Nach Bränden an der wichtigen Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf verdichten sich die Hinweise auf einen gezielten linksextremistischen Sabotageakt. Im Internet wurde ein Bekennerschreiben unter dem Namen „Kommando Angry Birds“ veröffentlicht. Darin wird behauptet, für die Beschädigungen an der Bahnverbindung nördlich von Leverkusen verantwortlich zu sein. Ob das Schreiben tatsächlich von den Tätern stammt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
An zwei Stellen waren Feuer im Bereich der Bahninfrastruktur ausgebrochen. Dabei wurden unter anderem Signal- und Kommunikationskabel beschädigt. Die Strecke musste während der Lösch- und Reparaturarbeiten zeitweise vollständig gesperrt werden. Regional- und Fernzüge fielen aus, wurden umgeleitet oder erreichten ihre Ziele mit erheblichen Verspätungen. Am Samstagabend konnte die Verbindung wieder freigegeben werden.
Polizei und Staatsschutz ermitteln wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung und eines politisch motivierten Angriffs auf kritische Infrastruktur. Nach Medienberichten halten Sicherheitskreise einen technischen Defekt als Ursache für wenig wahrscheinlich. Das im Internet veröffentlichte Schreiben wird auf seine Echtheit und mögliche Verbindungen zu früheren Taten geprüft.
Das „Kommando Angry Birds“ wird dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet. Unter diesem Namen wurden bereits in der Vergangenheit Anschläge oder Anschlagsversuche auf Bahnanlagen und Einrichtungen der Energieversorgung für sich reklamiert. Ob hinter den verschiedenen Bekennerschreiben eine feste Gruppierung, wechselnde Täter oder lediglich ein gemeinsam verwendetes Aktionslabel stehen, ist öffentlich nicht abschließend geklärt.
NRW-Innenminister Herbert Reul bezeichnete die Vorfälle als gezielte Sabotage. Wer zentrale Infrastruktur angreife, treffe nicht nur die Deutsche Bahn, sondern den Staat und zahlreiche unbeteiligte Menschen. Besonders problematisch sei, dass bei solchen Brandlegungen auch eine Ausbreitung des Feuers und damit weitere Schäden billigend in Kauf genommen würden. Reul hält eine linksextremistische Urheberschaft zumindest bei einem der Brandorte für wahrscheinlich.
Fest steht bislang: Es gibt ein Bekennerschreiben, deutliche Anzeichen für vorsätzliche Manipulationen und einen starken Sabotageverdacht. Nicht abschließend bewiesen ist dagegen, wer die Brände gelegt hat und ob die Verfasser des Schreibens tatsächlich mit den Tätern identisch sind. Bis entsprechende Beweise vorliegen, sollte deshalb von einem mutmaßlichen Anschlag und einer reklamierten, nicht gerichtlich festgestellten Täterschaft gesprochen werden.