Dogs of the Dow

Die „Dogs of the Dow“-Strategie ist eine einfache, regelbasierte Dividenden- und Value-Anlagestrategie, die vor allem bei Privatanlegern beliebt ist. Sie zielt darauf ab, durch eine systematische Auswahl bestimmter Aktien des Dow Jones Industrial Average eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen.

1. Grundidee der Strategie

Die zentrale Annahme lautet:

Aktien mit hoher Dividendenrendite sind im Verhältnis zu ihrem Kurs unterbewertet und besitzen Aufholpotenzial.

Da der Dow Jones aus etablierten, großen US-Unternehmen besteht, wird davon ausgegangen, dass Kursrückgänge einzelner Titel eher temporär sind als Ausdruck fundamentaler Schwäche.

2. Vorgehensweise Schritt für Schritt

  1. Ausgangspunkt
    Betrachtet werden ausschließlich die 30 Aktien des Dow Jones Industrial Average.
  2. Sortierung nach Dividendenrendite
    Alle 30 Aktien werden nach ihrer aktuellen Dividendenrendite absteigend sortiert.
  3. Auswahl der „Dogs“
    Die 10 Aktien mit der höchsten Dividendenrendite werden ausgewählt – diese heißen metaphorisch die „Dogs“.
  4. Gleichgewichtete Investition
    Das verfügbare Kapital wird gleichmäßig auf diese 10 Aktien verteilt.
  5. Jährliches Rebalancing
    Einmal pro Jahr (klassisch zum Jahresanfang):
    • Verkauf aller bisherigen Positionen
    • Neubestimmung der Top-10-Dividendenrenditen
    • Reinvestition nach demselben Schema

3. Historische Herkunft

Die Strategie wurde Anfang der 1990er-Jahre populär, vor allem durch:

  • Michael B. O’Higgins: “Beating the Dow” (1991)

Sein Argument: Der Markt überreagiere regelmäßig auf kurzfristige Probleme großer Unternehmen, was sich in hohen Dividendenrenditen bei gedrückten Kursen widerspiegele.

4. Warum die Strategie funktionieren kann

4.1 Value-Effekt

Hohe Dividendenrenditen entstehen oft durch:

  • Gefallene Kurse
  • stabile Dividendenzahlungen

Dies entspricht klassischen Value-Kriterien.

4.2 Mean Reversion

Große, etablierte Unternehmen neigen dazu, nach Schwächephasen wieder zur langfristigen Durchschnittsbewertung zurückzukehren.

4.3 Disziplinierter Ansatz

  • Klare Regeln
  • Keine emotionale Einzeltitelauswahl
  • Automatisches Rebalancing

5. Kritische Würdigung und Schwächen

5.1 Dividendenrendite ≠ Unterbewertung

Eine hohe Dividendenrendite kann auch bedeuten:

  • sinkende Gewinne
  • strukturelle Geschäftsprobleme
  • bevorstehende Dividendenkürzungen

→ Die Strategie ignoriert fundamentale Qualitätsindikatoren.

5.2 Klumpenrisiken

In bestimmten Marktphasen können sich viele „Dogs“:

  • in derselben Branche
  • im selben Konjunkturzyklus

befinden (z. B. Finanz- oder Energiewerte).

5.3 Vergangenheitsabhängigkeit

Die Strategie basiert stark auf historischen Daten.
Empirische Studien zeigen:

  • In manchen Jahrzehnten Outperformance
  • In anderen Phasen deutliche Underperformance gegenüber dem Gesamtmarkt

5.4 Steuer- und Transaktionskosten

Das jährliche vollständige Umschichten kann:

  • steuerliche Nachteile verursachen
  • bei kleinen Portfolios Kosten erhöhen

6. Varianten der Strategie

  • Small Dogs of the Dow
    Auswahl der 5 günstigsten Aktien innerhalb der 10 „Dogs“
  • Dogs of the DAX / FTSE / Euro Stoxx
    Übertragung des Konzepts auf andere Indizes (mit gemischten Ergebnissen)
  • Qualitätsfilter
    Kombination mit Kennzahlen wie:
    • Gewinnstabilität
    • Verschuldungsgrad
    • Free Cashflow

7. Fazit

Die „Dogs of the Dow“-Strategie ist:

Stärken

  • leicht verständlich
  • transparent und regelbasiert
  • historisch zeitweise erfolgreich

Schwächen

  • stark vereinfachend
  • anfällig für Value-Fallen
  • ohne fundamentale Risikoprüfung

Einordnung:
Als didaktisches Einstiegsmodell oder als Baustein innerhalb eines diversifizierten Portfolios kann sie sinnvoll sein. Als alleinige Anlagestrategie ist sie jedoch kritisch zu betrachten und sollte zumindest durch qualitative Analysen ergänzt werden.


Für das Jahr 2026 die folgenden zehn Unternehmen zu dieser Auswahl:

  1. Verizon (mit der höchsten Rendite von 6,7 %)
  2. Chevron (4,5 %)
  3. Merck & Co. (ca. 3 %)
  4. Coca-Cola (ca. 3 %)
  5. Procter & Gamble (ca. 3 %)
  6. 3M
  7. Johnson & Johnson
  8. Nike (Neuzugang mit 2,5 % Dividendenrendite nach einem schwachen Börsenjahr)
  9. United Health (Neuzugang, verlor im Vorjahr ein Drittel an Wert)
  10. Home Depot (Neuzugang mit 2,7 % Dividendenrendite)

Funktionsweise und Logik der Strategie

Das Prinzip hinter der Strategie ist antizyklisch:

  • Auswahl: Man kauft die zehn Werte mit der höchsten Dividendenrendite zum Jahresanfang und gewichtet diese gleichmäßig im Depot.
  • Haltedauer: Die Aktien werden bis zum Jahresende gehalten. Danach wird die Liste überprüft: Werte, die nicht mehr zu den Top 10 der Dividendenrenditen gehören, werden ausgetauscht.
  • Turnaround-Hypothese: Da eine hohe Dividendenrendite oft durch gefallene Aktienkurse entsteht, setzt man darauf, dass diese „Underdogs“ (etablierte Bluechips) übermäßig abgestraft wurden und eine Gegenbewegung (Mean Reversion) vollziehen.
  • Sicherheitsnetz: Da es sich um Mitglieder des Dow Jones handelt, gilt eine Pleite als unwahrscheinlich; zudem kassieren Anleger während der Wartezeit auf Kurserholungen hohe Dividenden.

Historischer Erfolg und Kontext

Im Jahr 2025 (dem Vorjahr aus Sicht der Quelle) war die Strategie sehr erfolgreich und legte im Schnitt um 19 % zu, während der Dow Jones nur 15 % schaffte. Dennoch sind die „Dogs“ keine Wunderwaffe; in starken Boomjahren, die von Wachstumswerten (Tech) dominiert werden, hinken sie dem Gesamtmarkt oft hinterher. Die Strategie spielt ihre Stärken vor allem in Übergangsphasen mit sinkenden Zinsen und konjunktureller Unsicherheit aus.

Man kann sich diese Strategie wie eine „Resterampe der Qualitätswerte“ vorstellen: Man sucht sich die solidesten Spieler aus der ersten Liga, die gerade eine Pechsträhne haben, in der Erwartung, dass sie aufgrund ihrer Substanz früher oder später wieder zu alter Form zurückfinden.


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