricht zwar statistisch nahezu einer Seitwärtsbewegung (0,0 %), markiert aber einen strukturellen Wendepunkt: Seit 2006 war – mit Ausnahme von 2020 – ein kontinuierliches Wachstum zu beobachten.
Die Dynamik hatte sich jedoch bereits seit Anfang 2024 deutlich abgeschwächt. Damit bestätigt sich, dass der Arbeitsmarkt zeitverzögert, aber spürbar auf die wirtschaftliche Abkühlung reagiert .
3. Branchenstruktur: Gewinner und Verlierer
3.1 Dienstleistungssektor (einziger Wachstumsbereich)
- +164 000 Erwerbstätige (+0,5 %)
- Anteil an allen Erwerbstätigen: 75,9 %
- Besonders starke Zuwächse:
- Öffentliche Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit: +205 000 (+1,7 %)
- Finanz- und Versicherungsdienstleistungen: +16 000
- Sonstige Dienstleistungen: +26 000
Gleichzeitig zeigen sich auch innerhalb der Dienstleistungen Schwächen:
- Unternehmensnahe Dienstleistungen (z. B. Leiharbeit): –64 000
- Information und Kommunikation: –10 000 (Ende eines langjährigen Beschäftigungsbooms)
- Handel, Verkehr, Gastgewerbe: –15 000
3.2 Produzierendes Gewerbe und Bau
- Produzierendes Gewerbe (ohne Bau): –143 000 (–1,8 %)
- Baugewerbe: –23 000 (–0,9 %)
- Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei: –3 000
Damit setzt sich der langfristige Strukturwandel zulasten industrieller Kernbereiche fort .
4. Beschäftigungsformen
- Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: leichtes Plus (+33 000)
- Marginale Beschäftigung und Selbstständigkeit: Rückgänge
- Zahl der Selbstständigen sinkt seit 2012 kontinuierlich; 2025 erneut –38 000 (–1,0 %)
Die Stabilität der Gesamtbeschäftigung beruht somit nicht auf unternehmerischer Dynamik, sondern auf abhängiger Beschäftigung im Dienstleistungsbereich.
5. Erwerbslosigkeit und Arbeitsmarktspannung
- Erwerbslose: +161 000 (+10,8 %)
- Erwerbslosenquote: 3,5 % (Vorjahr: 3,1 %)
- Erwerbspersonen insgesamt: 47,5 Millionen
Trotz nahezu stabiler Erwerbstätigenzahl verschärft sich damit die Arbeitsmarktlage sichtbar. Das deutet auf eine sinkende Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes hin .
6. Ursachen laut Statistik
- Konjunkturelle Abkühlung (schwaches Wirtschaftswachstum, Investitionszurückhaltung)
- Demografischer Wandel: altersbedingtes Ausscheiden der Babyboomer, zu geringer Nachwuchs
- Gegenläufige Effekte:
- Nettozuwanderung ausländischer Arbeitskräfte
- Höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Personen
7. Kritische Einordnung
- Stagnation als Warnsignal
Der minimale Rückgang darf nicht überinterpretiert werden, ist aber symbolisch bedeutsam: Er zeigt, dass der Arbeitsmarkt seine Rolle als Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft zunehmend verliert. - Einseitige Beschäftigungsstruktur
Dass Beschäftigungszuwächse fast ausschließlich im staatlich oder staatsnah geprägten Dienstleistungsbereich entstehen, wirft Fragen zur langfristigen Produktivitäts- und Wachstumsbasis auf. - Industriepolitische Leerstelle
Die deutlichen Verluste im Produzierenden Gewerbe deuten nicht nur auf Konjunktur-, sondern auf Standortprobleme hin (Energiepreise, Bürokratie, Investitionsklima). - Demografie als strukturelles Risiko
Die Daten bestätigen, dass Zuwanderung und höhere Erwerbsquoten zwar dämpfend wirken, den demografischen Effekt aber nicht vollständig kompensieren können.
8. Gesamteinschätzung
Der deutsche Arbeitsmarkt ist 2025 nicht eingebrochen, aber er hat seinen Wachstumspfad verlassen. Die Kombination aus wirtschaftlicher Schwäche, sektoraler Schieflage und demografischem Druck deutet darauf hin, dass ohne wirtschaftspolitische Gegensteuerung mittelfristig steigende Erwerbslosigkeit bei stagnierender Beschäftigung droht.
Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes
