Die Vereinigten Staaten, Dänemark und Grönland haben sich auf die Grundzüge eines neuen Sicherheitsabkommens verständigt, das die amerikanische Militärpräsenz auf Grönland dauerhaft erweitern und die sicherheitspolitische Zusammenarbeit in der Arktis deutlich vertiefen soll. US-Präsident Donald Trump sprach von einer Vereinbarung, die den Vereinigten Staaten langfristig weitreichende Befugnisse in Sicherheitsfragen einräumen werde. Nach den bislang bekannten Einzelheiten geht es jedoch nicht um eine Übertragung der Souveränität über Grönland an die USA, sondern um eine Neuordnung und Ausweitung militärischer und strategischer Rechte auf der Insel.
Im Mittelpunkt des Abkommens steht eine dauerhafte amerikanische Präsenz in einem Gebiet, das wegen seiner Lage zwischen Nordamerika, Europa und dem Nordpol seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle in der westlichen Verteidigungsplanung spielt. Die Vereinigten Staaten unterhalten bereits die Pituffik Space Base im Nordwesten Grönlands, die unter anderem für Raketenfrühwarnung, Weltraumüberwachung und die Verteidigung Nordamerikas von Bedeutung ist. Die neue Vereinbarung soll diese bestehende Zusammenarbeit ausbauen und den USA zusätzliche Möglichkeiten für militärische Infrastruktur, Zugang, Überflugrechte und Stationierungen verschaffen.
Ein weiterer Bestandteil betrifft die militärische und wirtschaftliche Tätigkeit anderer Staaten auf Grönland. Nach den bisher veröffentlichten Informationen sollen insbesondere militärische Stützpunkte von Staaten außerhalb der NATO sowie bestimmte sicherheitsrelevante Investitionen potenzieller Gegner verhindert werden können. Damit richtet sich die Vereinbarung auch gegen einen stärkeren strategischen Einfluss Russlands und Chinas in der Arktis. Die Region gewinnt durch neue Schifffahrtswege, Rohstoffvorkommen und ihre Bedeutung für moderne Frühwarn- und Verteidigungssysteme zunehmend an geopolitischem Gewicht.
Trumps Darstellung geht sprachlich allerdings weiter als die bisherigen offiziellen Erklärungen aus Dänemark. Während der US-Präsident von einer dauerhaften amerikanischen Kontrolle über die Sicherheit Grönlands spricht, betont die dänische Regierung ausdrücklich, dass die Vereinbarung die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs Dänemark sowie das Selbstbestimmungsrecht der grönländischen Bevölkerung anerkennt. Grönland bleibt damit politisch Teil des Königreichs Dänemark und erhält keine neue staatsrechtliche Zugehörigkeit zu den Vereinigten Staaten.
Auch die grönländische Regierung unterstützt grundsätzlich die geplante Vereinbarung. Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte, sie solle die Sicherheit Grönlands, Dänemarks, der Vereinigten Staaten und der westlichen Allianz stärken und zugleich die Interessen Grönlands berücksichtigen. Damit unterscheidet sich das nun verhandelte Modell deutlich von früheren Äußerungen Trumps über einen möglichen Erwerb oder eine Übernahme Grönlands, die in Dänemark und auf der Insel auf deutliche Ablehnung gestoßen waren.
Rechtskräftig ist die Vereinbarung bislang noch nicht. Die Regierungen Grönlands, Dänemarks und der Vereinigten Staaten wollen sie im Zusammenhang mit der Generalversammlung der Vereinten Nationen unterzeichnen. Anschließend sind die vorgesehenen parlamentarischen Verfahren erforderlich, bevor das Abkommen in Kraft treten kann. Der genaue Vertragstext und damit auch die präzise Reichweite einzelner amerikanischer Befugnisse sind bislang noch nicht vollständig öffentlich bekannt.
Damit zeichnet sich eine erhebliche Veränderung der sicherheitspolitischen Ordnung in der Arktis ab, ohne dass sich die territoriale Zugehörigkeit Grönlands ändert. Die Vereinigten Staaten würden ihre seit Jahrzehnten bestehende militärische Rolle auf der Insel langfristig festigen und erweitern, während Dänemark und Grönland ihre staatliche beziehungsweise politische Zuständigkeit behalten. Wie weit die im Abkommen vorgesehenen amerikanischen Sicherheitsrechte tatsächlich reichen, wird sich endgültig erst anhand des vollständigen Vertragstextes beurteilen lassen.
