US-Bör­sen erho­len sich dank Chip- und KI-Akti­en trotz Zins- und Kon­junk­tur­sor­gen

Gesamt­bild des Han­dels­tags

Die US-Akti­en­märk­te haben sich am Mon­tag nach den deut­li­chen Ver­lus­ten der Vor­wo­che über­wie­gend erholt. Beson­ders stark war die Gegen­be­we­gung bei Technologie‑, Halb­lei­ter- und KI-Infra­struk­tur­wer­ten. Der S&P 500 gewann 0,41 %, der Nasdaq 100 1,17 %, wäh­rend der Dow Jones mit ‑0,07 % leicht im Minus schloss. Auch die Futures auf S&P 500 und Nasdaq lagen höher.

Die Erho­lung war damit vor allem tech­no­lo­gie­ge­trie­ben und nicht breit über alle Sek­to­ren ver­teilt. Wäh­rend vie­le gro­ße Tech- und Chip­wer­te zuleg­ten, stan­den unter ande­rem Ban­ken und Haus­bau­wer­te unter Druck. Der Dow blieb des­halb deut­lich hin­ter Nasdaq und S&P 500 zurück. Die zwei­te Datei beschreibt eben­falls, dass der S&P 500 und der Nasdaq zuleg­ten, wäh­rend der Dow nahe­zu unver­än­dert bezie­hungs­wei­se leicht nega­tiv schloss.

War­um Tech­no­lo­gie- und KI-Akti­en wie­der stie­gen

In der Vor­wo­che waren ins­be­son­de­re tech­no­lo­gie- und KI-nahe Akti­en stark unter Druck gera­ten. Hin­ter­grund waren zuneh­men­de Zwei­fel an der Finan­zie­rung des KI-Booms. Beson­ders erwähnt wird Core­Wea­ve, ein Cloud- bezie­hungs­wei­se „Neocloud“-Unternehmen, das den Aus­bau sei­ner Rechen­zen­tren stark mit Fremd­ka­pi­tal finan­ziert. Die Aktie war in der Vor­wo­che um rund 25 % gefal­len, wäh­rend sich auch die Risi­ko­prä­mi­en der Unter­neh­mens­an­lei­hen deut­lich erhöht hat­ten.

Am Mon­tag nutz­ten Anle­ger die nied­ri­ge­ren Kur­se offen­bar zum Wie­der­ein­stieg. Die­se Bewe­gung wird aus­drück­lich als Rück­kehr von „Dip Buy­ers“ beschrie­ben. Micron gewann rund 3 %, Intel etwa 3 %, Ama­zon 5 %, Nvi­dia rund 1,4 %, Alpha­bet 1,2 %, Micro­soft 0,8 % und Tes­la rund 3,4 %.

Beson­ders deut­lich war die Erho­lung im Halb­lei­ter­sek­tor. Der iSha­res Semi­con­duc­tor ETF leg­te mehr als 2 % zu. San­Disk gewann mehr als 6 %, Wes­tern Digi­tal mehr als 5 %, Mar­vell mehr als 4 %, wäh­rend Sea­gate, Lam Rese­arch und Micron jeweils um mehr als 3 % stie­gen. Intel gewann über 2 %, und auch AMD, Appli­ed Mate­ri­als, Ana­log Devices und Broad­com lagen mehr als 1 % im Plus.

Auch Akti­en aus dem Bereich Cloud- und Rechen­zen­trums­in­fra­struk­tur leg­ten zu. Appli­ed Digi­tal stieg mehr als 6 %, Nebi­us und Aris­ta Net­works jeweils mehr als 3 %, Lumen­tum mehr als 1 % und Ora­cle knapp 1 %.

Damit zeigt der Han­dels­tag vor allem eine tech­ni­sche bezie­hungs­wei­se stim­mungs­ge­trie­be­ne Erho­lung in genau den Markt­seg­men­ten, die zuvor beson­ders stark ver­kauft wor­den waren.

