Asyl­pra­xis gegen­über syri­schen Geflüch­te­ten

Die Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on Die Lin­ke befasst sich mit der Asyl­pra­xis gegen­über syri­schen Geflüch­te­ten, ins­be­son­de­re nach dem Regime­wech­sel in Syri­en Ende 2024 und mög­li­chen Fol­gen für Schutz­sta­tus, Rück­kehr, Wider­rufs­ver­fah­ren und Inte­gra­ti­on.

Die Bun­des­re­gie­rung beant­wor­tet die­se Fra­gen mit umfang­rei­chen Daten aus BAMF und AZR.

Lage­ein­schät­zung & poli­ti­sche Aus­gangs­la­ge

  • Nach dem Sturz des Assad-Regimes bleibt die Lage in Syri­en insta­bil, mit fort­ge­setz­ten Ver­fol­gun­gen und Gewalt.
  • Das BAMF hat daher nur weni­ge Wider­rufs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet; 97 % ende­ten ohne Wider­ruf.
  • Öffent­li­che Aus­sa­gen über mög­li­che Rück­kehr („80 % sol­len zurück­keh­ren“) haben zu Ver­un­si­che­rung geführt.
  • Die Fra­ge­stel­ler beto­nen:
    • Flücht­lings­schutz ist nicht auto­ma­tisch zeit­lich begrenzt.
    • Die GFK ver­pflich­tet zur Inte­gra­ti­on und Ein­bür­ge­rung.
    • Wider­ruf ist nur zuläs­sig bei dau­er­haf­ter Sta­bi­li­sie­rung des Her­kunfts­lan­des.
    • Trau­ma­ta und frü­he­re Ver­fol­gung kön­nen Rück­kehr unzu­läs­sig machen.
  • Debat­te über Erkun­dungs­rei­sen:
    • Geset­zes­la­ge wur­de ver­schärft (Schutz­ver­lust bei Rei­sen).
    • Innen­mi­nis­te­ri­um woll­te prag­ma­ti­sche Lösung, kam aber nicht dazu.
    • Seit 2025 lehnt Minis­ter Dob­rindt Erkun­dungs­rei­sen ab.

Zusam­men­set­zung der syri­schen Asyl­su­chen­den (2013–2026)

Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit (frei­wil­li­ge Anga­ben)

  • Islam: durch­ge­hend größ­te Grup­pe (80–95 % je nach Jahr).
  • Chris­ten: meist 1–5 %.
  • Yezi­den: 0,4–5 %.
  • Unbe­kannt: 2–12 %.

Volks­zu­ge­hö­rig­keit

  • Ara­ber: 50–72 %.
  • Kur­den: 23–40 %.
  • Klei­ne­re Grup­pen: Ara­mä­er, Assy­rer, Paläs­ti­nen­ser, Turk­me­nen.

Anga­ben­quo­te

  • Über 90 % machen frei­wil­li­ge Anga­ben zu Religion/Volkszugehörigkeit.

Ent­schei­dungs­pra­xis des BAMF (2014–2026)

Die Tabel­len zei­gen:

2014–2017

  • Hohe Aner­ken­nungs­quo­ten als Flücht­lings­schutz (30–70 %).
  • Sub­si­diä­rer Schutz eben­falls häu­fig (10–40 %).
  • Ableh­nun­gen meist unter 10 %.

2018–2023

  • Deut­li­cher Trend:
    • Sub­si­diä­rer Schutz wird zur domi­nan­ten Schutz­form (40–75 %).
    • Flücht­lings­schutz sinkt auf unter 20 %.
    • Ableh­nun­gen stei­gen leicht, blei­ben aber mode­rat.

2024–2026

  • 2025: dras­ti­scher Rück­gang der Schutz­ge­wäh­rung (nur ca. 2 % Schutz­sta­tus).
  • 2026: sehr hohe Ableh­nungs­quo­te (≈ 69 %).
  • Durch­schnitt­li­che Ver­fah­rens­dau­er 2026: 20,8 Mona­te.

Anzahl syri­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger in Deutsch­land

Ende 2012

  • 40.444 Per­so­nen.
  • Davon 4.419 mit Flücht­lings­sta­tus.

Mai 2026

  • 919.397 Per­so­nen.
  • Davon:
    • 264.605 Flücht­lings­schutz
    • 314.115 sub­si­diä­rer Schutz
    • Ins­ge­samt 582.969 mit Schutz­sta­tus.

Alters­struk­tur & Geschlecht (2026)

  • Unter 18 Jah­ren: 288.756
  • 18–39 Jah­re: größ­te Grup­pe (431.632)
  • Män­ner: 540.705
  • Frau­en: 377.889

Ver­tei­lung auf Bun­des­län­der

Größ­te Grup­pen leben in:

  • NRW (276.879)
  • Nie­der­sach­sen (96.377)
  • Baden-Würt­tem­berg (91.676)
  • Bay­ern (87.095)

Ein­bür­ge­run­gen

  • Ver­weis auf Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (Daten 2013–2025).
  • 2026-Daten noch nicht ver­öf­fent­licht.

Wider­rufs­ver­fah­ren (2014–2026)

  • Zahl der Prüf­ver­fah­ren stark schwan­kend (von 1.000 bis über 130.000 pro Jahr).
  • Wider­ru­fe extrem sel­ten (meist unter 3 %).
  • 2026 (Jan–Jun):
    • 8.320 Ent­schei­dun­gen
    • 76,8 % ohne Wider­ruf
    • Anstieg der Wider­ru­fe bei sub­si­diä­rem Schutz (≈ 11 %).

Per­so­nen mit wider­ru­fe­nem Schutz­sta­tus (2026)

  • 825 Per­so­nen leben wei­ter­hin in Deutsch­land.
  • Auf­ent­halts­sta­tus über­wie­gend:
    • Dul­dung (247)
    • Antrag auf Auf­ent­halts­ti­tel (248)
    • Kein Auf­ent­halts­recht (78)

Aus­rei­sen & Abschie­bun­gen

  • Rück­füh­run­gen nach Syri­en seit 2015: 4 Per­so­nen.
  • Abschie­bun­gen ins­ge­samt: 8.361 (2015–2026).
  • Star­ker Anstieg ab 2023 (über 1.200 jähr­lich).

Kern­bot­schaft der Bun­des­re­gie­rung

  • Schutz gilt nur solan­ge Schutz­grün­de bestehen.
  • Dau­er­haf­ter Auf­ent­halt soll über regu­lä­re Auf­ent­halts­ti­tel erfol­gen.
  • Wider­ruf erfolgt nur bei kla­rer Lage­än­de­rung im Her­kunfts­land.
  • Inte­gra­ti­on und Erwerbs­tä­tig­keit schaf­fen Blei­be­per­spek­ti­ven.

Quel­le: Bun­des­tags­druck­sa­che 21/7499

Wie hilf­reich war die­ser Bei­trag?

Kli­cke auf die Ster­ne um zu bewer­ten!

Durch­schnitt­li­che Bewer­tung 0 / 5. Anzahl Bewer­tun­gen: 0

Bis­her kei­ne Bewer­tun­gen! Sei der Ers­te, der die­sen Bei­trag bewer­tet.

Es tut uns leid, dass der Bei­trag für dich nicht hilf­reich war!

Las­se uns die­sen Bei­trag ver­bes­sern!

Wie kön­nen wir die­sen Bei­trag ver­bes­sern?

Disclaimer: Dieser Beitrag dient lediglich zu allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Bitte konsultieren Sie vor jeder Anlageentscheidung einen unabhängigen Finanzberater