Wochenrückblick für den Handelszeitraum 3. bis 7. August 2026:
1. Makroökonomische Highlights
Arbeitsmarkt – der Dreh- und Angelpunkt der Woche
- Freitag: Der Nonfarm Payrolls-Bericht für Juli enttäuschte massiv. Die US-Wirtschaft verlor überraschend 23.000 Arbeitsplätze (Erwartung: +80.000). Die Zahlen für Mai und Juni wurden nach unten revidiert (−103.000 kombiniert). Die Arbeitslosenquote fiel zwar auf 4,1 % (von 4,2 %), jedoch weil die Erwerbsbeteiligungsrate auf 61,4 % sank – der niedrigste Stand seit Anfang 2021 (außerhalb der Pandemie seit 1976 nicht gesehen). Das Lohnwachstum verfehlte mit +0,1 % (Erwartung: +0,3 %) deutlich.
- Mittwoch: Das ADP-Report zeigte nur 44.000 neue Jobs im Privatsektor (6‑Monats-Tief, Erwartung: 70.000).
- Donnerstag: Die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit blieben mit 199.000 niedrig (Erwartung: 202.000). Gleichzeitig stieg die Zahl der freiwillig gekündigten Stellen (Quits) auf 3,23 Mio.
- Dienstag: Die offenen Stellen (JOLTS) fielen auf 7,36 Mio. (unter Erwartungen).
Produktion & Dienstleistungen
- ISM Manufacturing PMI: Sprang auf 55,6 (stärkste Expansion seit Mai 2022).
- ISM Services PMI: Leicht bei 54,1 (Erwartung: 54,5), aber Preisdruck erhöhte sich auf 70,3.
- S&P Global Composite PMI: 54,5 – 9‑Monats-Hoch, getrieben vom Dienstleistungssektor.
- Produktivität Q2: +1,4 % (über Erwartung), Unit Labor Costs nur +1,3 % (unter Erwartung).
Inflation & Verbraucher
- Die 1‑Jahres-Inflationserwartungen fielen im Juli leicht auf 3,6 % (von 3,7 %).
- Gebrauchtwagenpreise (Manheim Index) sanken im Juli um 1,4 % (erster Rückgang seit drei Monaten).
- Der US-Handelsbilanzdefizit schrumpfte auf 73,3 Mrd. USD (Importe fielen stärker als Exporte).
2. Geldpolitik & Zinsmärkte
Die Federal Reserve dominierte die Stimmung:
- Fed-Chair Kevin Warsh signalisierte Bereitschaft zur Zinserhöhung im September, falls die Inflationsdaten hoch ausfallen. Er hält jedoch an einem reduzierten Kommunikationsstil fest.
- Fed-Funds-Futures: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September schwankte stark:
- Montag: ~68 %
- Mittwoch: ~57 %
- Freitag: nur noch 42 % (nach dem desolaten Jobs-Report).
- 10-Jahres-Treasury: Fiel von einem 18-Monats-Hoch (4,75 %) am Wochenanfang auf 4,6 % zum Wochenschluss – getrieben durch fallende Ölpreise und schwache Arbeitsmarktdaten.
- 30-Jahres-Hypothekenzins: Stieg auf 6,69 % (1‑Jahres-Hoch), was die Nachfrage nach Hypotheken weiter dämpfte.
3. Geopolitik & Rohstoffe
Der Konflikt am Iran und die Straße von Hormus bewegten die Märkte:
- Montag/Dienstag: Hoffnungen auf einen vorläufigen Deal zwischen USA und Iran (vermittelt über Oman/Katar) drückten Ölpreise und senkten Inflationsängste.
- Donnerstag: Berichte, dass Iran US- und israelische Schiffe blockieren könnte, ließen Ölpreise wieder steigen und belasteten die Märkte.
- Freitag: Präsident Trump äußerte, Verhandlungen „bewegten sich voran“, aber kein Abkommen sei finalisiert.
- Trump verhängte 15 % Zölle auf Produkte aus Polysilicon (Halbleiter/Solarmodule) sowie Mindestimportpreise.
