Die Kommunalwahl in Niedersachsen hat die politischen Kräfteverhältnisse spürbar verschoben. Während die CDU trotz erheblicher Verluste stärkste Kraft bleibt und auch die SPD deutlich zurückfällt, verzeichnet die AfD den mit Abstand größten Zugewinn. Zugleich zeigen zahlreiche Direktwahlen, dass lokale Persönlichkeiten und kommunale Themen weiterhin eine erhebliche Rolle spielen und sich nicht jede Entscheidung aus bundespolitischen Trends erklären lässt.
| Partei | Landestrend 2026 | 2021 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CDU | 27,7 % | 31,7 % | −4,0 Punkte |
| SPD | 24,5 % | 30,0 % | −5,5 Punkte |
| AfD | 16,5 % | 4,6 % | +11,9 Punkte |
| Grüne | 13,6 % | 15,9 % | −2,3 Punkte |
| Linke | 5,9 % | 2,8 % | +3,1 Punkte |
| FDP | 3,6 % | 6,5 % | −2,9 Punkte |
Rund 6,3 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, über die Zusammensetzung von mehr als 2.100 kommunalen Vertretungen sowie über zahlreiche Bürgermeister‑, Oberbürgermeister- und Landratsämter zu entscheiden. Im landesweiten Trend kommt die CDU auf 27,7 Prozent. Damit bleibt sie an der Spitze, verliert gegenüber der Kommunalwahl 2021 jedoch vier Prozentpunkte.
Noch stärker trifft es die SPD. Sie erreicht 24,5 Prozent und büßt 5,5 Prozentpunkte ein. Damit setzt sich für die Sozialdemokraten die schwierige Entwicklung auch auf kommunaler Ebene fort. Der Abstand zwischen CDU und SPD wächst, obwohl beide traditionellen Volksparteien deutlich an Zustimmung verlieren.
Der klare Gewinner der Wahl ist die AfD. Sie steigt von 4,6 auf 16,5 Prozent und gewinnt damit 11,9 Prozentpunkte hinzu. Ihr Stimmenanteil hat sich gegenüber 2021 mehr als verdreifacht. Im landesweiten Kräfteverhältnis rückt sie damit auf den dritten Platz vor und etabliert sich auch in Niedersachsen als bedeutende kommunalpolitische Kraft.
Die Grünen müssen ebenfalls Verluste hinnehmen. Sie erreichen 13,6 Prozent und verlieren 2,3 Prozentpunkte. Die Linke kann dagegen deutlich zulegen und kommt auf 5,9 Prozent. Die FDP fällt auf 3,6 Prozent zurück und verliert 2,9 Prozentpunkte.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Fragmentierung der kommunalpolitischen Landschaft. CDU und SPD kommen zusammen nur noch auf gut die Hälfte der Stimmen. Gleichzeitig gewinnen Parteien an den politischen Rändern beziehungsweise außerhalb der früher dominierenden Volksparteien an Gewicht. Besonders der Aufstieg der AfD verändert die Mehrheitsverhältnisse in zahlreichen Räten und Kreistagen.
Wie stark sich dieser Trend konkret auswirkt, zeigt Salzgitter. Dort erreicht die AfD bei der Stadtratswahl 27,4 Prozent und liegt damit vor SPD und CDU. Bei der Oberbürgermeisterwahl zieht AfD-Kandidatin Patricia Mair mit 25,7 Prozent in die Stichwahl ein. Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU kommt auf 45,6 Prozent und verfehlt damit die erforderliche absolute Mehrheit.
Auch andernorts erzielt die AfD beachtliche Resultate, ohne sich jedoch überall durchsetzen zu können. In Peine erreicht die AfD-Kandidatin Sonja Nilz den zweiten Platz. Zu einer Stichwahl kommt es dennoch nicht, weil der amtierende SPD-Bürgermeister Klaus Saemann mit 51,4 Prozent bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt.
