Peter-Lynch-Metho­de

Die Peter-Lynch-Metho­de ist ein Ansatz zur Akti­en­aus­wahl, bei dem Anle­ger zunächst nach Unter­neh­men suchen, deren Pro­duk­te, Dienst­leis­tun­gen oder Geschäfts­mo­del­le sie aus dem All­tag ver­ste­hen.

Der bekann­te Grund­satz lau­tet:

„Kau­fe, was du kennst.“

Gemeint ist jedoch nicht, dass man auto­ma­tisch Akti­en eines Unter­neh­mens kau­fen soll­te, nur weil man des­sen Pro­duk­te mag. Per­sön­li­che Beob­ach­tun­gen die­nen ledig­lich als Aus­gangs­punkt für eine gründ­li­che Ana­ly­se.

Ein Bei­spiel: Du bemerkst, dass eine bestimm­te Laden­ket­te stän­dig gut besucht ist, Kun­den begeis­tert sind und immer neue Filia­len eröff­nen. Das kann ein Hin­weis auf ein inter­es­san­tes Unter­neh­men sein. Anschlie­ßend prüfst du unter ande­rem:

  • Umsatz- und Gewinn­ent­wick­lung
  • Ver­schul­dung
  • Wett­be­werbs­vor­tei­le
  • Wachs­tums­aus­sich­ten
  • Bewer­tung der Aktie
  • Qua­li­tät des Manage­ments

Lynch such­te beson­ders nach Unter­neh­men, deren Wachs­tum vom brei­ten Akti­en­markt noch nicht voll­stän­dig erkannt wor­den war. Sol­che Akti­en bezeich­ne­te er häu­fig als mög­li­che „Ten­bag­ger“ – Akti­en, die sich im Wert ver­zehn­fa­chen kön­nen.

Der Kern der Metho­de lau­tet daher:

Nut­ze dein All­tags­wis­sen, um Anlag­e­ideen zu ent­de­cken. Kau­fe aber erst nach einer fun­dier­ten Unter­neh­mens- und Bewer­tungs­ana­ly­se.

Ja. Bei einer lang­fris­tig gehal­te­nen Ein­zel­ak­tie beginnt die Aus­wahl mit dem Geschäfts­mo­dell, nicht mit dem Akti­en­kurs und nicht mit dem Chart.

Du gehst vom Unter­neh­men zur Aktie:

Erst ver­ste­hen, wie das Unter­neh­men Geld ver­dient. Dann prü­fen, ob es dau­er­haft gut dar­in sein kann. Erst zuletzt fra­gen, ob der aktu­el­le Akti­en­preis ange­mes­sen ist.

1. Beschrei­be das Geschäfts­mo­dell in weni­gen Sät­zen

Nach dei­ner Recher­che soll­test du die­se Fra­gen ohne Fach­spra­che beant­wor­ten kön­nen:

  • Was ver­kauft das Unter­neh­men?
  • Wer sind die Kun­den?
  • War­um kau­fen die Kun­den gera­de dort?
  • Wie ver­dient das Unter­neh­men kon­kret Geld?
  • Wel­che Kos­ten muss es tra­gen?
  • Kauft der Kun­de ein­mal oder regel­mä­ßig?
  • Wovon hängt das Wachs­tum ab?

Bei­spiel Auto­her­stel­ler:

Das Unter­neh­men ent­wi­ckelt und pro­du­ziert Fahr­zeu­ge. Es ver­dient haupt­säch­lich am Ver­kauf der Autos, teil­wei­se auch an Finan­zie­rung, Lea­sing, Ersatz­tei­len und War­tung. Die Nach­fra­ge hängt von Mar­ke, Pro­dukt­qua­li­tät, Prei­sen, Kon­junk­tur, Regu­lie­rung und Modell­an­ge­bot ab.

