Die Zahl großer Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt spürbar weiter an. Als Großinsolvenz gilt dabei ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2026 waren 33 solcher Fälle zu verzeichnen – ein Zuwachs von rund 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereits 2025 war mit 94 Insolvenzen ein Höchststand erreicht worden, der seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015 ohne Beispiel ist.
Besonders betroffen ist die Automobilindustrie mit sieben Großinsolvenzen. Danach folgen der Einzelhandel mit fünf sowie Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier Fällen. Problematisch ist, dass die Pleite großer Unternehmen häufig auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner belastet, weil sie Teil komplexer Wertschöpfungsketten sind.
Der wirtschaftliche Schaden nimmt ebenfalls zu: Der zusammengefasste Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen stieg im ersten Halbjahr um 3 % auf 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Umsatz eines betroffenen Unternehmens auf etwa 137 Millionen Euro, was darauf hindeutet, dass zuletzt auch etwas kleinere Großunternehmen häufiger in Schwierigkeiten geraten.
Zu den größten Herausforderungen zählen vor allem hohe Investitions- und Energiekosten sowie die begrenzte Möglichkeit mancher Unternehmen, gestiegene Kosten über höhere Preise an ihre Kunden weiterzugeben. Allianz Trade erwartet deshalb auch im weiteren Verlauf von 2026 keine nachhaltige Entspannung.
Auch international zeigt sich der Trend: Weltweit wurden im ersten Halbjahr 247 Großinsolvenzen gezählt, 13 % mehr als im Vorjahr. Besonders betroffen sind Einzelhandel, Dienstleistungen und Bau. Westeuropa steht für mehr als 60 % aller erfassten Fälle.
Kurz gesagt: Trotz einer möglichen konjunkturellen Belebung bleibt die Lage vieler größerer Unternehmen angespannt. Besonders die Autoindustrie sowie Firmen mit hohen Energie- und Investitionskosten stehen unter Druck, und Großinsolvenzen können weitere Unternehmen entlang der Lieferketten mitreißen.