Abschie­bung syri­scher Chris­ten: Kri­te­ri­en & Min­der­hei­ten­schutz

Abschie­be­kri­te­ri­en, der Schutz reli­giö­ser Min­der­hei­ten, Chris­ten­ver­fol­gung und Abschie­bung syri­scher Chris­ten

Wor­um es ins­ge­samt geht

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet eine Klei­ne Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on zu Abschie­be­kri­te­ri­en, Iden­ti­täts­fest­stel­lung, Schutz reli­giö­ser Min­der­hei­ten, ins­be­son­de­re christ­li­cher Syrer, sowie zur Sicher­heits­la­ge in Syri­en. Ein Groß­teil der Fra­gen zielt auf detail­lier­te Sta­tis­ti­ken und tech­ni­sche Daten­ban­ken ab – die Bun­des­re­gie­rung ver­weist häu­fig dar­auf, dass kei­ne Erkennt­nis­se vor­lie­gen, Daten nicht erho­ben wer­den, oder die Fra­gen nicht Bestand­teil des par­la­men­ta­ri­schen Fra­ge­rechts sind.

Kern­punk­te nach The­men­be­rei­chen

1. Iden­ti­täts­fest­stel­lung & Daten­ban­ken

  • Vie­le der abge­frag­ten Daten (z. B. wie vie­le Per­so­nen ille­gal ein­ge­reist sind, wel­che Daten in EU-Daten­ban­ken exis­tie­ren, Dop­pel­iden­ti­tä­ten, bio­me­tri­sche Daten, Geburts­or­te, Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit) wer­den nicht erho­ben oder sind nicht aus­wert­bar.
  • Das Aus­län­der­zen­tral­re­gis­ter (AZR) ent­hält nur begrenz­te Infor­ma­tio­nen und erlaubt kei­ne Rück­schlüs­se auf ille­ga­le Ein­rei­sen oder Daten in ande­ren Staa­ten.
  • Zugriff auf Daten­ban­ken (SIS, AZR etc.) ist gesetz­lich gere­gelt, z. B. im BKAG und AZRG.

2. Asyl­ver­fah­ren & Täu­schung

  • Maß­geb­lich sind seit 2026 die EU-Ver­ord­nun­gen Sta­tus­VO (2024/1347) und AsylVf­VO (2024/1348).
  • Bei Täu­schung oder Miss­brauch grei­fen Arti­kel 42 AsylVf­VO bzw. § 73b AsylG (Aberken­nung des Schutz­sta­tus).
  • Die Bun­des­re­gie­rung erhebt kei­ne Daten zu psy­chi­schen Erkran­kun­gen im Rah­men der Iden­ti­täts­fest­stel­lung.

3. Sta­tis­ti­sche Fra­gen zu Syrern

Für fast alle Fra­gen zu:

  • Reli­gi­on
  • psy­chi­schen Erkran­kun­gen
  • Gewalt­ta­ten
  • Fahn­dun­gen
  • Haft­stra­fen
  • Rück­kehr nach Syri­en
  • Abschie­bun­gen
  • Wohn­or­ten … ver­weist die Bun­des­re­gie­rung auf kei­ne Erkennt­nis­se oder kei­ne Daten­er­he­bung.

4. Abschie­bung nach Syri­en

  • Eine Abschie­bung ist nur mög­lich, wenn:
    • die Aus­rei­se­pflicht voll­zieh­bar ist (§ 58 Auf­enthG),
    • kei­ne Abschie­bungs­ver­bo­te bestehen (§ 60 Auf­enthG),
    • kei­ne Hin­der­nis­se wie Gesund­heit, Kin­des­wohl, fami­liä­re Bin­dun­gen ent­ge­gen­ste­hen.
  • Die genann­ten Fak­to­ren (Reli­gi­on, eth­ni­sche Zuge­hö­rig­keit, Gefähr­dung, Her­kunfts­re­gi­on, poli­ti­sche Betä­ti­gung, psy­chi­sche Belas­tung, Inte­gra­ti­on, Sicher­heits­la­ge) wer­den im Ein­zel­fall geprüft.
  • Eine „voll­streck­ba­re Aus­rei­se­pflicht“ exis­tiert recht­lich nicht.

5. Lage christ­li­cher Min­der­hei­ten in Syri­en

  • Syri­en ist reli­gi­ös viel­fäl­tig; Chris­ten kön­nen grund­sätz­lich Got­tes­diens­te fei­ern.
  • Die neue Ver­fas­sung (2025) garan­tiert Reli­gi­ons­frei­heit.
  • Weih­nach­ten und Ostern sind offi­zi­el­le Fei­er­ta­ge.
  • Die Regie­rung betont den Schutz reli­giö­ser Min­der­hei­ten.
  • Kei­ne offi­zi­el­len Bevöl­ke­rungs­sta­tis­ti­ken; Schät­zun­gen: Rück­gang der Chris­ten von ca. 2 Mio. (2011) auf ca. 300.000.
  • Bedro­hun­gen gehen vor allem von nicht­staat­li­chen bewaff­ne­ten Grup­pen wie dem IS aus.
  • Die Bun­des­re­gie­rung sieht kei­ne sys­te­ma­ti­sche Grup­pen­ver­fol­gung christ­li­cher Syrer.

6. Rück­kehr­ge­fähr­dung

  • Die Bun­des­re­gie­rung sieht kei­ne all­ge­mei­ne Rück­kehr­ge­fähr­dung für syri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge – unab­hän­gig von Reli­gi­on.
  • Kei­ne Erkennt­nis­se über Repres­sio­nen gegen Rück­keh­rer wegen Aus­lands­auf­ent­halt oder Asyl­an­trag.

7. För­der­pro­gram­me & Pro­jek­te

  • Huma­ni­tä­re Hil­fe erfolgt reli­gi­ons­un­ab­hän­gig nach dem „Do no harm“-Prinzip.
  • För­der­pro­gram­me wer­den streng geprüft; Com­pli­ance-Richt­li­ni­en gel­ten.
  • Ein Pro­jekt wur­de wegen Mit­tel­fehl­ver­wen­dung been­det; ein wei­te­res ist aus­ge­setzt.
  • Vie­le detail­lier­te Auf­schlüs­se­lun­gen sind laut Bun­des­re­gie­rung unzu­mut­bar oder nur über exter­ne Quel­len (z. B. OCHA FTS) abruf­bar.

8. Kri­te­ri­en für reli­giö­se oder eth­ni­sche Ver­fol­gung

  • Maß­geb­lich sind die EU-Vor­ga­ben der Sta­tus­VO:
    • Ver­fol­gungs­hand­lung (Art. 9)
    • Ver­fol­gungs­grund (Art. 10)
    • Zusam­men­hang zwi­schen bei­den (Art. 9 Abs. 3)
  • Kei­ne geson­der­ten Prü­fungs­maß­stä­be für christ­li­che vs. mus­li­mi­sche Syrer.

9. Wei­te­re Ant­wor­ten

  • Vie­le Fra­gen wer­den mit Ver­weis auf frü­he­re Druck­sa­chen beant­wor­tet.
  • Die Bun­des­re­gie­rung lehnt es ab, frei ver­füg­ba­re Infor­ma­tio­nen zusam­men­zu­stel­len (z. B. Rechts­samm­lun­gen, Stu­di­en).

Kurz­fa­zit

Die Bun­des­re­gie­rung:

  • ver­fügt über weni­ge spe­zi­fi­sche Daten zu ille­ga­ler Ein­rei­se, Iden­ti­täts­neu­an­la­gen oder Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit.
  • sieht kei­ne sys­te­ma­ti­sche Ver­fol­gung christ­li­cher Min­der­hei­ten in Syri­en.
  • prüft Abschie­bun­gen aus­schließ­lich im Ein­zel­fall nach gel­ten­dem Auf­ent­halts- und Asyl­recht.
  • betreibt huma­ni­tä­re Hil­fe reli­gi­ons­neu­tral und unter stren­gen Kon­troll­me­cha­nis­men.
  • hat kei­ne Erkennt­nis­se über sys­te­ma­ti­sche Repres­sio­nen gegen Rück­keh­rer.

Quel­le: Druck­sa­che 21/8007

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