Woh­nungs­man­gel in Deutsch­land: Bau­en wir zu wenig oder fra­gen zu vie­le Men­schen Woh­nun­gen nach?

Die ange­spann­te Lage auf dem deut­schen Woh­nungs­markt lässt sich nicht allein mit einer hohen Bevöl­ke­rungs­zahl erklä­ren. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass in vie­len Städ­ten und wirt­schaft­lich star­ken Regio­nen eine hohe Nach­fra­ge auf ein zu klei­nes und nur lang­sam wach­sen­des Woh­nungs­an­ge­bot trifft. Nach der Pro­gno­se des ifo Insti­tuts sol­len 2026 ledig­lich 185.000 Woh­nun­gen fer­tig­ge­stellt wer­den. Für 2027 wer­den 195.000 und für 2028 rund 210.000 Fer­tig­stel­lun­gen erwar­tet. Selbst dann läge der Woh­nungs­bau noch etwa 17 Pro­zent unter dem Niveau von 2024.

Ein wesent­li­cher Grund für die Knapp­heit ist daher das unzu­rei­chen­de Ange­bot. Hohe Bau­kos­ten, stei­gen­de Finan­zie­rungs­kos­ten, umfang­rei­che Vor­schrif­ten und lan­ge Geneh­mi­gungs- und Bau­zei­ten erschwe­ren neue Pro­jek­te. Zwi­schen der Geneh­mi­gung und der Fer­tig­stel­lung einer Woh­nung ver­ge­hen inzwi­schen durch­schnitt­lich etwa 27 Mona­te. Dadurch reagiert der Woh­nungs­bau nur sehr lang­sam auf eine stei­gen­de Nach­fra­ge. Selbst wenn heu­te mehr Pro­jek­te geneh­migt wür­den, stün­den die Woh­nun­gen häu­fig erst Jah­re spä­ter zur Ver­fü­gung.

Gleich­zei­tig hat auch die Nach­fra­ge zuge­nom­men. Dazu tra­gen Bevöl­ke­rungs­wachs­tum und Zuwan­de­rung bei, aber eben­so gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen. Immer mehr Men­schen leben allein, Haus­hal­te wer­den im Durch­schnitt klei­ner und benö­ti­gen des­halb mehr Woh­nun­gen pro Ein­woh­ner. Hin­zu kommt die star­ke Kon­zen­tra­ti­on auf Bal­lungs­räu­me. Vie­le Men­schen zie­hen dort­hin, wo Arbeits­plät­ze, Hoch­schu­len und eine gute Infra­struk­tur vor­han­den sind. In länd­li­chen oder wirt­schaft­lich schwä­che­ren Regio­nen kön­nen dage­gen Woh­nun­gen leer ste­hen, obwohl in Groß­städ­ten aku­ter Man­gel herrscht.

Die Aus­sa­ge, Deutsch­land habe schlicht „zu vie­le Men­schen“, greift des­halb zu kurz. Nicht jeder zusätz­li­che Ein­woh­ner ver­ur­sacht auto­ma­tisch eine Woh­nungs­not. Pro­ble­ma­tisch wird es, wenn die Zahl der Haus­hal­te schnel­ler wächst als das ver­füg­ba­re Woh­nungs­an­ge­bot und der Neu­bau nicht mit die­ser Ent­wick­lung Schritt hält. Zudem feh­len häu­fig nicht irgend­wel­che Woh­nun­gen, son­dern vor allem bezahl­ba­re Miet­woh­nun­gen in den nach­ge­frag­ten Regio­nen.

Der Woh­nungs­man­gel ist somit das Ergeb­nis eines Miss­ver­hält­nis­ses zwi­schen Ange­bot und Nach­fra­ge. Die Nach­fra­ge ist in vie­len Städ­ten tat­säch­lich sehr hoch, doch der ent­schei­den­de Eng­pass liegt in der gerin­gen Bau­tä­tig­keit, den lan­gen Rea­li­sie­rungs­zei­ten und der unglei­chen regio­na­len Ver­tei­lung des Wohn­raums. Eine wirk­sa­me Woh­nungs­po­li­tik müss­te des­halb den Neu­bau beschleu­ni­gen, Bau­kos­ten sen­ken, Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren ver­ein­fa­chen und zugleich die Infra­struk­tur in klei­ne­ren Städ­ten und länd­li­chen Regio­nen stär­ken. Nur dann kann sich die Nach­fra­ge bes­ser ver­tei­len und der Druck auf die beson­ders ange­spann­ten Woh­nungs­märk­te nach­las­sen.


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