Gerade solche Ergebnisse verdeutlichen zugleich die Besonderheit von Kommunalwahlen. Der allgemeine Parteitrend bestimmt nicht automatisch den Ausgang der Direktwahlen. Persönliche Bekanntheit, Amtsbonus, lokale Themen und die Bewertung der Arbeit vor Ort können bundespolitische Entwicklungen überlagern.
In Wolfsburg wird CDU-Oberbürgermeister Dennis Weilmann mit 50,1 Prozent äußerst knapp bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt. In Emden setzt sich der parteilose Amtsinhaber Tim Kruithoff mit 68,7 Prozent deutlich durch. Im Landkreis Stade erhält Landrat Kai Seefried von der CDU knapp 80 Prozent der Stimmen. Solche Resultate zeigen, dass erfolgreiche Amtsinhaber auch in einem für ihre Parteien schwierigen politischen Umfeld hohe Zustimmung erreichen können.
Spannender gestaltet sich die Lage in Hannover. Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen verfehlt mit rund 45,6 Prozent die absolute Mehrheit und muss in die Stichwahl. Dort trifft er auf den SPD-Kandidaten Axel von der Ohe, der auf rund 21,5 Prozent kommt. Auch bei der Wahl des Regionspräsidenten ist eine zweite Runde notwendig: Eva Bender von der SPD liegt mit 30,6 Prozent vor dem CDU-Kandidaten Oliver Junk mit 22 Prozent.
In Braunschweig erreicht der amtierende SPD-Oberbürgermeister Thorsten Kornblum 43,3 Prozent. Sein CDU-Herausforderer Maximilian Pohler kommt auf 17,2 Prozent. Auch dort fällt die endgültige Entscheidung erst in der Stichwahl.
Politisch dürfte das Ergebnis weit über die einzelnen Städte und Landkreise hinaus diskutiert werden. Für CDU und SPD stellt sich die Frage, weshalb beide Parteien trotz ihrer starken kommunalen Strukturen deutlich an Zustimmung verlieren. Besonders für die SPD ist das Minus von 5,5 Prozentpunkten ein Warnsignal. Die CDU behauptet zwar ihre Spitzenposition, kann sich dem allgemeinen Verlusttrend jedoch ebenfalls nicht entziehen.
Für die AfD bedeutet die Wahl dagegen einen erheblichen Ausbau ihrer kommunalen Basis. Der Sprung auf 16,5 Prozent ist nicht nur ein symbolischer Erfolg. Eine stärkere Präsenz in Kreistagen und Stadträten verschafft der Partei zusätzliche Mandate, größere Fraktionen und damit mehr Einfluss auf kommunalpolitische Debatten und Entscheidungen.
Allerdings sollte das Ergebnis nicht wie eine klassische landesweite Parlamentswahl gelesen werden. Kommunalwahlen bestehen aus zahlreichen unterschiedlichen Wahlen mit jeweils eigenen Kandidaten, lokalen Konflikten und politischen Konstellationen. Der landesweite Trend ermöglicht zwar einen Vergleich zwischen den Parteien, bildet aber keine einheitliche Wahl mit einem einzigen niedersachsenweiten Stimmzettel ab.
Dennoch ist die politische Richtung klar erkennbar: Die traditionellen Volksparteien verlieren an Bindungskraft, die Parteienlandschaft wird vielfältiger und die AfD gewinnt erheblich an Bedeutung. Gleichzeitig bestätigen mehrere Direktwahlen, dass kommunale Politik weiterhin eigenen Regeln folgt. Wo Amtsinhaber persönlich überzeugen oder lokal stark verankert sind, können sie sich auch gegen einen ungünstigen überregionalen Trend behaupten.
Die Kommunalwahl in Niedersachsen liefert damit zwei Botschaften zugleich: Auf der Parteienebene verschiebt sich das Kräfteverhältnis deutlich. Auf der persönlichen Ebene bleibt jedoch entscheidend, wer vor Ort Vertrauen genießt.