4. Unternehmensnachrichten (Earnings-Auswahl)
| Unternehmen | EPS vs. Erwartung | Highlight |
|---|---|---|
| Caterpillar | 8,17 $ (deutlich über) | Umsatzprognose angehoben |
| Palantir | 0,41 $ (über) | +29 % an einem Tag (stärkster Tag seit >2 Jahren) |
| Airbnb | 1,37 $ (über) | Umsatz & Gewinn überzeugten |
| Disney | 2,06 $ (über) | Aktie auf 6‑Wochen-Hoch |
| Eli Lilly | 8,38 $ (unter!) | Dennoch +9 %, da Umsatz überzeugte & Prognose angehoben |
| SpaceX | −0,09 $ (in-line) | −13,6 % nach Quartalszahlen wegen explodierender KI-Kapitalausgaben; Lockup-Periode endete (101 Mrd. $ Aktien frei) |
| AMD | 1,66 $ (über) | −7 % trotz Verdopplung der Datacenter-Einnahmen |
| Western Digital | 3,56 $ (über) | −13 % nach enttäuschender Guidance |
| Sandisk | 39,25 $ (über) | −10 % nach enttäuschenden Ergebnissen |
| Vistra | 1,68 $ (unter) | — |
| Aflac | 1,75 $ (unter) | — |
5. Marktindizes: Wochenverlauf
| Index | Montag | Dienstag | Mittwoch | Donnerstag | Freitag | Wochen-Trend |
|---|---|---|---|---|---|---|
| S&P 500 | +1,5 % | +1,8 % (Rekord) | leicht −0,2 % | −0,2 % | +0,6 % (Rekord: 7.758) | Neues Allzeithoch |
| Dow Jones | +693 Pkte / +1,32 % | +907 Pkte / +1,71 % | +342 Pkte / +0,63 % | −479 Pkte / −0,88 % | +152 Pkte / +0,28 % | Rekordhoch bei 54.428 |
| Nasdaq 100 | +1,8 % | +3,3 % | −0,8 % | −0,4 % | +1,3 % | Volatil, aber Wochengewinn |
Sektoren:
- Outperformer: KI-Infrastruktur (Nvidia, Palantir), Pharma (Eli Lilly), Banken (nach Zinsrückgang am Freitag), Industrie (Caterpillar).
- Underperformer: Speicherchips (Western Digital, Sandisk), Energie (Chevron), einige Big Tech (Alphabet, Amazon an einzelnen Tagen).
6. Fazit
Die Woche war geprägt von einem Spannungsfeld zwischen geopolitischen Hoffnungen (Hormus), geldpolitischen Ängsten (Fed-Hawks) und einem überraschend schwachen Arbeitsmarktbericht. Während Ölpreise und Zinsen an den Wochenmitte schwankten, sorgte der desolate Jobs-Report am Freitag für eine Rally an den Märkten, da die Zinserhöhungswahrscheinlichkeit für September deutlich sank. Der Dow und S&P 500 schlossen auf neuen Rekordhochs.
Ausblick:
- Nächste Woche (10. August): Die Märkte fokussieren sich auf die US-Verbraucherinflation (CPI), den PPI, Einzelhandelsumsätze und das Michigan-Verbrauchervertrauen. Diese Daten werden entscheiden, ob die Fed trotz schwachem Arbeitsmarkt im September tatsächlich die Zügel anzieht oder pausiert.
- Earnings: Applied Materials, Cisco, CoreWeave stehen im Fokus der KI-Handelsvolatilität.
- Risiken: Eine Eskalation am Hormus oder überraschend heiße Inflationsdaten könnten die jüngste Rally schnell wieder zunichtemachen. Der Arbeitsmarkt zeigt erste Risse – ein Trend, der sich fortsetzen könnte.
Marktbreite
1. Die reine Marktbreite ist klar bullisch.
An allen vier Handelsplätzen gibt es erheblich mehr Gewinner als Verlierer. Besonders auffällig sind NASDAQ mit einer A/D‑Ratio von 2,57 und NYSE Arca mit 5,32. Auf der NYSE steigen rund 1,65 Titel für jeden fallenden Titel. Damit ist der Anstieg nicht auf einige wenige Mega-Caps beschränkt.
Auch die Nettozahlen sind deutlich positiv: NYSE +700, NASDAQ +2.270 und Arca +1.788. Das ist grundsätzlich eine konstruktive Marktstruktur.
2. Die New-High/New-Low-Struktur bestätigt das Bild überwiegend.
NYSE, NASDAQ und insbesondere Arca produzieren mehr neue Hochs als neue Tiefs. Die Relationen von 1,95, 1,63 und 3,84 sind positiv.
Die Ausnahme ist NYSE American: 12 neue Hochs stehen 21 neuen Tiefs gegenüber. Trotz vieler steigender Aktien bleibt dort die längerfristige technische Struktur also fragiler. Das kann auf eine Erholungsbewegung innerhalb eines weiterhin angeschlagenen Small-/Micro-Cap-Segments hindeuten.
3. Der TRIN sendet jedoch ein deutlich weniger euphorisches Signal.
Hier liegt die wichtigste Divergenz der Daten.
Bei der NYSE beträgt der A/D‑Ratio 1,65, das Volumenverhältnis aber nur 1,40. Daraus resultiert ein TRIN von 1,18. Es gibt also viele steigende Aktien, aber die steigenden Aktien ziehen nicht proportional ebenso viel Volumen an.
Beim NASDAQ ist derselbe Effekt etwas ausgeprägter:
- A/D‑Ratio: 2,57
- Advancing/Declining Volume: 2,04
- TRIN: 1,26
Das ist kein ausgesprochen bärisches Wochenbild, aber es zeigt: Die numerische Breite ist stärker als die Kapitalfluss-Breite.
4. NYSE Arca ist die größte Warnlampe.
Hier steigen 2.202 Titel und nur 414 fallen – eine außergewöhnlich starke A/D‑Ratio von 5,32. Das Volumen der Gewinner übertrifft das Volumen der Verlierer jedoch nur um den Faktor 1,64.
