Die CDU und die Kunst der Selbst­über­schät­zung

Die CDU in Baden-Würt­tem­berg benimmt sich wie eine Par­tei, die eine Wahl schon gewon­nen hat, bevor sie statt­ge­fun­den hat. Manu­el Hagel wird als künf­ti­ger Minis­ter­prä­si­dent hofiert – dabei kennt ihn drau­ßen im Land kaum jemand. Das ist kein Fun­da­ment. Das ist Kulis­se.

Arro­ganz ist im Wahl­kampf Gift. Wer den Ein­druck ver­mit­telt, es gehe nur noch ums Kas­sie­ren, wirkt schnell abge­ho­ben. Wäh­ler wol­len über­zeugt wer­den, nicht für selbst­ver­ständ­lich gehal­ten. Und nichts mobi­li­siert die Gegen­sei­te zuver­läs­si­ger als eine Par­tei, die sich bereits am Ziel wähnt.

Dazu kommt ein struk­tu­rel­les Pro­blem: Hagel ist kein poli­ti­sches Schwer­ge­wicht. Kein Kret­sch­mann, kein Özd­emir – kein Gesicht, das über die Lan­des­gren­zen hin­aus trägt. Wer mit einem sol­chen Kan­di­da­ten antritt, muss ihn sicht­bar machen, erklä­ren, Ver­trau­en auf­bau­en. Statt­des­sen setzt die CDU auf den Lager­wahl­kampf, auf die For­mel „CDU oder Grü­ne”. Das klingt weni­ger nach Auf­bruch als nach Trotz.

Die Grü­nen spie­len das Spiel bes­ser. Sie set­zen voll auf die Per­son. Özd­emir pola­ri­siert – aber man kennt ihn. Er hat Pro­fil. In engen Ren­nen kann genau das ent­schei­den.

Viel­leicht ist das eigent­li­che Pro­blem der CDU nicht Arro­ganz allein, son­dern Selbst­zu­frie­den­heit: zu lan­ge auf guten Umfra­gen geruht, zu früh gefei­ert. Jetzt wird es eng – und die Sie­ges­ge­wiss­heit klingt auf ein­mal hohl.

Wah­len gewinnt man nicht durch Ansprü­che. Son­dern durch Ver­trau­en. Und das muss man sich ver­die­nen.

Wenn Hagel fällt, wackelt auch Merz

Für die CDU steht in Baden-Würt­tem­berg mehr auf dem Spiel als ein Bun­des­land. Es geht um Pres­ti­ge, um Deu­tungs­ho­heit – und um Fried­rich Merz.

Ver­liert Manu­el Hagel, wird das nicht als regio­na­le Peti­tes­se abge­hakt. Dann stellt sich unwei­ger­lich die Fra­ge: Was sagt das über den Kanz­ler? Denn Merz’ poli­ti­sche Linie – kla­re Kan­te, Abgren­zung von den Grü­nen, Lager­den­ken – spie­gelt sich direkt im Süd­west-Wahl­kampf wider. Ver­fängt die­se Stra­te­gie nicht, trifft der Dämp­fer auch ihn.

Ein ver­lo­re­nes Baden-Würt­tem­berg wäre sym­bo­lisch schwer­wie­gend. Das Land gilt als wirt­schafts­stark, bür­ger­lich geprägt, struk­tu­rell CDU-nah. Schei­tert ein CDU-Kan­di­dat aus­ge­rech­net dort, obwohl die Par­tei mona­te­lang vor­ne lag, kratzt das am Füh­rungs­an­spruch – auch dem in Ber­lin.

Offen wird nie­mand Merz die Schuld geben. Aber in Par­tei­en wird nach Nie­der­la­gen immer still gerech­net: War die Stra­te­gie rich­tig? Hat man die Mit­te erreicht – oder abge­schreckt? Und was folgt dar­aus?

Es käme noch ein zwei­ter Scha­den hin­zu: Wer Hagel früh­zei­tig zum siche­ren Gewin­ner sti­li­siert hat, stün­de bei einer Nie­der­la­ge gleich dop­pelt schlecht da. Erst die Selbst­über­schät­zung im Land. Dann der poli­ti­sche Rück­schlag für die Bun­des­par­tei.

Für Merz wäre das kein exis­ten­zi­el­ler Ein­schnitt – aber ein deut­li­ches Warn­si­gnal. Kanz­ler­bo­nus zehrt von Sie­gen. Wer stol­pert, wird auch an der Spit­ze anders ange­schaut.

Am Ende gilt: Lan­des­wah­len sind nie nur Lan­des­wah­len. Sie sen­den Signa­le nach Ber­lin. Die­ses hier könn­te lau­ten: Die CDU ist längst nicht so sicher, wie sie sich gibt.


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