Musks SpaceX-Aktie für jedes US-Kind

Elon Musk ver­steht es wie kaum ein ande­rer Unter­neh­mer, wirt­schaft­li­che Macht in öffent­li­che Auf­merk­sam­keit zu ver­wan­deln. Sei­ne Ankün­di­gung, im kom­men­den Jahr jedem Kind in den USA eine Aktie sei­nes Raum­fahrt­un­ter­neh­mens SpaceX schen­ken zu wol­len, fügt sich naht­los in die­ses Mus­ter ein. Auf den ers­ten Blick wirkt die Idee groß­zü­gig, bei­na­he visio­när: Mehr als 70 Mil­lio­nen Min­der­jäh­ri­ge könn­ten zu Anteils­eig­nern eines der wert­volls­ten Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men der Welt wer­den. Der Gesamt­wert eines sol­chen Geschenks läge nach dem der­zei­ti­gen Akti­en­kurs bei mehr als zehn Mil­li­ar­den Dol­lar. Für Musk, des­sen Ver­mö­gen auf über 900 Mil­li­ar­den Dol­lar geschätzt wird, wäre selbst die­se gewal­ti­ge Sum­me aller­dings nur ein ver­gleichs­wei­se klei­ner Teil sei­nes Besit­zes. Elon Musk ver­spricht jedem US‑K…

Gera­de die­se Dimen­si­on macht die Ankün­di­gung so wir­kungs­voll. Statt Geld zu spen­den oder einen klas­si­schen Fonds ein­zu­rich­ten, wür­de Musk Mil­lio­nen jun­ger Men­schen unmit­tel­bar zu Aktio­nä­ren machen. Das hat sym­bo­li­sche Kraft. Eine Aktie ist nicht nur ein Ver­mö­gens­wert, son­dern ver­mit­telt auch das Gefühl wirt­schaft­li­cher Teil­ha­be. Wer Anteils­eig­ner ist, besitzt zumin­dest for­mal einen win­zi­gen Teil eines Unter­neh­mens und pro­fi­tiert davon, wenn des­sen Wert steigt. Die Bot­schaft dahin­ter ist attrak­tiv: Wohl­stand soll nicht aus­schließ­lich bei Inves­to­ren, Unter­neh­mern und insti­tu­tio­nel­len Anle­gern ent­ste­hen, son­dern mög­lichst breit ver­teilt wer­den.

Doch zwi­schen einer spek­ta­ku­lä­ren Ankün­di­gung und einem funk­tio­nie­ren­den Modell liegt ein erheb­li­cher Abstand. Musk hat bis­lang nicht erklärt, wie eine sol­che Akti­en­ver­tei­lung prak­tisch orga­ni­siert wer­den soll. Unklar bleibt, wel­che Kin­der genau berück­sich­tigt wür­den, wie die Akti­en ver­wahrt wer­den könn­ten, wer bei Min­der­jäh­ri­gen die Eigen­tums­rech­te aus­übt und wel­che steu­er­li­chen oder recht­li­chen Fol­gen eine sol­che Schen­kung hät­te. Gera­de bei meh­re­ren zehn Mil­lio­nen Emp­fän­gern wären die­se Fra­gen kei­nes­wegs neben­säch­lich. Solan­ge sie unbe­ant­wor­tet blei­ben, han­delt es sich weni­ger um ein aus­ge­ar­bei­te­tes Pro­gramm als um ein öffent­li­ches Ver­spre­chen mit erheb­li­cher media­ler Wir­kung. Elon Musk ver­spricht jedem US‑K…

Hin­zu kommt ein grund­le­gen­des Pro­blem: Ein Akti­en­ge­schenk ist kein garan­tier­tes Ver­mö­gen. Sein Wert hängt voll­stän­dig von der Ent­wick­lung des Unter­neh­mens ab. Die SpaceX-Aktie hat­te nach dem Bör­sen­gang zunächst deut­lich zuge­legt, war spä­ter jedoch wie­der unter die Mar­ke von 150 Dol­lar gefal­len und damit weit von frü­he­ren Höchst­stän­den ent­fernt. Gleich­zei­tig wird die hohe Unter­neh­mens­be­wer­tung von rund 1,9 Bil­lio­nen Dol­lar kri­tisch gese­hen. Ein erheb­li­cher Teil die­ser Bewer­tung beruht nicht allein auf dem gegen­wär­ti­gen Geschäft, son­dern auf Erwar­tun­gen an zukünf­ti­ge tech­no­lo­gi­sche Erfol­ge. Elon Musk ver­spricht jedem US‑K…

Damit ent­steht ein inter­es­san­ter Wider­spruch. Musk prä­sen­tiert die Aktie als Geschenk an die nächs­te Gene­ra­ti­on, doch zugleich bin­det er den Wert die­ses Geschenks unmit­tel­bar an den Erfolg sei­nes eige­nen Unter­neh­mens. Steigt SpaceX, pro­fi­tie­ren die beschenk­ten Kin­der. Fällt der Kurs, schrumpft auch der Wert der ver­meint­li­chen Wohl­tat. Anders als bei einer Geld­zah­lung oder einem breit diver­si­fi­zier­ten Fonds kon­zen­triert sich das gesam­te Risi­ko auf ein ein­zel­nes Unter­neh­men – und zwar auf eines, des­sen Bewer­tung bereits hohe Erwar­tun­gen an die Zukunft ent­hält.