Bei­spiel Luxus­uh­ren­kon­zern:

Das Unter­neh­men ver­kauft hoch­prei­si­ge Uhren über eige­ne Geschäf­te und aus­ge­wähl­te Händ­ler. Kun­den bezah­len nicht nur für die Funk­ti­on, son­dern für Mar­ke, Design, Exklu­si­vi­tät und Sta­tus. Das Unter­neh­men ver­dient gut, wenn es sei­ne Prei­se erhö­hen kann, ohne Kun­den zu ver­lie­ren.

Kannst du das Geschäfts­mo­dell nach eini­ger Beschäf­ti­gung immer noch nicht ver­ständ­lich erklä­ren, ist die Aktie für dich zunächst zu kom­pli­ziert.

2. Fin­de her­aus, wo der Gewinn tat­säch­lich ent­steht

Eine bekann­te Mar­ke kann nur ein klei­ner Teil eines gro­ßen Kon­zerns sein. Des­halb prüfst du:

  • Wel­che Geschäfts­be­rei­che gibt es?
  • Wel­cher Bereich erwirt­schaf­tet wie viel Umsatz?
  • Wel­cher Bereich lie­fert den größ­ten Gewinn?
  • In wel­chen Län­dern wird das Geld ver­dient?
  • Ist das Unter­neh­men von einem ein­zel­nen Pro­dukt abhän­gig?

Das steht typi­scher­wei­se im Geschäfts­be­richt unter Begrif­fen wie:

  • Seg­men­te
  • Geschäfts­be­rei­che
  • Umsatz­auf­tei­lung
  • Seg­ment­er­geb­nis
  • geo­gra­fi­sche Auf­tei­lung

Geschäfts­be­rich­te ent­hal­ten nor­ma­ler­wei­se Infor­ma­tio­nen über Geschäfts­tä­tig­keit, Seg­men­te, Risi­ken und Finanz­la­ge. Bei US-Unter­neh­men fin­det man dies beson­ders im jähr­li­chen 10-K-Bericht. (Inves­tor)

3. Beur­tei­le die Qua­li­tät des Geschäfts­mo­dells

Nun fragst du nicht mehr nur: „Was ver­kauft das Unter­neh­men?“, son­dern:

War­um soll­te die­ses Unter­neh­men auch in zehn Jah­ren noch erfolg­reich sein?

Kun­den­bin­dung

  • Wech­seln Kun­den leicht zur Kon­kur­renz?
  • Kau­fen sie wie­der­holt?
  • Ist die Mar­ke wich­tig?
  • Gibt es hohe Wech­sel­kos­ten?

Bei einer Luxus­uhr kann eine star­ke Mar­ke ent­schei­dend sein. Bei einem Soft­ware­un­ter­neh­men kön­nen gespei­cher­te Daten, Schu­lun­gen und tech­ni­sche Ein­bin­dun­gen den Wech­sel erschwe­ren.

Preis­set­zungs­macht

Kann das Unter­neh­men sei­ne Prei­se erhö­hen, ohne vie­le Kun­den zu ver­lie­ren?

Das ist ein star­kes Qua­li­täts­merk­mal. Stei­gen Material‑, Lohn- oder Ener­gie­kos­ten, kann ein Unter­neh­men mit Preis­set­zungs­macht die­se teil­wei­se an sei­ne Kun­den wei­ter­ge­ben.

Wett­be­werbs­vor­teil

Mög­li­che Wett­be­werbs­vor­tei­le sind:

  • star­ke Mar­ke
  • nied­ri­ge Pro­duk­ti­ons­kos­ten
  • Paten­te oder Tech­no­lo­gie
  • gro­ßes Ver­triebs­netz
  • Netz­werk­ef­fek­te
  • hohe Wech­sel­kos­ten
  • beson­de­re Daten­be­stän­de
  • regu­la­to­ri­sche Zulas­sun­gen
  • schwer kopier­ba­re Pro­duk­ti­ons­kom­pe­tenz

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet:

Was hin­dert einen Kon­kur­ren­ten dar­an, das­sel­be güns­ti­ger oder bes­ser anzu­bie­ten?

