Tes­to­ste­ron­man­gel: Wann eine Unter­su­chung medi­zi­nisch sinn­voll ist

Tes­to­ste­ron spielt bei Män­nern eine zen­tra­le Rol­le für Sexu­al­funk­ti­on, Mus­kel­mas­se, Kno­chen­ge­sund­heit, Blut­bil­dung und all­ge­mei­ne Leis­tungs­fä­hig­keit. Sinkt der Hor­mon­spie­gel dau­er­haft deut­lich ab, kann dies gesund­heit­li­che Fol­gen haben. Ein nied­ri­ger Labor­wert allein reicht jedoch nicht aus, um einen behand­lungs­be­dürf­ti­gen Tes­to­ste­ron­man­gel fest­zu­stel­len.

Zu den mög­li­chen Beschwer­den eines aus­ge­präg­ten Man­gels gehö­ren eine nach­las­sen­de Libi­do, weni­ger mor­gend­li­che Erek­tio­nen, erek­ti­le Dys­funk­ti­on, Müdig­keit, Kraft­ver­lust und der Abbau von Mus­kel­mas­se. Auch eine ver­rin­ger­te Kno­chen­dich­te bis hin zu Osteo­po­ro­se, Blut­ar­mut sowie eine ein­ge­schränk­te Frucht­bar­keit kön­nen auf­tre­ten. Psy­chi­sche Sym­pto­me wie depres­si­ve Stim­mung oder Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me sind eben­falls mög­lich, aller­dings unspe­zi­fisch und häu­fig durch ande­re Ursa­chen erklär­bar.

Eine rou­ti­ne­mä­ßi­ge Unter­su­chung aller beschwer­de­frei­en Män­ner gilt des­halb nicht grund­sätz­lich als medi­zi­nisch not­wen­dig. Sinn­voll ist eine Abklä­rung vor allem dann, wenn typi­sche Sym­pto­me, uner­klär­li­che Kno­chen­brü­che, Unfrucht­bar­keit, Erkran­kun­gen der Hoden oder der hor­mo­nel­len Steue­rungs­zen­tren im Gehirn vor­lie­gen. Auch bestimm­te Medi­ka­men­te, dar­un­ter län­ger­fris­tig ein­ge­nom­me­ne Opio­ide oder Glu­ko­kor­ti­ko­ide, kön­nen den Tes­to­ste­ron­spie­gel beein­flus­sen.

Die Dia­gnos­tik soll­te stan­dar­di­siert erfol­gen. Übli­cher­wei­se wird der Gesamt-Tes­to­ste­ron­wert mor­gens und an min­des­tens zwei ver­schie­de­nen Tagen bestimmt. Aku­te Erkran­kun­gen, Schlaf­man­gel, star­kes Kalo­rien­de­fi­zit oder inten­si­ve kör­per­li­che Belas­tung kön­nen die Wer­te vor­über­ge­hend ver­än­dern. Bei auf­fäl­li­gen Ergeb­nis­sen fol­gen wei­te­re Unter­su­chun­gen, etwa der Hor­mo­ne LH und FSH sowie gege­be­nen­falls von SHBG, frei­em Tes­to­ste­ron und Pro­lak­tin. Ziel ist es, zwi­schen einer Stö­rung der Hoden und einer Beein­träch­ti­gung der über­ge­ord­ne­ten hor­mo­nel­len Regu­la­ti­on zu unter­schei­den.

Eine Tes­to­ste­ro­n­er­satz­the­ra­pie kann bei einem ein­deu­tig bestä­tig­ten und sym­pto­ma­ti­schen Man­gel Beschwer­den lin­dern und unter ande­rem Mus­kel­mas­se, Kno­chen­dich­te und Blut­bil­dung ver­bes­sern. Sie ist jedoch kei­ne all­ge­mei­ne Maß­nah­me zur Leis­tungs­stei­ge­rung und erfor­dert ärzt­li­che Kon­trol­le. Mög­li­che Risi­ken und Neben­wir­kun­gen müs­sen indi­vi­du­ell abge­wo­gen wer­den. Beson­ders rele­vant ist, dass eine exter­ne Tes­to­ste­ron­zu­fuhr die kör­per­ei­ge­ne Sper­mi­en­pro­duk­ti­on deut­lich ver­min­dern kann und daher bei bestehen­dem Kin­der­wunsch pro­ble­ma­tisch ist.

Die medi­zi­ni­sche Kern­aus­sa­ge lau­tet: Ein ech­ter Tes­to­ste­ron­man­gel kann rele­van­te gesund­heit­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen, doch weder ein pau­scha­les Scree­ning noch eine vor­schnel­le The­ra­pie sind auto­ma­tisch sinn­voll. Ent­schei­dend sind typi­sche Beschwer­den, wie­der­holt nied­ri­ge Mess­wer­te, eine geklär­te Ursa­che und eine indi­vi­du­ell begrün­de­te Behand­lung.


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