Unter­neh­mens­ge­win­ne stüt­zen die Stim­mung

Ein wei­te­rer posi­ti­ver Fak­tor war die Erwar­tung einer star­ken Berichts­sai­son. Laut dem Arti­kel wird für die Unter­neh­men im S&P 500 im drit­ten Quar­tal ein Gewinn­an­stieg von rund 25 % gegen­über dem Vor­jahr erwar­tet. Noch im Juli hat­te die Pro­gno­se bei 22 % gele­gen. Von den bis Mon­tag bereits berich­ten­den 46 S&P‑500-Unternehmen hat­ten 80 % die Markt­er­war­tun­gen über­trof­fen.

Die Anle­ger war­te­ten des­halb gespannt auf wei­te­re wich­ti­ge Quar­tals­zah­len. Für den 20. Okto­ber wur­den unter ande­rem Ergeb­nis­se von 3M, Capi­tal One, Chubb, GE, Gene­ral Motors, Hal­li­bur­ton, Intui­ti­ve Sur­gi­cal, Net­flix, Nor­throp Grum­man, RTX und United Air­lines erwar­tet.

Ölpreis und Anlei­he­ren­di­ten brem­sen die Ral­ly

Die Akti­en­märk­te konn­ten ihre Tages­hochs aller­dings nicht hal­ten. Ein wich­ti­ger Grund dafür war der deut­li­che Anstieg des Ölprei­ses. WTI-Roh­öl stieg um mehr als 2 % auf ein Fünf-Wochen-Hoch. Dadurch nah­men die Infla­ti­ons­er­war­tun­gen zu, was wie­der­um die Ren­di­ten am Anlei­he­markt nach oben trieb. Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger US-Staats­an­lei­hen stieg auf etwa 5,14 %.

Der Ölpreis­an­stieg führ­te vor allem auf geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen im Nahen Osten und den wei­ter­hin lau­fen­den Krieg zwi­schen Russ­land und der Ukrai­ne zurück. Die­se Kon­flik­te könn­ten die welt­wei­te Ener­gie­ver­sor­gung beein­träch­ti­gen. Zusätz­lich wur­den Span­nun­gen um die Stra­ße von Hor­mus als Belas­tungs­fak­tor genannt.

Die höhe­ren Ölprei­se sind für Akti­en pro­ble­ma­tisch, weil sie meh­re­re Risi­ken gleich­zei­tig erhö­hen: Sie kön­nen die Infla­ti­on antrei­ben, die Wahr­schein­lich­keit restrik­ti­ver Geld­po­li­tik erhö­hen und die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen stei­gen las­sen. Dadurch wer­den siche­re Anlei­hen im Ver­gleich zu Akti­en attrak­ti­ver und gleich­zei­tig stei­gen die Finan­zie­rungs­kos­ten für Unter­neh­men.

Zin­sen und Erwar­tun­gen an die US-Noten­bank

Am Mon­tag stieg die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger US-Staats­an­lei­hen um rund 6,7 Basis­punk­te auf 5,140 %. Die Kurs­ver­lus­te bei Staats­an­lei­hen wur­den einer­seits mit der Erho­lung am Akti­en­markt und damit einer gerin­ge­ren Nach­fra­ge nach siche­ren Anla­gen begrün­det. Ande­rer­seits ver­stärk­te der stei­gen­de Ölpreis die Infla­ti­ons- und Zins­sor­gen.

Trotz­dem erwar­tet der Markt kurz­fris­tig über­wie­gend kei­ne wei­te­re Zins­er­hö­hung der US-Noten­bank. Im Arti­kel wird eine Wahr­schein­lich­keit von nur 17 % für eine Erhö­hung um 25 Basis­punk­te bei der Fed-Sit­zung am 27. und 28. Okto­ber genannt.

Die Situa­ti­on ist des­halb wider­sprüch­lich: Einer­seits erwar­tet der Markt kurz­fris­tig kei­ne Zins­er­hö­hung, ande­rer­seits hal­ten hohe Infla­ti­on, stei­gen­de Ölprei­se und Ren­di­ten das Risi­ko einer spä­ter wie­der straf­fe­ren Geld­po­li­tik auf­recht.

