Auf­wän­de für das Aus­land

Auf­wän­de für das Aus­land, aus­län­di­sche und supra­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen sowie für Aus­län­der seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land

Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf eine Gro­ße Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on bezüg­lich der finan­zi­el­len Auf­wen­dun­gen Deutsch­lands für das Aus­land, inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen und Aus­län­der seit der Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik.

1. Vor­be­mer­kun­gen und Grund­satz­po­si­ti­on der Bun­des­re­gie­rung

Posi­ti­on der Fra­ge­stel­ler (AfD):
Die Antrag­stel­ler füh­ren an, dass Deutsch­land seit sei­ner Grün­dung immense finan­zi­el­le Leis­tun­gen an ande­re Staa­ten, Orga­ni­sa­tio­nen und nicht-deut­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge erbracht hat. Sie nen­nen bei­spiel­haft Ent­wick­lungs­hil­fe (ODA), Kos­ten für die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen, Rück­über­wei­sun­gen von Migran­ten, Zins­aus­ga­ben des Bun­des­haus­halts, TAR­GE­T2-Sal­den und Schul­den­las­se. Ange­sichts der hohen Staats­ver­schul­dung und wirt­schaft­li­chen Kri­se for­dern sie eine trans­pa­ren­te, umfas­sen­de Über­sicht aller Zah­lungs­ab­flüs­se ins Aus­land, infla­ti­ons­be­rei­nigt auf den heu­ti­gen Wert hoch­ge­rech­net, um die Ursa­chen der aktu­el­len Situa­ti­on zu ana­ly­sie­ren.

Posi­ti­on der Bun­des­re­gie­rung:

  • Wider­spruch zur Bewer­tung: Die Regie­rung stimmt den wer­ten­den Aus­sa­gen der Antrag­stel­ler nicht zu. Sie betont, dass der Wie­der­auf­bau nach dem Zwei­ten Welt­krieg untrenn­bar mit der inter­na­tio­na­len Inte­gra­ti­on ver­bun­den war. Aus­ga­ben für Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit oder Bei­trä­ge an inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen sei­en kei­ne ein­sei­ti­gen Kos­ten, son­dern Inves­ti­tio­nen in sta­bi­le Rah­men­be­din­gun­gen, von denen Deutsch­land als Export­na­ti­on pro­fi­tiert.
  • Ein­schrän­kung des Ant­wort­um­fangs: Die Ant­wor­ten bezie­hen sich aus­schließ­lich auf den Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bun­des­ver­wal­tung und den Bun­des­haus­halt. Daten der Län­der, Kom­mu­nen oder Sozi­al­ver­si­che­run­gen wer­den nicht erho­ben, da dies in deren Zustän­dig­keit liegt.
  • Kei­ne Infla­ti­ons­be­rei­ni­gung: Die Bun­des­re­gie­rung führt kei­ne infla­ti­ons­be­rei­nig­ten Umrech­nun­gen durch. Sie stellt nur vor­han­de­ne Ist-Wer­te bereit. Wis­sen­schaft­li­che Daten­auf­be­rei­tung oder Schät­zun­gen erfol­gen nicht.
  • Zumut­bar­keit: Eine lücken­lo­se Erfas­sung aller Daten seit 1949 wird abge­lehnt, da dies eine manu­el­le Durch­sicht zehn­tau­sen­der Papier­ak­ten im Bun­des­ar­chiv erfor­dern wür­de, was die Arbeits­fä­hig­keit der Ver­wal­tung gefähr­den wür­de („Unzu­mut­bar­keit“).