Dadurch springt der TRIN auf 3,24.
Das bedeutet vereinfacht: Sehr viele Instrumente steigen, aber relativ viel Handelsvolumen steckt trotzdem in den fallenden Instrumenten. Normalerweise wäre das eine deutliche negative Volumendivergenz.
Bei Arca muss man diese Aussage allerdings relativieren, weil dort sehr viele ETFs und andere börsengehandelte Produkte gehandelt werden. Einzelne volumenstarke ETFs können den TRIN erheblich verzerren. Der Arca-TRIN sollte daher nicht 1:1 wie ein klassischer NYSE-TRIN behandelt werden.
5. NYSE American liefert das Gegenbild.
Der TRIN von 0,36 zeigt starken Kaufdruck. Das advancing volume ist etwa 6,5‑mal so hoch wie das declining volume, während die Zahl der Gewinner lediglich etwa 2,3‑mal so groß ist.
Das Volumen konzentriert sich dort also überproportional auf steigende Werte. Gleichzeitig gibt es aber mehr neue Tiefs als neue Hochs. Das spricht eher für eine kräftige Erholung beziehungsweise Akkumulation aus einer schwächeren Ausgangsstruktur als für einen bereits vollständig etablierten Aufwärtstrend.
Gesamturteil
Die Woche zeigt eine klar positive Marktbreite, und insbesondere die starke A/D‑Struktur spricht dafür, dass die Aufwärtsbewegung breit getragen wird. Auch die insgesamt 1.700 neuen Hochs gegenüber 776 neuen Tiefs sind konstruktiv.
Der entscheidende Schönheitsfehler ist die Volumendivergenz. NYSE und NASDAQ weisen TRIN-Werte oberhalb von 1 auf, obwohl die Advance/Decline-Zahlen sehr gut aussehen. Das spricht nicht für eine unmittelbare Trendwende, wohl aber dafür, dass die Rally unter der Oberfläche weniger kraftvoll ist, als die reine Zahl steigender Aktien suggeriert.
Kurzsignal:
Breadth: bullisch · High/Low: bullisch · Volumenbestätigung: neutral bis leicht negativ · Gesamt: konstruktiv, aber mit Divergenzrisiko.
Für die kommende Woche wäre besonders positiv, wenn NYSE- und NASDAQ-TRIN wieder unter 1 fallen, während A/D und New Highs hoch bleiben. Kritischer würde das Bild, wenn die A/D‑Breite weiterhin positiv aussieht, der TRIN aber weiter steigt und gleichzeitig die Zahl der New Lows zunimmt. Das wäre eine klassische Verschlechterung der internen Marktstruktur
| Index | 5‑Tage-Änderung (CHG) | 5‑Tage-Änderung (%) |
|---|---|---|
| Dow Jones Industrial Average | 1551.90 | 2.96 |
| Dow Jones Transportation Average | 466.79 | 2.22 |
| Dow Jones Utility Average | -22.86 | -2.04 |
| Dow Jones 65 Composite | 372.18 | 2.24 |
| Dow Jones Total Stock Market | 2747.25 | 3.71 |
| Barron’s 400 | 46.67 | 2.88 |
| S&P 500 Index | 267.92 | 3.58 |
| S&P 100 Index | 148.06 | 4.01 |
| S&P MidCap 400 | 126.93 | 3.38 |
| S&P SmallCap 600 | 42.60 | 2.41 |
| S&P SuperComp 1500 | 59.51 | 3.54 |
| Nasdaq Composite | 1316.76 | 5.19 |
| Nasdaq 100 | 1448.10 | 5.12 |
| Nasdaq Biotech | 328.99 | 5.10 |
| NYSE Composite | 487.70 | 2.02 |
| Russell 1000 | 151.61 | 3.72 |
| Russell 2000 | 103.16 | 3.52 |
| Russell 3000 | 157.94 | 3.71 |
| PHLX Gold/Silver | 60.66 | 19.70 |
| PHLX Oil Service | 1.36 | 1.44 |
| PHLX Semiconductor | 1045.71 | 9.24 |
| CBOE Volatility | -1.09 | -6.82 |
| KBW Bank | 2.97 | 1.59 |
| Value Line (Geometric) | 19.52 | 2.88 |
| Alerian MLP | 179.65 | 100.59 |
| Sektor | 5 Tage | Einordnung |
|---|---|---|
| Information Technology | +7,22 % | klarer Leader |
| Materials | +5,61 % | starke zyklische Beteiligung |
| Industrials | +3,02 % | positiv zyklisch |
| Consumer Discretionary | +2,84 % | Risk-on |
| Health Care | +1,95 % | solide |
| Communication Services | +1,28 % | moderat positiv |
| Financials | +1,18 % | beteiligt, aber kein Leader |
| Consumer Staples | +0,04 % | defensive Underperformance |
| Real Estate | −0,12 % | schwach |
| Utilities | −1,68 % | defensive Abflüsse |
| Energy | −3,30 % | deutlicher Ausreißer nach unten |


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