Der Tag war geprägt von einer intensiven Berichterstattung über die Quartalszahlen der Tech-Giganten sowie einer deutlichen Eskalation der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Die Finanzmärkte reagierten mit Volatilität auf die Ergebnisse von Branchenführern wie Alphabet und Tesla, während Drohungen von Präsident Trump gegenüber dem Iran die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts und weiter steigenden Ölpreisen schürten.
Quartalszahlen der Tech-Giganten: Licht und Schatten
Der Fokus der Wall Street lag heute massiv auf den Ertragsberichten der sogenannten „Magnificent Seven“, wobei die Ergebnisse gemischt ausfielen und eine Debatte über die Rentabilität von KI-Investitionen (ROI) auslösten.
- Alphabet (Google): Das Unternehmen übertraf die Erwartungen beim Umsatz (119,8 Mrd. USD gegenüber geschätzten 117 Mrd. USD) und beim Gewinn pro Aktie. Besonders das Google-Cloud-Geschäft zeigte ein starkes Wachstum mit einem Umsatz von 24,77 Mrd. USD, was deutlich über den Schätzungen lag. Dennoch äußerten Investoren Besorgnis über die massiven Investitionsausgaben (CapEx), die im zweiten Quartal 44,92 Mrd. USD erreichten, da die Märkte nun konkrete Beweise für die Monetarisierung von KI fordern.
- Tesla: Der Elektroautohersteller enttäuschte mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (EPS) lag mit 0,33 USD weit unter den Analystenerwartungen von 0,51 USD. Obwohl der Umsatz die Schätzungen übertraf, litten die Margen unter massiven Preisnachlässen, die Tesla gewähren muss, um seine „gealterte“ Produktpalette attraktiv zu halten. Die Aktie fiel nachbörslich, da Tesla zudem die hohen Erwartungen an die Ausgaben für KI und Robotik (wie das Robotaxi) derzeit nicht im versprochenen Tempo erfüllt.
- IBM & Texas Instruments: IBM meldete einen Umsatz von 17,16 Mrd. USD, wobei das Softwaregeschäft hinter den Erwartungen zurückblieb, was Bedenken hinsichtlich der Nachfrage im Beratungssektor aufkommen ließ. Texas Instruments konnte beim Gewinn pro Aktie überzeugen (2,14 USD statt 1,93 USD), gab jedoch einen verhaltenen Ausblick für das dritte Quartal.
Geopolitische Spannungen: Trumps Drohungen gegen den Iran
Ein weiteres dominierendes Thema sind die massiven Drohungen von Präsident Trump gegenüber der Islamischen Republik Iran, nachdem US-Streitkräfte die elfte Nacht in Folge Angriffe auf iranische Ziele durchgeführt haben.
- Vergeltungsstrategie: Trump warnte via Social Media, dass die USA für jedes Schiff, das im Persischen Golf oder der Straße von Hormus angegriffen wird, eine Brücke oder ein Kraftwerk im Iran zerstören werden, gegebenenfalls auch in der Nähe der Hauptstadt Teheran.
- Nuklearer Fokus: Der Präsident drohte zudem mit Angriffen auf den Berg Pickax, unter dem der Iran seine Nuklearzentrifugen vermutet. Parallel dazu gab die Regierung bekannt, ein Nuklearabkommen mit Saudi-Arabien unterzeichnet zu haben, das dem Königreich den Bau ziviler Atomanlagen mit US-Hilfe ermöglicht – ein Schritt, der im Kongress kritisch hinterfragt wird.
- Menschliche Kosten: Trump nahm heute an der feierlichen Überführung der sterblichen Überreste von vier US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Dover teil, die bei den jüngsten Angriffen getötet wurden.
- Ölmarkt: Die Spannungen führten zu einem Preissprung bei Rohöl. Brent-Öl stieg auf über 94 USD pro Barrel, da Händler eine Blockade wichtiger Seewege und Schäden an der Energieinfrastruktur fürchten.
Wirtschaft und nationale Politik
Neben Tech und Geopolitik gab es wichtige Nachrichten aus der Unternehmenswelt und der New Yorker Lokalpolitik:
- Wells Fargo: In einem exklusiven Interview betonte CEO Charlie Scharf, dass die Bank nach sieben Jahren regulatorischer Beschränkungen nun wieder auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sei. Er äußerte sich vorsichtig optimistisch über die US-Wirtschaft, merkte jedoch an, dass die Verbraucher trotz solider Finanzen aufgrund der Inflation und globaler Krisen nervös seien.
- New York City: Bürgermeister Zoron Mumdani sorgte für Schlagzeilen, als er von seinem Versprechen abrücken musste, den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu bei einem Besuch in New York verhaften zu lassen. Mumdani gab zu, dass seine Stadt keine rechtliche Befugnis habe, Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) zu vollstrecken, forderte jedoch die Bundesregierung zum Handeln auf. Israels UN-Botschafter Danny Danon bezeichnete das Vorgehen des Bürgermeisters als „politischen Stunt“.
- Konsumgüter: Das Unternehmen UTZ wird in einem 2,9‑Milliarden-Dollar-Deal privatisiert, da europäische Snackhersteller zunehmend auf den US-Markt drängen.
- Technologie-Innovationen: Samsung präsentierte seine achte Generation faltbarer Smartphones, um einen Vorsprung vor dem erwarteten Markteintritt von Apple in diesem Segment zu behalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Tag von einer großen Unsicherheit geprägt ist: Während die Tech-Industrie beweisen muss, dass ihre Milliardeninvestitionen in KI Früchte tragen, steht die Politik vor der Herausforderung, einen drohenden regionalen Krieg im Nahen Osten abzuwenden.
Man beschäftigt sich mit amerikanischer Politik nicht aus Amerika-Faszination, sondern aus deutschem Eigeninteresse.
