In mehreren asiatischen Märkten (vor allem in China, Japan, Korea und Taiwan) ist die Farbkonvention traditionell umgekehrt:
- Rot = steigender Kurs (Gewinn)
- Grün = fallender Kurs (Verlust)
Diese Konvention steht im Gegensatz zu der in Europa und Nordamerika üblichen Darstellung:
- Grün = steigender Kurs
- Rot = fallender Kurs
Allerdings ist die Situation heute differenzierter, weil viele moderne Trading-Plattformen die Farben frei konfigurierbar machen.
1. Ursprung der westlichen Farbkonvention
In den meisten europäischen und nordamerikanischen Börsensystemen gilt:
| Farbe | Bedeutung |
|---|---|
| Grün | Kursanstieg / bullische Kerze |
| Rot | Kursrückgang / bärische Kerze |
Diese Logik hat mehrere mögliche Ursprünge:
1. Ampel-Metapher
- Grün = „alles gut“, Wachstum
- Rot = „Warnung“, Verlust
2. Bilanznotation
Historisch wurden negative Zahlen in Buchhaltung und Druck rot markiert („in the red“).
Daher entstand auch im Englischen die Redewendung „to be in the red“ für Verlust.
3. Verbreitung durch US-Tradingsoftware
Programme wie frühe Versionen von Bloomberg, Reuters, später TradingView oder MetaTrader haben diese Konvention global verbreitet.
2. Ostasiatische Konvention
In vielen ostasiatischen Finanzmärkten ist die Bedeutung traditionell umgekehrt:
| Farbe | Bedeutung |
|---|---|
| Rot | Kursanstieg |
| Grün | Kursrückgang |
Das betrifft vor allem:
- chinesische Börsen (Shanghai, Shenzhen)
- japanische Charts
- koreanische Märkte
- teilweise Taiwan
3. Kulturelle Gründe
Der Hauptgrund liegt in kulturellen Farbsymboliken.
Rot als Glücksfarbe
In vielen ostasiatischen Kulturen steht Rot für:
- Glück
- Wohlstand
- Erfolg
- Feierlichkeiten
In China werden z. B. rote Umschläge (Hongbao) mit Geld verschenkt.
Daher ist es kulturell intuitiv, Gewinne rot darzustellen.
Grün als neutral oder negativ
Grün hat in Ostasien keine so eindeutig positive Symbolik wie im Westen und kann daher problemlos für Kursrückgänge verwendet werden.
4. Historische Entwicklung der Candlestick-Charts
Ein zusätzlicher historischer Aspekt:
Die Candlestick-Charttechnik stammt aus Japan.
Munehisa Homma gilt als früher Entwickler solcher Darstellungen im 18. Jahrhundert im Reishandel.
Allerdings waren die ursprünglichen Kerzen nicht zwingend rot/grün – oft wurden sie schlicht als:
- weiß = steigender Preis
- schwarz = fallender Preis
gezeichnet.
Die heutige Farbkonvention entstand erst mit Computercharting.
5. Heutige Praxis (Globalisierung der Chartsoftware)
Heute ist die Situation weniger eindeutig:
- Viele internationale Trader nutzen westliche Softwarestandards.
- Plattformen erlauben freie Farbwahl.
- Selbst chinesische Trader verwenden teilweise grün = up.
Typische Beispiele:
| Plattform | Standard |
|---|---|
| TradingView | grün = up |
| MetaTrader | grün = up |
| chinesische Brokerplattformen | oft rot = up |
Dadurch existieren beide Konventionen parallel.
6. Praktische Probleme für internationale Trader
Die unterschiedlichen Standards können zu Fehlinterpretationen führen:
- Trader sehen einen roten Chart und denken automatisch „Crash“.
- In einem chinesischen Chart kann das eine starke Rally bedeuten.
Deshalb achten professionelle Trader häufig zuerst auf:
- Kerzenkörper (open/close)
- Richtungspfeile oder Zahlen
- Legende der Plattform
7. Kritische Einordnung
Die kulturelle Erklärung („Rot = Glück“) ist plausibel, aber nicht die einzige Ursache. Weitere Faktoren:
- Lokale Softwareentwicklung
Frühe Chartprogramme in China und Japan übernahmen nationale Farbcodes. - Marktpsychologie
Farben wirken emotional – positive Farbe für Gewinne kann die Marktstimmung beeinflussen. - Globalisierungseffekt
Internationale Kapitalmärkte nivellieren solche Unterschiede zunehmend.
Daher könnte diese Divergenz langfristig verschwinden.