Kapi­tal­be­darf

Man­che Geschäfts­mo­del­le benö­ti­gen stän­dig sehr viel Geld für:

  • Fabri­ken
  • Maschi­nen
  • For­schung
  • Lager­be­stän­de
  • neue Model­le
  • Infra­struk­tur

Ein Auto­her­stel­ler ist gewöhn­lich kapi­tal­in­ten­si­ver als ein Unter­neh­men, das Soft­ware­li­zen­zen ver­kauft. Hoher Kapi­tal­be­darf ist nicht auto­ma­tisch schlecht, kann aber die Gewin­ne schwan­ken­der und das Geschäft ris­kan­ter machen.

4. Prü­fe die Bran­che

Auch ein gut geführ­tes Unter­neh­men kann in einer schwie­ri­gen Bran­che tätig sein.

Unter­su­che:

  • Wie inten­siv ist der Wett­be­werb?
  • Gibt es vie­le ver­gleich­ba­re Anbie­ter?
  • Sind Pro­duk­te aus­tausch­bar?
  • Herrscht Preis­druck?
  • Ver­än­dert neue Tech­no­lo­gie die Bran­che?
  • Gibt es star­ke regu­la­to­ri­sche Ein­grif­fe?
  • Ist das Geschäft kon­junk­tur­ab­hän­gig?

Bei einem Ver­bren­ner­her­stel­ler wären bei­spiels­wei­se rele­vant:

  • Über­gang zu Elek­tro­fahr­zeu­gen
  • Emis­si­ons­vor­schrif­ten
  • chi­ne­si­sche Wett­be­wer­ber
  • Soft­ware­kom­pe­tenz
  • Kos­ten neu­er Platt­for­men
  • Abhän­gig­keit von Zulie­fe­rern
  • mög­li­che Straf­zah­lun­gen und Rück­ru­fe

Du musst die Zukunft nicht exakt vor­her­sa­gen. Du soll­test aber erken­nen, wel­che Ver­än­de­run­gen das heu­ti­ge Geschäfts­mo­dell beschä­di­gen könn­ten.

5. Lies zuerst die Risi­ken, nicht nur die Wer­bung

Unter­neh­mens­prä­sen­ta­tio­nen zei­gen über­wie­gend Chan­cen. Der Geschäfts­be­richt ent­hält dage­gen auch einen Abschnitt zu wesent­li­chen Risi­ken.

Suche ins­be­son­de­re nach:

  • Abhän­gig­keit von ein­zel­nen Pro­duk­ten oder Märk­ten
  • Rechts­strei­tig­kei­ten
  • hohen Schul­den
  • Roh­stoff- und Wäh­rungs­ri­si­ken
  • regu­la­to­ri­schen Risi­ken
  • tech­no­lo­gi­schen Ver­än­de­run­gen
  • Lie­fer­ket­ten­pro­ble­men
  • Kun­den­kon­zen­tra­ti­on
  • Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen

Die SEC emp­fiehlt, neben der Beschrei­bung des Geschäfts ins­be­son­de­re den Abschnitt „Risk Fac­tors“ sowie die Erläu­te­run­gen des Manage­ments zu den Geschäfts­er­geb­nis­sen zu lesen. (SEC)

Eine nütz­li­che Übung ist:

Schrei­be drei kon­kre­te Grün­de auf, wes­halb dei­ne Anlag­e­idee schei­tern könn­te.

Fin­dest du kei­ne Risi­ken, hast du wahr­schein­lich noch nicht kri­tisch genug recher­chiert.

6. Prü­fe anschlie­ßend eini­ge weni­ge Finanz­zah­len

Du musst nicht sofort jede Bilanz­po­si­ti­on ver­ste­hen. Für den Anfang rei­chen fünf Berei­che.

