Bericht zur Kon­junk­tur­la­ge der Deut­schen Bun­des­bank Sep­tem­ber 2026

Der Bericht beschreibt eine deut­sche Wirt­schaft, die sich grund­sätz­lich auf Erho­lungs­kurs befin­det, im drit­ten Quar­tal aber vor­über­ge­hend an Schwung ver­liert. Haupt­grün­de sind tem­po­rä­re Belas­tun­gen wie das Nied­rig­was­ser am Rhein, schwä­che­re Expor­te, hohe Ener­gie­prei­se und ein ver­hal­te­ner pri­va­ter Kon­sum. Für das vier­te Quar­tal erwar­tet die Bun­des­bank wie­der eine stär­ke­re Expan­si­on, sofern sich die­se Son­der­ef­fek­te zurück­bil­den.

Gesamt­wirt­schaft­li­che Lage

Die deut­sche Wirt­schaft ver­liert im 3. Quar­tal 2026 vor­über­ge­hend an Dyna­mik.

  • Das rea­le BIP wächst nur leicht .
  • Die Erho­lung bleibt grund­sätz­lich intakt, da die Schwä­che­pha­se vor allem auf tem­po­rä­re Belas­tungs­fak­to­ren zurück­geht .
  • Haupt­brems­fak­tor: Nied­rig­was­ser am Rhein, das Trans­port und Indus­trie­pro­duk­ti­on beein­träch­tigt .
  • Expor­te und pri­va­ter Kon­sum blei­ben schwach, u. a. wegen Weg­fall des Tan­kra­batts und hoher Ener­gie­prei­se .
  • Fis­ka­li­sche Locke­run­gen stüt­zen die Kon­junk­tur, beson­ders im Tief­bau .

Indus­trie: Belas­tet durch Son­der­ef­fek­te

Die Indus­trie­pro­duk­ti­on sinkt deut­lich zu Quar­tals­be­ginn.

  • Nied­rig­was­ser führt zu Trans­port­stö­run­gen und höhe­ren Fracht­kos­ten .
  • Geschätz­ter BIP‑Dämpfer: 0,1–0,2 Pro­zent­punk­te .
  • Ener­gie­in­ten­si­ve Bran­chen (Che­mie, Metall, Mine­ral­öl) beson­ders betrof­fen .
  • Auto­mo­bil­in­dus­trie: Pro­duk­ti­ons­pau­se wegen Umrüs­tung auf E‑Fahrzeuge belas­tet Juli, Nor­ma­li­sie­rung ab August/September erwar­tet .
  • Auf­trags­ein­gang steigt stark, jedoch nur dank Groß­auf­trä­gen; ohne die­se rück­läu­fig .
  • Export­erwar­tun­gen ver­bes­sern sich deut­lich .

Bau­wirt­schaft: Lang­sa­me Erho­lung

  • Bau­pro­duk­ti­on steigt im Juli deut­lich und erreicht wie­der das Niveau des 2. Quar­tals .
  • Tief­bau pro­fi­tiert von Infra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen aus Bundes‑Sondervermögen .
  • Mate­ri­al­knapp­hei­ten gehen stark zurück (nur noch 4 % der Unter­neh­men betrof­fen) .
  • Woh­nungs­bau bleibt wegen hoher Zin­sen und Bau­kos­ten schwach .

Arbeits­markt: Leicht abwärts­ge­rich­tet, aber ers­te Sta­bi­li­sie­rungs­si­gna­le

  • Beschäf­ti­gung sinkt leicht; Rück­gang vor allem bei Mini­jobs und Selbst­stän­di­gen .
  • Indus­trie baut wei­ter Arbeits­plät­ze ab, Han­del eben­falls; Bau sta­bil .
  • Früh­in­di­ka­to­ren (ifo‑Beschäftigungsbarometer) ver­bes­sern sich deut­lich, beson­ders im Ver­ar­bei­ten­den Gewer­be .
  • Arbeits­lo­sig­keit bleibt bei knapp 3 Mio. Per­so­nen, Quo­te: 6,4 % .

Ener­gie­prei­se: Star­ker Anstieg durch Nahost‑Konflikt

  • Eska­la­ti­on des Iran‑Konflikts führt zu mas­si­ven Preis­stei­ge­run­gen bei Gas, Strom, Die­sel, Ben­zin und Roh­öl .
  • Gas­preis: 77 €/MWh .
  • Roh­öl (Brent): 121 USD/Fass .
  • LNG‑Lieferungen stark ein­ge­schränkt; Spei­cher fül­len sich nur lang­sam .
  • Mine­ral­öl­pro­duk­te welt­weit knapp, Crack Spreads teils auf Rekord­ni­veau .

Infla­ti­on: Leich­ter Anstieg auf 2,9 %

  • HVPI‑Inflation August: 2,9 % (Juli: 2,8 %) .
  • Kern­in­fla­ti­on bleibt bei 2,6 % .
  • Ener­gie­prei­se trei­ben die Teue­rung; Indus­trie­gü­ter ohne Ener­gie ver­teu­ern sich eben­falls spür­bar .
  • Infla­ti­ons­ra­te dürf­te vor­erst erhöht blei­ben, u. a. wegen indi­rek­ter Effek­te stei­gen­der Ener­gie­prei­se .
  • Gesund­heits­re­form Anfang 2027 erhöht Infla­ti­on vor­über­ge­hend um rund 0,2 Pro­zent­punk­te .

Aus­blick

  • Wirt­schaft dürf­te im 4. Quar­tal 2026 wie­der stär­ker wach­sen, abhän­gig von:
    • Ent­wick­lung des Nahost‑Konflikts
    • Nor­ma­li­sie­rung der Was­ser­stän­de auf wich­ti­gen Was­ser­stra­ßen
  • Indus­trie könn­te nach Aus­lau­fen der Son­der­ef­fek­te wie­der zur robus­te­ren Kon­junk­tur zurück­fin­den .

Kurz­fa­zit: Die Bun­des­bank sieht der­zeit eher eine tem­po­rä­re Wachs­tums­del­le als einen neu­en Abschwung. Die bin­nen­wirt­schaft­li­che Erho­lung bleibt intakt, wird aber von hohen Ener­gie­prei­sen, geo­po­li­ti­schen Risi­ken, hohen Zin­sen und einer schwa­chen Indus­trie gebremst. Die größ­ten kurz­fris­ti­gen Risi­ken lie­gen bei Ener­gie­prei­sen und Infla­ti­on; posi­tiv wir­ken öffent­li­che Inves­ti­tio­nen, bes­se­re Indus­trie­er­war­tun­gen und ers­te Sta­bi­li­sie­rungs­si­gna­le am Arbeits­markt.


Quel­le: Bun­des­bank

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