Schwa­cher US-Immo­bi­li­en­markt

Ein deut­lich nega­ti­ves Kon­junk­tur­si­gnal kam vom ame­ri­ka­ni­schen Immo­bi­li­en­markt. Der NAHB/Wells Far­go Housing Mar­ket Index, der die Stim­mung unter US-Haus­bau­un­ter­neh­men misst, fiel im Okto­ber auf 29 Punk­te. Das war der nied­rigs­te Stand seit Juni 2012. Im Sep­tem­ber hat­te der Index noch bei 32 gele­gen.

Auch die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten ver­schlech­ter­ten sich. Die Beur­tei­lung der aktu­el­len Ver­kaufs­be­din­gun­gen fiel auf 33 Punk­te, die Erwar­tun­gen für die kom­men­den sechs Mona­te auf 32 Punk­te und der Index für poten­zi­el­le Käu­fer auf 18 Punk­te. Gleich­zei­tig senk­ten 43 % der Bau­un­ter­neh­men ihre Prei­se.

Als Belas­tungs­fak­to­ren wer­den vor allem hohe Hypo­the­ken­zin­sen, hohe Bau­kos­ten, Pro­ble­me auf der Ange­bots­sei­te und eine schwä­che­re Ver­brau­cher­stim­mung genannt. Die­se Fak­to­ren füh­ren dazu, dass poten­zi­el­le Käu­fer trotz grund­sätz­lich vor­han­de­ner Nach­fra­ge vom Markt fern­blei­ben.

Ent­spre­chend schwach ent­wi­ckel­ten sich die Akti­en von Haus­bau­un­ter­neh­men. Buil­ders First­Sour­ce ver­lor mehr als 3 %, DR Hor­ton und Pul­te Group jeweils mehr als 2 %. Len­nar, KB Home und Toll Brot­hers lagen jeweils mehr als 1 % im Minus.

Chi­na lie­fert über­ra­schend posi­ti­ve Kon­junk­tur­da­ten

Unter­stüt­zung erhielt der glo­ba­le Akti­en­markt dage­gen durch bes­ser als erwar­te­te Daten aus Chi­na. Das chi­ne­si­sche Brut­to­in­lands­pro­dukt stieg im drit­ten Quar­tal um 1,2 % gegen­über dem Vor­quar­tal und um 4,5 % gegen­über dem Vor­jahr. Bei­de Wer­te lagen leicht über den Erwar­tun­gen.

Auch wei­te­re Daten waren soli­de. Die Indus­trie­pro­duk­ti­on stieg im Sep­tem­ber um 5,5 % gegen­über dem Vor­jahr, die Ein­zel­han­dels­um­sät­ze um 1,1 % und damit stär­ker als erwar­tet. Die Arbeits­lo­sen­quo­te sank über­ra­schend auf 5,2 %.

Ein Schwach­punkt blieb aller­dings der Immo­bi­li­en­markt. Die Prei­se für neue Häu­ser san­ken im Sep­tem­ber erneut um 0,14 % gegen­über dem Vor­mo­nat. Es war bereits der 40. Monat in Fol­ge mit fal­len­den Prei­sen.

Damit waren die chi­ne­si­schen Daten ins­ge­samt posi­tiv für die kurz­fris­ti­ge glo­ba­le Wachs­tums­stim­mung, lös­ten aber die struk­tu­rel­len Pro­ble­me des chi­ne­si­schen Immo­bi­li­en­sek­tors nicht.

Wich­ti­ge Ein­zel­ak­ti­en

Neben der all­ge­mei­nen Tech-Erho­lung gab es meh­re­re star­ke unter­neh­mens­spe­zi­fi­sche Bewe­gun­gen:

  • Disc Medi­ci­ne stieg um mehr als 38 %, nach­dem das Unter­neh­men posi­ti­ve Pha­se-3-Ergeb­nis­se für das Medi­ka­ment Bitoper­tin gemel­det hat­te.
  • Cleve­land-Cliffs leg­te mehr als 15 % zu, nach­dem das berei­nig­te EBITDA im drit­ten Quar­tal mit 612 Mio. US-Dol­lar über den Erwar­tun­gen lag.
  • Ama­zon gewann mehr als 4 %, nach­dem Mor­gan Stan­ley die Aktie als „Top Pick“ bezeich­net und ein Kurs­ziel von 350 US-Dol­lar genannt hat­te.
  • Data­dog stieg mehr als 4 %, nach­dem Bern­stein die Aktie auf „Out­per­form“ hoch­ge­stuft hat­te.
  • NRG Ener­gy ver­lor mehr als 4 %, nach­dem Jef­fe­ries das Kurs­ziel von 160 auf 131 US-Dol­lar gesenkt hat­te.
  • Ame­ri­pri­se Finan­cial fiel eben­falls mehr als 4 %, nach­dem Bank of Ame­ri­ca die Aktie von „Buy“ direkt auf „Under­per­form“ her­ab­ge­stuft hat­te.