Umsatz

  • Steigt der Umsatz lang­fris­tig?
  • Ist das Wachs­tum gleich­mä­ßig oder stark schwan­kend?
  • Ent­steht es durch mehr ver­kauf­te Pro­duk­te oder nur durch Preis­er­hö­hun­gen?

Gewinn

  • Ver­dient das Unter­neh­men regel­mä­ßig Geld?
  • Wächst der Gewinn unge­fähr mit dem Umsatz?
  • Gibt es häu­fig gro­ße Son­der­ef­fek­te?

Gewinn­mar­ge

Die Mar­ge zeigt ver­ein­facht, wie viel vom Umsatz als Gewinn übrig bleibt.

Stei­gen­de oder sta­bi­le Mar­gen kön­nen auf ein gutes Geschäfts­mo­dell hin­deu­ten. Sin­ken­de Mar­gen kön­nen auf stei­gen­de Kos­ten, Preis­druck oder schwä­che­re Wett­be­werbs­po­si­tio­nen hin­wei­sen.

Frei­er Cash­flow

Der freie Cash­flow zeigt ver­ein­facht, wie viel Geld nach den not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen übrig bleibt.

Die­ser Betrag kann ver­wen­det wer­den für:

  • Schul­den­til­gung
  • Divi­den­den
  • Akti­en­rück­käu­fe
  • Über­nah­men
  • wei­te­re Inves­ti­tio­nen

Ein aus­ge­wie­se­ner Gewinn ist hilf­reich. Dau­er­haft vor­han­de­ner Cash­flow ist meist noch aus­sa­ge­kräf­ti­ger.

Schul­den

Prü­fe:

  • Stei­gen die Schul­den?
  • Kann das Unter­neh­men Zin­sen aus dem lau­fen­den Geschäft bezah­len?
  • Könn­te es auch ein schwa­ches Jahr über­ste­hen?
  • Muss es dem­nächst gro­ße Schul­den refi­nan­zie­ren?

Du brauchst dafür kein Stu­di­um. Auch FINRA weist dar­auf hin, dass Anle­ger ohne spe­zi­el­len Finanz­ab­schluss aus Jah­res­ab­schlüs­sen ent­schei­dungs­re­le­van­te Infor­ma­tio­nen gewin­nen kön­nen. (FINRA)

Betrach­te mög­lichst nicht nur ein Jahr, son­dern unge­fähr fünf bis zehn Jah­re. Ein ein­zel­nes gutes Jahr kann täu­schen.

7. Beur­tei­le das Manage­ment

Ein gutes Geschäfts­mo­dell kann durch schlech­tes Manage­ment beschä­digt wer­den.

Ach­te dar­auf:

  • Wer­den lang­fris­ti­ge Zie­le ver­ständ­lich erklärt?
  • Wer­den frü­he­re Feh­ler offen ange­spro­chen?
  • Wer­den Ver­spre­chen ein­ge­hal­ten?
  • Tätigt das Manage­ment sinn­vol­le Über­nah­men?
  • Wer­den neue Akti­en aus­ge­ge­ben und bestehen­de Aktio­nä­re dadurch ver­wäs­sert?
  • Wer­den Schul­den ver­nünf­tig ein­ge­setzt?
  • Kauft das Unter­neh­men eige­ne Akti­en nur zu sinn­vol­len Prei­sen zurück?

Ver­glei­che älte­re Geschäfts­be­rich­te mit den spä­te­ren Ergeb­nis­sen. So erkennst du, ob das Manage­ment zuver­läs­sig berich­tet oder regel­mä­ßig zu opti­mis­tisch for­mu­liert.

8. For­mu­lie­re dei­ne Anla­ge­the­se

Bevor du dich mit dem Akti­en­preis beschäf­tigst, schreibst du dei­ne Begrün­dung auf.

