BMW und Deutsche Bank

BMW trotzt Zöllen und fährt in den USA auf Rekordkurs

Der US-Automarkt gilt derzeit als schwieriges Pflaster für ausländische Hersteller. Neue Importzölle, politische Unsicherheiten und ein spürbar härterer Wettbewerb setzen insbesondere europäischen Marken zu. Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung bei BMW: Die Münchner konnten ihren Absatz in den Vereinigten Staaten 2025 erneut steigern und verzeichneten bereits zum dritten Mal in Folge ein Rekordjahr.

Rekordzahlen trotz Gegenwind

Insgesamt setzte BMW im vergangenen Jahr 388.897 Fahrzeuge in den USA ab – ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bestätigt sich die starke Position der Marke auf dem weltweit wichtigsten Automarkt. Allerdings zeigt ein Blick ins Detail, dass nicht alles reibungslos läuft: Im vierten Quartal gingen die Verkäufe um 3,4 Prozent auf 113.512 Fahrzeuge zurück.

Dieser Rückgang relativiert den Rekord nicht, deutet aber darauf hin, dass auch BMW nicht vollständig immun gegen die konjunkturellen und strukturellen Belastungen des Marktes ist. Ob es sich dabei um eine vorübergehende Delle oder um den Beginn einer Abschwächung handelt, bleibt offen.

Produktionsstrategie als entscheidender Vorteil

Ein wesentlicher Grund für die vergleichsweise robuste Entwicklung liegt in der Produktionsstrategie des Konzerns. Während viele europäische Hersteller stark unter den US-Zöllen auf Autoimporte leiden, produziert BMW einen großen Teil seiner in den USA verkauften Fahrzeuge direkt vor Ort. Das Werk in Spartanburg, South Carolina, ist nicht nur das größte BMW-Werk weltweit, sondern auch ein zentraler Pfeiler der US-Strategie.

Diese lokale Fertigung reduziert nicht nur die Zollbelastung, sondern stärkt auch die Akzeptanz der Marke im US-Markt – politisch wie wirtschaftlich. In Zeiten zunehmenden Protektionismus erweist sich diese Entscheidung als klarer Wettbewerbsvorteil.

Audi gerät deutlich ins Hintertreffen

Wie unterschiedlich sich deutsche Hersteller derzeit in den USA schlagen, zeigt der Blick auf Audi. Die VW-Tochter verkaufte 2025 lediglich 164.942 Fahrzeuge – ein Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders dramatisch fiel das vierte Quartal aus: Hier brach der Absatz um 36 Prozent auf 36.233 Fahrzeuge ein.

Der Artikel liefert keine detaillierten Gründe für diesen Einbruch, doch denkbar sind eine schwächere Modellpalette, geringere Markenbindung oder eine stärkere Abhängigkeit von Importen. Im direkten Vergleich wirkt BMW derzeit deutlich besser aufgestellt.

Erfolg mit Fragezeichen

So eindrucksvoll die Rekordzahlen auch sind, sie sollten nicht unkritisch gefeiert werden. Der leichte Rückgang im Schlussquartal, die allgemeine Marktabkühlung und der rasante Wandel hin zu Elektromobilität und neuen Mobilitätskonzepten stellen auch BMW vor Herausforderungen. Der Vorsprung gegenüber Wettbewerbern wie Audi ist real, aber keineswegs garantiert.

Fazit:
BMW profitiert in den USA von einer klugen Standortpolitik und einer starken Marktposition. Der Konzern zeigt, dass langfristige Investitionen in lokale Produktion sich gerade in politisch unruhigen Zeiten auszahlen. Gleichzeitig mahnen die Quartalszahlen zur Vorsicht: Der Rekord ist ein Erfolg – aber kein Freifahrtschein für die Zukunft.


Deutsche Bank: Zurück über dem Buchwert – ein Meilenstein mit Einschränkungen

Die Deutsche Bank hat eine symbolisch wichtige Schwelle überschritten: Erstmals seit der Finanzkrise 2008 liegt ihr Börsenwert wieder über dem Buchwert. Der Aktienkurs stieg Anfang Januar 2026 auf rund 34 Euro und übertraf damit knapp den bilanziellen Eigenkapitalwert je Aktie. Was auf den ersten Blick nach einer nüchternen Kennzahl aussieht, ist in Wirklichkeit ein Signal mit erheblicher psychologischer und strategischer Bedeutung.

