Der Bau des von US-Präsident Donald Trump geplanten Ballsaals am Weißen Haus darf vorerst fortgesetzt werden. Der Vorsitzende Richter des Supreme Court, John Roberts, setzte eine unmittelbar bevorstehende gerichtliche Anordnung aus, die einen Baustopp vorgesehen hätte. Damit kann die Regierung die Arbeiten an dem rund 400 Millionen Dollar teuren Projekt zunächst weiterführen, während der Oberste Gerichtshof über einen Eilantrag der Regierung entscheidet. Roberts äußerte sich in seiner knappen Entscheidung allerdings nicht dazu, ob das Bauvorhaben grundsätzlich rechtmäßig ist. Zwei niedrigere Gerichte hatten zuvor Zweifel daran geäußert und das Projekt wegen der fehlenden Zustimmung des Kongresses für rechtswidrig gehalten.
Ausgangspunkt des Rechtsstreits ist eine Klage des National Trust for Historic Preservation. Die Organisation argumentiert, dass der Präsident nicht befugt sei, ein Bauprojekt dieser Größenordnung am Weißen Haus eigenmächtig anzuordnen. Die Regierung hält dagegen und bestreitet unter anderem, dass die Organisation überhaupt klagebefugt ist. Zugleich verwies Solicitor General D. John Sauer darauf, dass eine Unterbrechung der Bauarbeiten erhebliche Folgen haben könne. Das Projekt sei bereits zu rund 65 Prozent fertiggestellt und schreite schnell voran. Nach Darstellung der Regierung spielen dabei auch Sicherheitsinteressen eine zentrale Rolle.
Die Dimensionen des Projekts gehen laut den Gerichtsunterlagen deutlich über einen gewöhnlichen Veranstaltungssaal hinaus. Demnach arbeiten rund 250 Personen bis zu 20 Stunden täglich und an sieben Tagen pro Woche an dem Komplex. Die Konstruktion aus Beton und Stahl reicht fünf Stockwerke in die Tiefe, ist etwa 70 Fuß hoch und umfasst fast 90.000 Quadratfuß. Vorgesehen seien unter anderem Bombenschutzräume, moderne medizinische Einrichtungen, militärische Bereiche, spezielle Belüftungssysteme, Scharfschützenpositionen und ein Drohnenport. Die verwendeten Baumaterialien sollen nach Angaben der Regierung so ausgelegt sein, dass sie auch schweren Angriffen standhalten können.
Trump selbst beschreibt das Vorhaben inzwischen nicht mehr nur als Ballsaal, sondern als „Ballroom and Military Complex“. Er argumentiert, dass die Anlage einerseits für große repräsentative Veranstaltungen benötigt werde und andererseits die Sicherheit des Weißen Hauses verbessern solle. Nach Darstellung des Präsidenten habe das Militär die Gelegenheit genutzt, im Zuge des Baus zusätzliche Schutz- und Sicherheitsstrukturen zu integrieren.
Die Entscheidung von John Roberts stellt deshalb keinen endgültigen juristischen Sieg für Trump dar. Sie sorgt lediglich dafür, dass die Bauarbeiten während der weiteren Prüfung des Falls nicht unterbrochen werden müssen. Entscheidend wird nun sein, wie der Supreme Court den Eilantrag der Regierung bewertet und ob die Richter später auch die grundsätzliche Frage klären, in welchem Umfang ein Präsident ohne ausdrückliche Zustimmung des Kongresses umfangreiche bauliche Veränderungen am Weißen Haus veranlassen darf.