Die extreme Hitze und Dürre im Sommer 2026 hat Europas Wirtschaft an mehreren Stellen belastet. Europa hat bereits fünf Hitzewellen erlebt; Temperaturen von über 45 °C, sehr wenig Niederschlag und niedrige Fluss- und Reservoirpegel führen zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Die Folgen könnten fast das gesamte erwartete EU-Wachstum von 1,1 % in diesem Jahr aufzehren.
Die fünf wichtigsten Folgen sind:
- Schifffahrt und Industrie: Der Rhein führt extrem wenig Wasser. Am Pegel Kaub wurden am 14. August nur 7 cm gemessen – ein Rekordtief. Schiffe können deshalb weniger Fracht transportieren, Frachtraten steigen und einzelne Fabriken müssen ihre Produktion drosseln. Bleibt der Rhein bis Mitte September so niedrig, könnte das Deutschlands BIP im dritten Quartal laut Commerzbank um etwa 0,35 Prozentpunkte drücken.
- Landwirtschaft und Lebensmittel: Hitze und Trockenheit reduzieren die Ernten stark. Allein die Juni-Hitzewelle soll europäischen Getreidebauern rund 2 Mrd. € Einnahmen gekostet haben. Frankreich erwartet die schwächste Maisernte seit 1980; die Erträge könnten fast 20 % unter dem Vorjahr liegen. Gleichzeitig steigen die Getreidepreise, weil auch andere Weltregionen unter Dürre und geopolitischen Risiken leiden.
- Wasserkraft: Die Stauseen waren schon nach einem schneearmen Winter schlecht gefüllt. Von Juni bis Mitte August lag der Niederschlag in Europa mehr als ein Drittel unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Besonders in Norwegen und im Alpenraum sind die Reserven sehr niedrig. Dadurch sinkt die Stromproduktion aus Wasserkraft, was im Winter höhere Strompreise begünstigen könnte, weil mehr teures Gas eingesetzt werden müsste.
- Kernenergie: Auch Atomkraftwerke leiden unter Hitze und niedrigen Flussständen, weil Kühlwasser fehlt oder zu warm ist. Frankreich verzeichnete Rekordverluste durch hitzebedingte Einschränkungen. In Rumänien mussten beide Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă zeitweise abgeschaltet werden; in Ungarn waren drei von vier Reaktoren in Paks außer Betrieb. Zusätzlich führten in Frankreich Quallenschwärme zur Abschaltung von Reaktoren.
- Waldbrände und Versicherungen: Seit Jahresbeginn sind in der EU mehr als 5.500 km² verbrannt. Für Frankreich allein werden wirtschaftliche Verluste von 10 bis 15 Mrd. € geschätzt. Ein großer Teil solcher Schäden ist nicht versichert. Versicherer rechnen deshalb langfristig mit höheren Risiken, steigenden Prämien und größeren versicherten Schäden.
Die Hitzewellen sind nicht nur ein Wetterproblem, sondern wirken wie ein gleichzeitiger Schock für Transport, Landwirtschaft, Energieversorgung und Versicherungen. Besonders problematisch ist, dass sich die Effekte gegenseitig verstärken: Niedrige Flüsse behindern Transporte und Kraftwerke, Ernteausfälle verteuern Lebensmittel und geringere Stromproduktion erhöht die Energiepreise.