Bei­spiel:

Ich hal­te die­ses Unter­neh­men lang­fris­tig für attrak­tiv, weil es eine star­ke Mar­ke, loya­le Kun­den, Preis­set­zungs­macht und eine soli­de Bilanz besitzt. Das Wachs­tum soll durch neue Märk­te und stei­gen­de Nach­fra­ge ent­ste­hen. Die wich­tigs­ten Risi­ken sind ein Nach­fra­ge­ein­bruch, eine Schwä­chung der Mar­ke und Fehl­ent­schei­dun­gen des Manage­ments.

Die The­se soll­te ent­hal­ten:

  1. War­um ist das Unter­neh­men gut?
  2. Woher soll zukünf­ti­ges Wachs­tum kom­men?
  3. Was könn­te die The­se wider­le­gen?

Ohne eine kla­re The­se kannst du spä­ter nicht unter­schei­den, ob ein Kurs­rück­gang eine Kauf­ge­le­gen­heit oder ein Warn­si­gnal ist.

9. Erst jetzt bewer­test du die Aktie

Ein gutes Unter­neh­men ist nicht auto­ma­tisch eine gute Aktie. Ent­schei­dend ist auch, wel­chen Preis du bezahlst.

Ein ein­fa­ches Bei­spiel:

  • Unter­neh­men A ver­dient 5 Euro je Aktie.
  • Die Aktie kos­tet 50 Euro.
  • Kurs-Gewinn-Ver­hält­nis: 10.

Bei einem Kurs von 150 Euro und dem­sel­ben Gewinn läge das KGV bei 30.

Das bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass KGV 10 güns­tig und KGV 30 teu­er ist. Ein Unter­neh­men mit star­kem, ver­läss­li­chem Wachs­tum darf höher bewer­tet sein. Aber je höher die Bewer­tung, des­to mehr zukünf­ti­ger Erfolg ist bereits im Kurs ent­hal­ten.

FINRA beschreibt das KGV als Ver­hält­nis zwi­schen Akti­en­preis und Gewinn je Aktie; Anle­ger soll­ten sol­che Kenn­zah­len mit Wachs­tum, Geschäfts­qua­li­tät und Ver­gleichs­un­ter­neh­men zusam­men betrach­ten. (FINRA)

Für den Anfang kannst du prü­fen:

  • aktu­el­les KGV
  • durch­schnitt­li­ches KGV der ver­gan­ge­nen Jah­re
  • Bewer­tung ver­gleich­ba­rer Unter­neh­men
  • erwar­te­tes Gewinn­wachs­tum
  • Ver­hält­nis von frei­em Cash­flow zum Unter­neh­mens­wert

Das Ziel ist kei­ne schein­bar exak­te Berech­nung auf den Cent. Du willst erken­nen, ob der Preis ver­nünf­tig, anspruchs­voll oder offen­sicht­lich über­zo­gen erscheint.

10. Lege vor­her fest, wann du ver­kau­fen wür­dest

Lang­fris­tig hal­ten bedeu­tet nicht, eine Aktie unter allen Umstän­den für immer zu behal­ten.

Ein Ver­kauf kann sinn­voll sein, wenn:

  • das Geschäfts­mo­dell dau­er­haft beschä­digt wur­de
  • der Wett­be­werbs­vor­teil ver­schwin­det
  • die Schul­den außer Kon­trol­le gera­ten
  • das Manage­ment das Kapi­tal schlecht ein­setzt
  • Bilan­zie­rung oder Kom­mu­ni­ka­ti­on unglaub­wür­dig wer­den
  • dei­ne ursprüng­li­che Anla­ge­the­se nicht mehr gilt
  • die Posi­ti­on im Ver­hält­nis zu dei­nem Gesamt­ver­mö­gen zu groß wird

Ein fal­len­der Kurs allein ist noch kein Ver­kaufs­grund. Ein stei­gen­der Kurs allein ist noch kein Grund, wei­ter zu hal­ten.

