Hun­de­fleisch als Deli­ka­tes­se

Ange­sichts extre­mer Hit­ze­wel­len emp­feh­len nord­ko­rea­ni­sche Staats­me­di­en der Bevöl­ke­rung Hun­de­fleisch­sup­pe und Gin­seng­brü­he. Das Prin­zip „Hei­ßes gegen Hit­ze” soll die som­mer­li­che Belas­tung mil­dern. Was in Nord­ko­rea als nähr­stoff­rei­che Tra­di­ti­on gilt, ist in wei­ten Tei­len der Welt jedoch längst ein stark umstrit­te­nes The­ma.

Ost­asi­en: Zwi­schen Tra­di­ti­on und Ver­bo­ten

Der Ver­zehr von Hun­de­fleisch blickt in ver­schie­de­nen Regio­nen auf eine lan­ge Geschich­te zurück. Welt­weit ist er heu­te jedoch stark rück­läu­fig – gesell­schaft­lich ver­pönt oder gesetz­lich ver­bo­ten.

In Ost­asi­en spielt er stel­len­wei­se noch eine Rol­le: In Viet­nam, beson­ders im Nor­den, wird Hun­de­fleisch (Thịt chó) in spe­zia­li­sier­ten Restau­rants ange­bo­ten, wenn­gleich Städ­te wie Hanoi den Kon­sum aus Image- und Tier­schutz­grün­den zuneh­mend ein­schrän­ken. In Nord­ko­rea gilt Dango­gi wei­ter­hin als som­mer­li­che Spe­zia­li­tät. In Chi­na beschränkt sich der Ver­zehr vor­wie­gend auf den Süden und Nord­os­ten des Lan­des; die gesell­schaft­li­che Akzep­tanz schwin­det jedoch rasch, und Städ­te wie Shen­zhen und Zhuh­ai haben ihn bereits ver­bo­ten.

Süd­ko­rea voll­zieht der­zeit einen his­to­ri­schen Wan­del: Nach­dem Bosin­tang jahr­hun­der­te­lang als klas­si­sches Som­mer­ge­richt galt, ver­ab­schie­de­te das Par­la­ment 2024 ein Gesetz, das Zucht, Schlach­tung und Ver­kauf von Hun­de­fleisch ab 2027 voll­stän­dig unter­sagt.

Süd- und Süd­ost­asi­en: Regio­na­le Nischen

Auch in Süd- und Süd­ost­asi­en ist Hun­de­fleisch regio­nal noch anzu­tref­fen. In Indo­ne­si­en wird es über­wie­gend in nicht-mus­li­mi­schen Gebie­ten wie Nord-Sula­we­si oder Bali ver­zehrt; im übri­gen Land schließt der isla­mi­sche Mehr­heits­glau­be den Kon­sum aus. In Kam­bo­dscha und Laos fin­det er sich vor allem in länd­li­chen Regio­nen und auf loka­len Märk­ten. Im Nord­os­ten Indi­ens gehört Hun­de­fleisch bei eini­gen eth­ni­schen Min­der­hei­ten zur tra­di­tio­nel­len Küche, stößt jedoch zuneh­mend auf poli­ti­schen und juris­ti­schen Wider­stand. Auf den Phil­ip­pi­nen sind kom­mer­zi­el­ler Han­del und Schlach­tung durch das Tier­schutz­ge­setz streng ver­bo­ten – auch wenn ille­ga­le Prak­ti­ken ver­ein­zelt fort­be­stehen.

Afri­ka und Euro­pa: Son­der­fäl­le

Außer­halb Asi­ens ist der Brauch in Tei­len West- und Zen­tral­afri­kas ver­brei­tet, etwa bei bestimm­ten Volks­grup­pen in Nige­ria, Gha­na, Kame­run und der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go, wo Hun­de­fleisch als Deli­ka­tes­se oder Heil­mit­tel gilt.

Einen euro­päi­schen Son­der­fall stellt die Schweiz dar:

In ver­schie­de­nen länd­li­chen Regio­nen der Schweiz sowie in Zei­ten wirt­schaft­li­cher Not, wie im 19. Jahr­hun­dert oder wäh­rend der Welt­krie­ge, wur­den Hun­de und Kat­zen ver­ein­zelt als Fleisch­lie­fe­ran­ten genutzt. Vor allem in Tei­len der Ost­schweiz, etwa in den Kan­to­nen Appen­zell oder St. Gal­len, wur­de Hun­de­fleisch gele­gent­lich zu Tro­cken­fleisch (Most­bröck­li) oder Schin­ken ver­ar­bei­tet. Kat­zen hin­ge­gen wur­den his­to­risch in man­chen Gegen­den, bei­spiels­wei­se in den Kan­to­nen Bern, Luzern oder Jura, im Win­ter oder zu Fest­ta­gen zube­rei­tet, und wie in ande­ren Tei­len Mit­tel­eu­ro­pas bezeich­ne­te man Kat­zen­fleisch im Volks­mund mit­un­ter als „Dach­ha­se“.

Ver­kauf und gas­tro­no­mi­sches Ange­bot von Hun­de- oder Kat­zen­fleisch sind streng ver­bo­ten. Das Gesetz erlaubt, aber theo­re­tisch die Schlach­tung für den rei­nen Eigen­be­darf, sofern das Tier schmerz­frei getö­tet wird – in der Pra­xis han­delt es sich jedoch um eine abso­lu­te Aus­nah­me, die gesell­schaft­lich auf ent­schie­de­ne Ableh­nung stößt.

Auch in Deutsch­land und ande­ren euro­päi­schen Län­dern wur­den in Not- und Kriegs­zei­ten – etwa wäh­rend der Welt­krie­ge, in den Nach­kriegs­jah­ren oder in Wirt­schafts­kri­sen des 19. und 20. Jahr­hun­derts – regel­mä­ßig Pfer­de, Hun­de und Kat­zen geges­sen.

Der Begriff „Dachs­ha­se“ als scherzhafter/tarnender Aus­druck für Kat­zen­fleisch stammt genau aus die­sen mit­tel­eu­ro­päi­schen Hun­gers­nö­ten. In Deutsch­land gab es sogar bis 1986 eine amt­li­che gesetz­li­che Fleisch­be­schau für Hun­de­fleisch, bevor der Ver­zehr und die Schlach­tung von Hun­den und Kat­zen zum mensch­li­chen Ver­zehr gesetz­lich ver­bo­ten wur­den.

Der his­to­ri­sche Ver­gleich mit Deutsch­land zeigt, dass der Ver­zehr von Heim­tie­ren in Not­zei­ten ein welt­wei­tes, his­to­ri­sches Phä­no­men ist, wenn die regu­lä­re Lebens­mit­tel­ver­sor­gung zusam­men­bricht. Die pre­kär Lage in Nord­ko­rea rich­tet sich nicht gegen die Ess­kul­tur, son­dern beschreibt die rea­le, doku­men­tier­te Ver­knap­pung von Lebens­mit­teln im Land.


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