1. Zentrale Befunde
- Das private Geldvermögen der deutschen Haushalte hat 2025 erstmals die Marke von zehn Billionen Euro überschritten und lag laut Hochrechnung der DZ Bank bei rund 10,03 Billionen Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem nominalen Zuwachs von gut sechs Prozent bzw. knapp 600 Milliarden Euro .
- Für 2026 wird trotz leicht sinkender Sparquote ein weiteres Wachstum auf etwa 10,5 Billionen Euro (+ rund fünf Prozent) erwartet .
2. Sparverhalten
- Die Sparquote lag 2025 bei etwa 10,4 Prozent (2024: 11,2 Prozent) und bleibt damit im internationalen Vergleich hoch.
- Hauptmotive sind wirtschaftliche Unsicherheit, Inflationssorgen und Vorsicht bei Konsumausgaben.
- Ein erheblicher Teil der Ersparnisse liegt weiterhin auf niedrig verzinsten Bankeinlagen, was bei Inflation zu realen Kaufkraftverlusten führt .
3. Bedeutung der Kapitalmärkte
- Zunehmend profitieren Haushalte von Aktien- und Fondsinvestments:
Wertzuwächse an den Kapitalmärkten steuerten 2025 etwa 290 Milliarden Euro zum Vermögenszuwachs bei. - Der Anteil der Bevölkerung, der in Aktien und Fonds investiert, ist deutlich gestiegen (von 27 Prozent 2023 auf 34 Prozent 2025), insbesondere durch die wachsende Beliebtheit von ETFs .
4. Ungleiche Verteilung
- Das Geldvermögen ist stark konzentriert: Rund 50 Prozent entfallen auf die reichsten zehn Prozent der Haushalte, während etwa 20 Millionen Haushalte zusammen nur acht Prozent des Geldvermögens besitzen.
- Vermögende Haushalte profitieren stärker, da sie überdurchschnittlich in renditestärkere Anlageformen investieren .
Kritische Einordnung
- Nominal vs. real
Das Überschreiten der Zehn-Billionen-Marke ist vor allem ein nominaler Rekord. Inflationsbereinigt fällt der reale Vermögenszuwachs deutlich geringer aus. Gerade für Haushalte mit hoher Liquiditätsquote auf niedrig verzinsten Konten kann real sogar ein Vermögensverlust entstehen. - Sparquote als Wohlstandsindikator nur bedingt geeignet
Eine hohe Sparquote signalisiert Vorsicht, nicht zwingend Wohlstand. Sie kann ebenso Ausdruck von Zukunftsängsten und Konsumzurückhaltung sein. Das relativiert die oft positive Deutung des „Sparweltmeisters Deutschland“. - Kapitalmarktbeteiligung: Fortschritt mit sozialer Schlagseite
Der zunehmende Einstieg in Aktien und ETFs ist ökonomisch sinnvoll, verstärkt jedoch kurzfristig die Vermögensungleichheit, da einkommensstarke Haushalte höhere Investitionsvolumina und längere Anlagehorizonte haben. - Begrenzte Aussagekraft des Geldvermögensbegriffs
Immobilienvermögen wird in den Analysen nicht berücksichtigt. Damit bleibt ein zentraler Bestandteil des privaten Wohlstands – und der Ungleichheit – außen vor, was das Gesamtbild verzerrt.
Kurzfazit:
Das Rekordniveau des privaten Geldvermögens zeigt eine hohe Sparneigung und wachsende Kapitalmarktbeteiligung. Gleichzeitig verdecken die aggregierten Zahlen reale Kaufkraftverluste, eine ausgeprägte Vermögenskonzentration und strukturelle Schwächen der deutschen Vermögensbildung.
