Berlin — Merz zu Besuch bei SPD-Bundestagsfraktion
„Ich will im Rückblick sagen, das war ein gutes Jahr für uns, aber wir wissen, dass das alles noch nicht genug ist. Wir müssen es noch besser machen.“
und
„Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass die Schulden, die wir machen, nicht zu hoch werden. Ich beobachte hier eine gefährliche Wirkung einer überhöhten Verschuldung auch in Europa. Wir diskutieren das Thema im Hinblick auf die Schuldentragfähigkeit, im Hinblick auf die Auswirkung der Ratings. Wir diskutieren das im Hinblick auf die Haushaltsentwicklung auch bei unseren Nachbarn. Wenn wir Souveränität und Handlungsfähigkeit erhalten wollen in Europa, dann muss gerade Deutschland eine wichtige Verantwortung wahrnehmen, auch im Hinblick auf die Stabilität unserer gemeinsamen Währung. Das sind nicht einfache Diskussionen.“
Es ist eine merkwürdige Verrenkung: Wer heute lautstark vor ausufernder Verschuldung warnt, muss sich die Frage gefallen lassen, warum er erst kürzlich dabei mitgemacht hat, milliardenschwere Schuldenspieltäume zu öffnen. Die CDU/CSU hat die Lockerung der Schuldenbremse und die riesigen Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung mitbeschlossen — und das war keine Kleinigkeit. Man kann das verteidigen, ja, angesichts des jahrelangen Investitionsstaus und einer veränderten Sicherheitslage gibt es gute Argumente dafür. Aber dann sollte man auch den Mut haben, klar zu sagen: Das ist ein Kurswechsel. Wir haben unsere Position geändert. Punkt.
Ähnlich schief klingt das Reden vom „guten Jahr”. Für wen war es das genau? Für die Industrie sicher nicht — die kämpft mit Auftragsrückgängen, hohen Energiekosten und wachsender Unsicherheit. Und viele Haushalte spüren zwar, dass die Inflationsrate gesunken ist, aber die Preise von früher kommen nicht zurück. Der Einkauf bleibt teuer, die Miete bleibt hoch. Selbstlob der Politik ist das eine. Das andere ist die Frage, ob Unternehmen wieder investieren, ob Arbeitsplätze sicher bleiben und ob die Menschen am Ende des Monats wirklich mehr in der Tasche haben.
Kurzum: Wer Schulden mitbeschlossen hat, sollte nicht so tun, als wären Schulden das Problem der anderen. Das ist keine Frage der Ideologie — sondern der Glaubwürdigkeit.