Warum der Buchwert überhaupt relevant ist

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) setzt den Marktwert eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem bilanziellen Eigenkapital. Bei Banken ist diese Kennzahl besonders aussagekräftig, weil sie indirekt das Vertrauen der Investoren in die Qualität der Vermögenswerte widerspiegelt. Liegt das KBV unter 1, unterstellt der Markt implizit, dass Risiken, Altlasten oder Ertragsschwäche den bilanziellen Wert relativieren. Ein Wert über 1 bedeutet: Der Markt traut der Bank mehr zu, als in der Bilanz steht.

Dass die Deutsche Bank diese Marke nun wieder überschreitet, ist deshalb kein technisches Detail, sondern ein Vertrauensbeweis – zumindest in Ansätzen.

Der lange Schatten der Finanzkrise

Nach 2008 war die Deutsche Bank im europäischen Vergleich dramatisch abgestürzt. Während Wettbewerber sich schneller stabilisierten, kämpfte das Institut über Jahre mit Rechtsrisiken, strategischer Orientierungslosigkeit, schwacher Profitabilität und wiederholten Restrukturierungen. Zeitweise notierte die Aktie bei einem Bruchteil des Buchwerts. In der Spitze lag das KBV bei nur rund 0,18 – ein vernichtendes Urteil des Marktes.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Entwicklung ein Bruch mit einer sehr langen Phase der Skepsis.

Rückenwind aus dem Zinsumfeld – aber nicht nur

Der Aufschwung kommt nicht aus dem Nichts. Die Zinswende der Europäischen Zentralbank hat das Geschäftsmodell der Banken grundsätzlich wieder attraktiver gemacht. Steigende Zinsen verbessern die Margen im Einlagen- und Kreditgeschäft, was sich direkt in den Erträgen niederschlägt. Davon profitiert auch die Deutsche Bank.

Hinzu kommen interne Fortschritte: Kosten wurden gesenkt, Strukturen vereinfacht, Risikopositionen abgebaut. Vorstandschef Christian Sewing verweist seit einiger Zeit darauf, dass man operativ aufgeholt habe und in den kommenden Jahren eine Eigenkapitalrendite von über 13 Prozent anstrebe.

Der Markt scheint diesen Kurs zumindest teilweise zu honorieren.

Der Blick nach links und rechts: Noch keine Spitzenposition

Trotz des positiven Signals darf man die Entwicklung nicht überinterpretieren. Im europäischen Vergleich bleibt die Deutsche Bank zurück. Viele Institute sind deutlich profitabler und werden vom Markt entsprechend höher bewertet. Der Durchschnitt im europäischen Bankenindex liegt klar über einem KBV von 1 – teilweise deutlich.

Auch im nationalen Vergleich zeigt sich das: Die Commerzbank hatte die Schwelle bereits im Vorjahr überschritten, begünstigt durch einen erfolgreichen Sanierungskurs und zusätzlich durch Übernahmefantasie aus dem Ausland. Die Deutsche Bank zieht hier eher nach, als dass sie vorangeht.

Fortschritt, aber kein Durchbruch

Der Schritt über den Buchwert ist ein Meilenstein – aber kein Endpunkt. Er markiert den Übergang von „strukturellem Misstrauen“ zu „vorsichtigem Vertrauen“. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Die eigentliche Bewährungsprobe liegt noch vor der Bank:

  • Kann sie ihre Profitabilität nachhaltig steigern?
  • Kann sie im Investmentbanking stabilere Ergebnisse liefern?
  • Kann sie mit Wettbewerbern mithalten, die bereits höhere Renditen, stärkere Kapitalquoten und attraktivere Ausschüttungspolitiken vorweisen?

Solange diese Fragen offen sind, bleibt das aktuelle Bewertungsniveau fragil.

Fazit

Die Deutsche Bank ist zurück in einem Bewertungsbereich, der Normalität signalisiert. Nach fast zwei Jahrzehnten des Abschlags ist das bemerkenswert und verdient Anerkennung. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit europäischen Wettbewerbern klar: Es handelt sich um ein Aufholen, nicht um einen Triumph.

Oder anders gesagt:
Der Markt glaubt der Deutschen Bank wieder – aber er ist noch nicht überzeugt.


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