Ein prak­ti­ka­bler Ablauf für Anfän­ger

Für jede inter­es­san­te Aktie erstellst du eine Sei­te mit die­sen Über­schrif­ten:

Geschäft:
Wie ver­dient das Unter­neh­men Geld?

Kun­den:
War­um kau­fen sie dort?

Vor­teil:
Was kann die Kon­kur­renz nicht leicht kopie­ren?

Wachs­tum:
Woher sol­len höhe­re Umsät­ze und Gewin­ne kom­men?

Finan­zen:
Wie ent­wi­ckeln sich Umsatz, Gewinn, Cash­flow und Schul­den?

Risi­ken:
Wel­che drei Din­ge könn­ten schief­ge­hen?

Manage­ment:
Geht es ver­nünf­tig mit dem Geld der Aktio­nä­re um?

Bewer­tung:
Wel­che Erwar­tun­gen sind bereits im Preis ent­hal­ten?

The­se:
War­um möch­te ich die­ses Unter­neh­men min­des­tens fünf bis zehn Jah­re besit­zen?

Abbruch­kri­te­ri­en:
Wel­che Ent­wick­lun­gen wür­den mei­ne The­se wider­le­gen?

Die Rei­hen­fol­ge ist ent­schei­dend:

Ver­ste­hen → Qua­li­tät beur­tei­len → Zah­len prü­fen → Risi­ken benen­nen → Bewer­tung prü­fen → Ent­schei­dung tref­fen

Chart­ana­ly­se ist für die­sen lang­fris­tig unter­neh­mens­ori­en­tier­ten Ansatz nicht erfor­der­lich. Der Geschäfts­be­richt, die Geschäfts­ent­wick­lung und der bezahl­te Preis sind wesent­lich wich­ti­ger. Wie War­ren Buf­fett es for­mu­lier­te, ist ein her­vor­ra­gen­des Unter­neh­men zu einem ange­mes­se­nen Preis grund­sätz­lich attrak­ti­ver als ein mit­tel­mä­ßi­ges Unter­neh­men zu einem extrem nied­ri­gen Preis.

Das bleibt eine Aus­wahl­me­tho­de, kei­ne Erfolgs­ga­ran­tie. Auch sorg­fäl­tig unter­such­te Ein­zel­ak­ti­en kön­nen erheb­li­che Ver­lus­te ver­ur­sa­chen.

Fazit

Pro­dukt oder Geschäfts­idee → Unter­neh­men → Aktie

Dabei sind es drei ver­schie­de­ne Prü­fun­gen:

  1. Pro­dukt: Ist das Pro­dukt gut, gefragt und ver­ständ­lich?
  2. Unter­neh­men: Ver­dient die Fir­ma damit nach­hal­tig Geld? Hat sie Vor­tei­le gegen­über Wett­be­wer­bern, soli­de Finan­zen und ver­nünf­ti­ges Manage­ment?
  3. Aktie: Ist der aktu­el­le Bör­sen­preis im Ver­hält­nis zu Gewinn, Wachs­tum und Risi­ken ange­mes­sen?

Ein gutes Pro­dukt bedeu­tet nicht auto­ma­tisch ein gutes Unter­neh­men. Und ein gutes Unter­neh­men bedeu­tet nicht auto­ma­tisch eine gute Aktie, wenn der Preis zu hoch ist.

Die Peter-Lynch-Metho­de beginnt daher beim All­tag:

„Die­ses Pro­dukt fällt mir posi­tiv auf.“

Danach folgt die eigent­li­che Ana­ly­se:

„Ist das Unter­neh­men dahin­ter wirt­schaft­lich stark?“

Und erst am Ende:

„Ist die Aktie zu die­sem Preis kau­fens­wert?“

Als Merk­satz:

Das Pro­dukt lie­fert die Idee.
Das Unter­neh­men lie­fert die Qua­li­tät.
Der Akti­en­kurs ent­schei­det über den Preis.


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Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater