Die steigenden Kraftstoffpreise treffen Autofahrer mit jeder Tankfüllung spürbarer. Am Wochenende kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt knapp 2,40 Euro, Super E10 lag bei rund 2,27 Euro. Für 50 Liter wurden damit etwa 120 Euro beziehungsweise 113,50 Euro fällig. Neue Angriffe auf wichtige Öltransportwege im Nahen Osten verschärfen die Unsicherheit. Weitere Preissteigerungen sind möglich. Ob Diesel tatsächlich drei Euro je Liter erreicht, lässt sich daraus jedoch nicht verlässlich ableiten.
Im Mittelpunkt der jüngsten Eskalation steht die saudische Ost-West-Pipeline. Sie ermöglicht es, Rohöl vom Persischen Golf zum Roten Meer zu transportieren und damit die umkämpfte Straße von Hormus zu umgehen. Ihre Stilllegung nach Angriffen setzt nun auch diesen Ausweichweg unter Druck. Je länger eine solche Verbindung ausfällt, desto größer wird das Risiko, dass weniger Öl auf den Weltmarkt gelangt.
Die Märkte reagierten bereits: Nach einem Freitagsschluss von rund 105 Dollar je Barrel stieg der Preis der für Europa wichtigen Rohölsorte Brent am frühen Montag zeitweise über 108 Dollar. Dabei bewegen nicht nur tatsächliche Lieferausfälle die Preise. Schon die Sorge vor einer länger anhaltenden Unterbrechung kann den Einkauf verteuern.
An der Zapfsäule kommt diese Entwicklung allerdings nicht nach einer festen Formel an. Rohöl ist nur ein Bestandteil der Kosten. Ebenso wichtig sind die Preise, zu denen fertiger Diesel und Benzin gehandelt werden, die Auslastung der Raffinerien, Transportkosten und der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Hinzu kommen Steuern, weitere staatlich bedingte Kosten und die Margen entlang der Lieferkette.
Deshalb gibt es auch keine feste Ölpreisschwelle, oberhalb derer Diesel zwangsläufig drei Euro kostet. Selbst ein länger anhaltender Brent-Preis von mehr als 110 Dollar würde diesen Tankstellenpreis allein nicht erklären. Entscheidend wäre, ob sich gleichzeitig die Versorgung mit fertigem Kraftstoff weiter verknappt und zusätzliche Kosten entstehen.
Gerade bei Diesel kann sich die Lage anders entwickeln als bei Benzin. Raffinerien können ihre Produktion nicht beliebig schnell umstellen. Zugleich wird Diesel im Güterverkehr, in der Landwirtschaft und in vielen gewerblichen Anwendungen gebraucht. Wenn verfügbare Liefermengen fehlen oder Transportwege ausfallen, kann sich das Produkt stärker verteuern als das Rohöl, aus dem es hergestellt wird.
Drei Euro je Liter bleiben damit ein mögliches Zuspitzungsszenario. Eine belastbare Vorhersage mit einem konkreten Zeitpunkt ist diese Marke nicht. Dasselbe gilt für einen Benzinpreis von 2,50 Euro. Für Haushalte wäre ein solcher Anstieg dennoch erheblich: Eine 50-Liter-Füllung Diesel würde 150 Euro kosten, also 30 Euro mehr als bei einem Literpreis von 2,40 Euro. Bei Benzin wären es 125 Euro.
Wie hoch die Belastung bereits ist, zeigt der Vergleich mit dem Frühjahr. Am 7. April erreichte Diesel einen bundesweiten Tagesdurchschnitt von 2,446 Euro. Die jüngsten Wochenendpreise lagen wieder nahe an diesem Niveau. Einzelne Tankstellen können solche Durchschnittswerte deutlich überschreiten. Ein besonders hoher Preis an einer Zapfsäule ist deshalb noch kein neuer bundesweiter Tagesrekord.
Mit der Belastung wächst der politische Druck. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke fordert einen staatlichen Spritpreisdeckel. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt eine solche Begrenzung bisher ab. Als weitere Möglichkeit werden Steuersenkungen diskutiert. Sie könnten die Tankrechnung dämpfen; wie groß die tatsächliche Entlastung ausfiele, hinge auch von der weiteren Marktentwicklung und der Weitergabe an die Kundschaft ab.
Für Autofahrer bleibt unterdessen der Vergleich von Tankstellen und Tageszeiten ein unmittelbar nutzbarer Hebel. Seit April dürfen Kraftstoffpreise in Deutschland nur noch einmal täglich um 12 Uhr steigen, während Senkungen jederzeit möglich sind. Dadurch liegt der günstigste Tankzeitpunkt häufig kurz vor Mittag.
Eine Auswertung für Mai ergab bei Diesel im durchschnittlichen Tagesverlauf einen Abstand von 18,4 Cent zwischen dem teuersten und dem günstigsten Zeitpunkt. Bei 50 Litern entspricht das 9,20 Euro. Dieser Betrag ist keine garantierte Ersparnis für jede Tankstelle und jeden Tag, zeigt aber, wie stark der Zeitpunkt die Rechnung beeinflussen kann.
Für die kommenden Wochen wird vor allem entscheidend sein, ob beschädigte Transportwege rasch wieder verfügbar werden und weitere Angriffe ausbleiben. Eine Entspannung könnte den Preisdruck verringern; längere Ausfälle könnten ihn verstärken. Wer heute tankt, zahlt bereits viel. Wie viel morgen hinzukommt, bleibt offen.