1. Die deutsche Chemieindustrie steckt in der schwersten Krise seit 30 Jahren
- Schwache Nachfrage, hohe Energie- und Personalkosten sowie strenge Regulierung belasten die Branche massiv.
- Seit 2021 ist die Produktion um über 20 % eingebrochen – ein Teil davon gilt als dauerhaft verloren.
2. Insolvenzen und Standortschließungen nehmen zu
- Jüngstes Beispiel: Domo Chemicals (Belgien) meldet Insolvenz an; rund 600 Beschäftigte in Leuna betroffen.
- Auch Dow Chemical plant Stilllegungen in der Region.
- Laut ICIS wurden bis Ende 2025 bereits 15 Mio. Tonnen Chemiekapazität in Europa geschlossen oder verkauft; bis 2028 könnten es 24 Mio. Tonnen werden.
3. 2026 wird ein weiteres Krisenjahr
- Der Branchenverband VCI erwartet:
- –1 % Produktionsrückgang
- –2,5 % Umsatzrückgang
- Verkaufspreise sinken weiter, Auslastung der Anlagen bleibt historisch niedrig.
4. Chinesische Billigimporte verschärfen die Lage
- Chinas Chemieexporte in die EU stiegen Jan–Okt um 27 %.
- Überkapazitäten in China drücken die Preise in Europa weiter nach unten.
5. Beschäftigung bleibt (noch) stabil – aber unter Druck
- Trotz Krise blieb die Zahl der Beschäftigten 2025 bei ca. 480.000.
- Unternehmen halten Fachkräfte, doch vor allem der Mittelstand gerät an Grenzen.
6. Internationale Lage: USA moderat positiv, China wächst stark
- USA: leichtes Produktionsplus, aber abflachendes Wachstum.
- China: +6 % erwartetes Produktionswachstum – größter globaler Chemie-Markt.
7. Konsolidierung der Branche wird wahrscheinlicher
- Goldman Sachs erwartet 2026–2028 eine „disruptive Phase“ mit Fusionen, Übernahmen und Abspaltungen.
- Mehr Firmen verschwinden vom Markt, als neue entstehen.
8. Wenige Lichtblicke
- Möglich positive Impulse durch das deutsche Infrastrukturpaket (Bahn, Straßen, Gesundheit, Verteidigung).
- Unklar, wann die Mittel tatsächlich wirken.
9. Wichtige Entwicklungen bei vier großen Konzernen
| Konzern | Zentrale Entwicklung 2026 |
|---|---|
| BASF | Eröffnung des neuen 8,7‑Mrd.-€‑Megastandorts in Südchina. |
| Covestro | Start unter neuem Eigentümer ADNOC; unklarer Einfluss der Araber. |
| Evonik | Fokus auf Biotech, Energiewende, Kreislaufwirtschaft; 3500 Mitarbeiter in neue Gesellschaft ausgelagert. |
| Wacker Chemie | Großes Sparprogramm, Abbau von 1500 Stellen, Ziel: 300 Mio. € Einsparungen pro Jahr. |
