Die Pressemitteilung des BMWE zeichnet ein gemischtes, insgesamt eher gedämpftes Konjunkturbild für Deutschland im Mai 2026. Zwar wuchs das reale BIP im 1. Quartal 2026 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal und damit etwas stärker als erwartet. Getragen wurde dies vor allem von privatem und staatlichem Konsum sowie Exporten. Für das 2. Quartal deuten die Indikatoren jedoch auf eine deutliche Abschwächung hin.
Kernpunkte:
- Konjunktur: Der Jahresauftakt war robuster als erwartet, aber die Stimmung in Unternehmen und Haushalten hat sich deutlich verschlechtert. Hauptbelastungen sind steigende Energie- und Rohstoffpreise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit durch den Nahost-/Iran-Konflikt.
- Weltwirtschaft: Die globale Industrieproduktion und der Welthandel zeigten Anfang 2026 noch Zuwächse, verlieren aber an Dynamik. Besonders der Containerumschlag und der internationale Warenhandel schwächen sich ab.
- Außenhandel: Die Exporte lagen im 1. Quartal noch 2,9 % über dem Vorquartal, gingen im März aber bereits zurück. Importe stiegen stärker, sodass sich der Handelsüberschuss verringerte. Höhere Einfuhrpreise verschlechterten die Terms of Trade.
- Industrie: Die Industrieproduktion wurde im März zum vierten Mal in Folge gedrosselt. Im 1. Quartal sank die Produktion im Produzierenden Gewerbe um 1,2 % gegenüber dem Vorquartal. Auftragseingänge stiegen im März zwar kräftig um 5,0 %, dies dürfte aber teils auf Vorzieheffekte wegen erwarteter Preissteigerungen und Lieferengpässe zurückgehen.
- Konsum: Der Einzelhandel entwickelte sich schwach. Die realen Umsätze sanken im März um 0,8 % gegenüber dem Vormonat und lagen 0,7 % unter Vorjahr. Konsumklima, HDE-Konsumbarometer und ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel verschlechterten sich deutlich.
- Inflation: Die Inflationsrate stieg im April auf 2,9 %. Haupttreiber waren Energiepreise; die Energieinflation lag bei 10,1 %. Die Kerninflation blieb mit 2,3 % stabil. Eine temporäre Energiesteuersenkung auf Kraftstoffe soll kurzfristig entlasten.
- Arbeitsmarkt: Die Schwäche setzt sich fort. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gingen zurück, während Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im April zunahmen. Eine Belebung im 2. Quartal wird nicht erwartet.
- Insolvenzen: Unternehmensinsolvenzen bleiben hoch. Im Januar wurden 1.919 Verfahren gemeldet, 4,9 % mehr als ein Jahr zuvor. Der IWH-Insolvenztrend meldet für April 1.776 Insolvenzen, 10 % mehr als im Vorjahr.
Einordnung: Der Bericht beschreibt keinen stabilen Aufschwung, sondern eher eine fragile Zwischenbelebung zu Jahresbeginn. Besonders kritisch ist, dass mehrere positive Datenpunkte — etwa Export- und Auftragseingänge — wahrscheinlich durch Vorzieheffekte verzerrt sind. Die zugrunde liegende Dynamik wirkt schwach: Industrie, Konsum und Arbeitsmarkt zeigen keine belastbare Erholung.