Auch wirt­schaft­lich ist die Akti­on des­halb nicht mit einer klas­si­schen Spen­de gleich­zu­set­zen. Wer eige­ne Akti­en ver­schenkt, ver­teilt zwar Ver­mö­gen, gibt aber kein Bar­geld aus. Gleich­zei­tig kann eine Ver­tei­lung an Mil­lio­nen neu­er Aktio­nä­re die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Unter­neh­mens stär­ken und eine außer­ge­wöhn­lich gro­ße Grup­pe von Men­schen schaf­fen, die ein per­sön­li­ches finan­zi­el­les Inter­es­se an stei­gen­den SpaceX-Kur­sen hat. Aus Kin­dern wür­den damit nicht nur Beschenk­te, son­dern mit­tel­bar auch Stake­hol­der eines von Musk kon­trol­lier­ten Kon­zerns.

Bemer­kens­wert ist zudem der poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Kon­text. Der Vor­stoß ent­stand offen­bar als Reak­ti­on auf die Ankün­di­gung des KI-Unter­neh­mens Anthro­pic, einen Teil sei­ner Akti­en einem Fonds für das öffent­li­che Wohl zuzu­füh­ren. Musk stell­te dem die Idee ent­ge­gen, Unter­neh­mens­an­tei­le unmit­tel­bar an die Bevöl­ke­rung zu über­tra­gen. Dahin­ter ste­hen zwei unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen davon, wie pri­va­ter Reich­tum gesell­schaft­lich ver­teilt wer­den kann: insti­tu­tio­nell über Fonds und gemein­nüt­zi­ge Struk­tu­ren oder direkt über indi­vi­du­el­les Eigen­tum. Elon Musk ver­spricht jedem US‑K…

Gera­de des­halb wäre es zu ein­fach, Musks Vor­ha­ben ent­we­der als rei­ne Groß­zü­gig­keit oder ledig­lich als PR-Akti­on abzu­tun. Die Idee wirft eine grund­sätz­lich inter­es­san­te Fra­ge auf: War­um soll­ten brei­te Bevöl­ke­rungs­schich­ten nicht stär­ker am Wert­zu­wachs gro­ßer Unter­neh­men betei­ligt wer­den? Gleich­zei­tig zeigt sie aber auch, wie eng sol­che For­men ver­meint­li­cher Ver­mö­gens­ver­tei­lung mit den Inter­es­sen der­je­ni­gen ver­bun­den blei­ben kön­nen, die die Akti­en aus­ge­ben.

Soll­te Musk sein Ver­spre­chen tat­säch­lich umset­zen, wäre die Akti­on zwei­fel­los außer­ge­wöhn­lich. Sie wür­de Mil­lio­nen Kin­dern erst­mals direk­ten Akti­en­be­sitz ver­schaf­fen und könn­te eine Debat­te über Eigen­tum, Ver­mö­gens­bil­dung und die Ver­tei­lung wirt­schaft­li­cher Chan­cen aus­lö­sen. Doch solan­ge zen­tra­le Fra­gen zur Umset­zung offen­blei­ben und der tat­säch­li­che Wert voll­stän­dig von der Zukunft eines ein­zi­gen Unter­neh­mens abhängt, soll­te man die Ankün­di­gung nicht mit einer gesi­cher­ten Ver­mö­gens­über­tra­gung ver­wech­seln.

Das spek­ta­ku­lärs­te Ele­ment des Plans ist des­halb viel­leicht nicht die Sum­me von mehr als zehn Mil­li­ar­den Dol­lar. Es ist die Tat­sa­che, dass Musk mit einer ein­zi­gen Ankün­di­gung gleich­zei­tig als Wohl­tä­ter, Unter­neh­mer und Kapi­tal­markt­ak­teur auf­tre­ten kann. Ob am Ende tat­säch­lich Mil­lio­nen Kin­der pro­fi­tie­ren oder vor allem die Mar­ke SpaceX, wird sich erst zei­gen, wenn aus dem Ver­spre­chen ein kon­kre­tes Pro­gramm wird.


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