Ban­ken blie­ben schwach

Wäh­rend Tech­no­lo­gie­ak­ti­en zuleg­ten, ent­wi­ckel­ten sich Bank­ak­ti­en schwä­cher. Mor­gan Stan­ley ver­lor etwa 1 %, Bank of Ame­ri­ca 1,7 % und Wells Far­go 2,5 %.

Dadurch wur­de deut­lich, dass die posi­ti­ve Markt­be­we­gung nicht von allen Bran­chen getra­gen wur­de. Der Markt war viel­mehr durch eine Rota­ti­on zurück in die zuvor stark ver­kauf­ten Tech­no­lo­gie- und KI-Wer­te geprägt.

Ent­wick­lung außer­halb der USA

Die inter­na­tio­na­len Akti­en­märk­te ent­wi­ckel­ten sich unein­heit­lich. Der Euro Sto­xx 50 ver­lor 0,98 % und fiel auf ein Wochen-Tief. Der chi­ne­si­sche Shang­hai Com­po­si­te gewann dage­gen 0,39 %. Der japa­ni­sche Nik­kei 225 ver­lor 0,62 % und erreich­te ein Ein-Monats-Tief.

Auch in Euro­pa stie­gen die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen. Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger deut­scher Bun­des­an­lei­hen erhöh­te sich um 3 Basis­punk­te auf 3,456 %, wäh­rend bri­ti­sche zehn­jäh­ri­ge Staats­an­lei­hen auf 5,432 % stie­gen.

Die Bun­des­bank warn­te gleich­zei­tig davor, dass die Infla­ti­ons­ri­si­ken im Euro­raum klar nach oben gerich­tet sei­en.

Ein­ord­nung

Der zen­tra­le Punkt ist, dass sich der US-Akti­en­markt zwar erholt hat, die Lage aber wei­ter­hin fra­gil ist. Die Erho­lung wur­de vor allem von Technologie‑, Halb­lei­ter- und KI-Infra­struk­tur­wer­ten getra­gen und war teil­wei­se eine Gegen­be­we­gung nach den star­ken Ver­lus­ten der Vor­wo­che.

Für eine Fort­set­zung der Ral­ly spre­chen momen­tan die guten Gewinn­erwar­tun­gen der Unter­neh­men, die hohe Quo­te posi­ti­ver Gewinn­über­ra­schun­gen und die bes­ser als erwar­te­ten Wirt­schafts­da­ten aus Chi­na. Gleich­zei­tig ste­hen dem meh­re­re Risi­ken gegen­über: stei­gen­de Ölprei­se, hohe Anlei­he­ren­di­ten, Infla­ti­ons­sor­gen, Unsi­cher­heit über die Fed-Poli­tik, eine deut­li­che Schwä­che am US-Immo­bi­li­en­markt und wei­ter­hin bestehen­de Zwei­fel an der hohen Ver­schul­dung bezie­hungs­wei­se Finan­zie­rung eini­ger KI-Infra­struk­tur­un­ter­neh­men.

Kurz gesagt: Der Markt ist wie­der risi­ko­freu­di­ger gewor­den, aber die Erho­lung beruht bis­lang stark auf Tech und KI. Ob dar­aus eine nach­hal­ti­ge­re Auf­wärts­be­we­gung ent­steht, hängt laut den Datei­en vor allem davon ab, ob die kom­men­den Unter­neh­mens­zah­len die hohen Erwar­tun­gen erfül­len und ob Ölprei­se und Anlei­he­ren­di­ten nicht wei­ter deut­lich stei­gen.


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