Der US-Speicherchiphersteller Micron Technology profitiert weiter stark von der hohen Nachfrage nach Speicherchips für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Das Unternehmen übertraf im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal die Erwartungen des Marktes deutlich und stellte auch für das laufende Quartal einen Umsatz in Aussicht, der klar über den bisherigen Analystenschätzungen liegt. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit deutlichen Kursgewinnen.
Micron erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von rund 41,5 Milliarden Dollar. Damit lag der Konzern deutlich über den durchschnittlichen Prognosen, die bei etwa 35,9 Milliarden Dollar gelegen hatten. Auch die Profitabilität zog kräftig an: Der bereinigte Gewinn je Aktie belief sich auf 25,11 Dollar und lag damit um ein Vielfaches über dem Vorjahreswert. Für das vierte Quartal erwartet Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar, wobei das Unternehmen eine Spanne von plus oder minus einer Milliarde Dollar nennt.
Getrieben wird die Entwicklung vor allem durch den strukturellen Bedarf an Hochleistungsspeichern für KI-Systeme. Besonders gefragt sind sogenannte HBM-Chips, also High Bandwidth Memory. Diese Speichertechnologie wird in Verbindung mit KI-Beschleunigern eingesetzt und ist für die Verarbeitung großer Datenmengen in Rechenzentren zentral. Micron zählt neben SK Hynix und Samsung zu den wenigen großen Anbietern in diesem Marktsegment.
Nach Einschätzung von Micron-Chef Sanjay Mehrotra spiegelt die aktuelle Geschäftsentwicklung die gestiegene strategische Bedeutung von Speicherchips im KI-Zeitalter wider. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben in Technologie, Produkte und zusätzliche Lieferkapazitäten, um die Nachfrage großer Kunden bedienen zu können. Gleichzeitig bleibt das Angebot angespannt. Mehrotra geht davon aus, dass die Knappheit bei Speicherchips über das Jahr 2027 hinaus anhalten dürfte.
Micron versucht zudem, die Nachfrage längerfristig abzusichern. Das Unternehmen meldete 16 neue Kundenvereinbarungen mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren. Zu den Abnehmern zählen unter anderem Rechenzentrumsbetreiber und Unternehmen aus der Automobilbranche. Nach Angaben des Managements könnten künftig etwa die Hälfte oder mehr der Umsätze aus solchen strategischen Vereinbarungen stammen.
Die hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur hat die gesamte Speicherchipbranche verändert. Während frühere Aufschwünge im Speichermarkt häufig von zyklischer Nachfrage nach Smartphones, PCs oder Unterhaltungselektronik geprägt waren, wird der aktuelle Zyklus vor allem durch Investitionen in Rechenzentren getragen. Große Technologieunternehmen wie Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta planen weiterhin hohe Investitionsausgaben für KI-Infrastruktur. Das stützt die Nachfrage nach Chips, Servern und Speicherkomponenten.
Gleichzeitig nehmen die Risiken zu. Die starken Kursgewinne bei Halbleiterwerten haben Sorgen über eine mögliche Überhitzung im KI-Sektor verstärkt. Kritisch gesehen werden insbesondere enge finanzielle und operative Verflechtungen zwischen Chipherstellern, Cloud-Anbietern und KI-Entwicklern. Micron hatte zuletzt eine Zusammenarbeit mit Anthropic angekündigt: Das Unternehmen liefert dem KI-Entwickler künftig Speicherprodukte und beteiligt sich zugleich an einer Finanzierungsrunde. Finanzielle Details wurden zunächst nicht genannt.
Im Blick steht auch der südkoreanische Wettbewerber SK Hynix, der den Markt für Hochbandbreitenspeicher derzeit dominiert. Das Unternehmen plant eine Zweitnotierung in den USA, um zusätzliche Mittel für seine Expansion aufzunehmen. Berichte über eine mögliche Verlangsamung des Ausbaus bei KI-Speicherchips hatten zuvor Druck auf Halbleiteraktien ausgeübt. Vor diesem Hintergrund wurde Microns Ausblick am Markt als Signal gewertet, dass die Nachfrage nach KI-Speicher vorerst robust bleibt.
Für Micron markiert die aktuelle Entwicklung einen deutlichen Wandel. Das Unternehmen profitiert nicht nur von höheren Preisen und knappen Kapazitäten, sondern auch von der strategischen Aufwertung von Speichertechnologie innerhalb der KI-Wertschöpfungskette. Ob sich das hohe Wachstumstempo halten lässt, hängt jedoch davon ab, wie nachhaltig die Investitionen in KI-Rechenzentren bleiben und ob die Branche ihre Kapazitäten ohne erneuten Preisverfall ausbauen kann.