2. Detail­lier­te Ant­wor­ten zu ein­zel­nen The­men­kom­ple­xen

A. Euro­päi­sche Uni­on und Euro-Ret­tungs­schir­me

  • EU-Bei­trä­ge (Fra­ge 3): Net­to­bei­trä­ge wer­den von der EU-Kom­mis­si­on nicht ver­öf­fent­licht. Für die Zeit vor 1970 (EWG) finan­zier­te sich die Gemein­schaft über fes­te Bei­trags­sät­ze (Deutsch­land: 28 % am Gesamt­bud­get). Die Mon­tan­uni­on finan­zier­te sich über Steu­ern auf Kohle/Stahl, nicht über Mit­glieds­bei­trä­ge.
  • Euro-Ret­tungs­schir­me (Fra­ge 4 & 5):
    • Grie­chen­land (GLF): Deutsch­land gewähr­te bila­te­ra­le Kre­di­te von ca. 15,2 Mrd. Euro; aktu­ell noch ca. 5,6 Mrd. Euro aus­ste­hend.
    • ESM/EFSF: Deutsch­land leis­te­te kei­ne direk­ten Zah­lun­gen an Pro­gramm­län­der, ist aber mit ein­ge­zahl­tem Kapi­tal betei­ligt (ESM: ca. 21,7 Mrd. Euro).
    • Haf­tungs­ri­si­ken: Die Gewähr­leis­tungs­er­mäch­ti­gung für die EFSF beträgt maxi­mal 211,0 Mrd. Euro (Aus­las­tung Ende 2025: ca. 86,3 Mrd. Euro). Das maxi­ma­le Haf­tungs­ri­si­ko im ESM ist auf ca. 189,5 Mrd. Euro begrenzt.
  • Coro­na-Wie­der­auf­bau­fonds (Next­Ge­ne­ra­tio­nEU — NGEU) (Fra­ge 6–9):
    • Das Volu­men der auf­ge­nom­me­nen Mit­tel kann nicht iso­liert betrach­tet wer­den (max. 750 Mrd. Euro Anlei­hen).
    • Die Til­gung der Zuschuss-Kom­po­nen­te erfolgt über den EU-Haus­halt (Deutsch­lands Anteil ca. 23 %). Die Kre­dit-Kom­po­nen­te wird von den Neh­mer­staa­ten getra­gen.
    • Eine genaue Pro­gno­se der zukünf­ti­gen Belas­tung ist auf­grund lau­fen­der Ver­hand­lun­gen zum Mehr­jäh­ri­gen Finanz­rah­men (MFR) 2028–2034 nicht mög­lich.
    • Durch­schnitt­li­che gewich­te­te Zins­last für NGEU-Zuschüs­se lag am 31.03.2026 bei 2,41 %, durch­schnitt­li­che Rest­lauf­zeit aller EU-Anlei­hen Ende 2025 bei 12 Jah­ren.

B. Inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen

  • UNO und Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen (Fra­ge 12 & 13): Daten sind ab 2013 öffent­lich beim UN CEB ein­seh­bar. Davor lie­gen sie in älte­ren Finanz­be­rich­ten vor. Beim IWF flie­ßen ver­schie­de­ne Strö­me zusam­men (Quo­ten, SZR etc.), eine ein­fa­che Zusam­men­fas­sung ist nicht mög­lich.
  • OSZE (Fra­ge 15): Seit Grün­dung 1995 erhielt die OSZE min­des­tens 616,07 Mio. Euro aus Deutsch­land.
  • Wei­te­re Organisationen/Stiftungen (Fra­ge 17 & 18): Eine voll­stän­di­ge Auf­lis­tung ist nicht zumut­bar, da Zuwen­dun­gen nicht zen­tral nach Orga­ni­sa­ti­on erfasst sind und hän­di­sche Akten­re­cher­che nötig wäre. Der Begriff „inter­na­tio­na­le Stif­tung“ ist zudem recht­lich nicht ein­deu­tig defi­niert.

C. Mili­tär und Sicher­heit

  • Kos­ten aus­län­di­scher Trup­pen in Deutsch­land (Fra­ge 20):
    • Grund­sätz­lich tra­gen Gast­streit­kräf­te ihre Kos­ten selbst (NATO-Trup­pen­sta­tut).
    • Deutsch­land trägt jedoch bestimm­te Fol­ge­kos­ten (z.B. Bau­ver­wal­tung, Grund­steu­ern, Schä­den).
    • Die Druck­sa­che ent­hält eine detail­lier­te Tabel­le der Ist-Aus­ga­ben von 1951 bis 2025 (bis 2001 in DM, ab 2002 in Euro). Die Wer­te schwan­ken stark (Höhe­punk­te in den 1980er Jah­ren, danach deut­li­cher Rück­gang).
    • Für Bau­maß­nah­men lie­gen detail­lier­te Daten erst ab 2014 vor.
  • Mili­tär­hil­fe (Fra­ge 22–25):
    • All­ge­mein (ohne Ukrai­ne): Im Zeit­raum 1998–2025 wur­den rund 2.763 Mio. Euro für Aus­bil­dung, Unter­stüt­zung ver­bün­de­ter Streit­kräf­te und Aus­stat­tungs­hil­fen aus­ge­ge­ben. Daten vor 1998 lie­gen nicht auto­ma­ti­siert vor.
    • Ukrai­ne:
      • 1991 bis Feb. 2022: Rund 9,7 Mio. Euro (im Rah­men der Ertüch­ti­gung von Part­ner­staa­ten).
      • Seit Kriegs­be­ginn (Feb. 2022): Ver­weis auf die quar­tals­wei­se aktua­li­sier­te Lis­te der Bun­des­re­gie­rung (Stand Juni 2026 ver­füg­bar). Sepa­ra­te Sum­men für mili­tä­ri­sche und nicht-mili­tä­ri­sche Hil­fe wer­den hier nicht expli­zit addiert, son­dern auf die exter­ne Lis­te ver­wie­sen.

D. Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit und Huma­ni­tä­re Hil­fe

  • OECD (Fra­ge 26): Deutsch­land zahlt kei­ne Ent­wick­lungs­hil­fe an die OECD.
  • GIZ/GTZ (Fra­ge 28): Tabel­le der Mit­tel­zu­flüs­se an die GIZ (und Vor­gän­ger GTZ) von 2002 bis 2025.
    • Bei­spiel­wer­te: 2002 ins­ge­samt ca. 794 Mio. Euro; 2023 ins­ge­samt ca. 3.192 Mio. Euro; 2025 ins­ge­samt ca. 3.000 Mio. Euro.
    • Daten vor 2002 sind nicht ohne unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand ermit­tel­bar.
  • Kli­ma­wan­del-Fol­gen (Fra­ge 30): Kei­ne sepa­ra­te Erfas­sung von Zah­lun­gen spe­zi­ell für „Fol­gen kli­ma­ti­scher Ver­än­de­run­gen“. Erfasst wer­den nur Anpas­sungs- und Min­de­rungs­maß­nah­men im Rah­men der UN-Kli­ma­be­richt­erstat­tung.
  • Huma­ni­tä­re Hil­fe (Fra­ge 32): Lis­te der finan­zi­el­len huma­ni­tä­ren Hil­fen im Aus­land von 2017 bis 2025.
    • 2025: 1.049,07 Mio. Euro
    • 2022 (Höhe­punkt): 3.138,84 Mio. Euro
    • Nicht-mone­tä­re Hil­fe (z.B. THW-Ein­sät­ze) wird nicht sepa­rat sta­tis­tisch erfasst (Fra­ge 34).

E. Migra­ti­on, Asyl und Inte­gra­ti­on

  • Bil­dungs­aus­län­der (Fra­ge 36–40):
    • Seit 2002 haben 796.375 Bil­dungs­aus­län­der ein Stu­di­um in Deutsch­land erfolg­reich abge­schlos­sen.
    • Kos­ten pro Stu­di­en­platz oder Sti­pen­di­en­hö­hen kön­nen nicht pau­schal bezif­fert wer­den, da Hoch­schu­len Län­der­sa­che sind und Sti­pen­di­en von ver­schie­de­nen Trä­gern (DAAD, Hum­boldt-Stif­tung etc.) ver­ge­ben wer­den.
  • Flucht­ur­sa­chen­be­kämp­fung (Fra­ge 44–46):
    • Begriff war bis 2015 nicht ein­heit­lich defi­niert.
    • Seit 2017 berich­tet die Regie­rung jähr­lich.
    • Gesamt­aus­ga­ben 2025: Rund 6,4 Mrd. Euro.
  • Asyl­ver­fah­ren und Unter­brin­gung (Fra­ge 47, 49, 51, 55, 59, 61):
    • BAMF-Kos­ten: Tabel­le der Aus­ga­ben des BAMF (bzw. Vor­gän­ger) von 1952 bis 2025.
      • 1952: 0,03 Mio. DM
      • 1993 (Höhe­punkt Jugo­sla­wi­en­krieg): 516,04 Mio. DM
      • 2016 (Flücht­lings­kri­se): 660,79 Mio. Euro
      • 2025: 977,52 Mio. Euro
    • Sozi­al­leis­tun­gen: Ver­weis auf das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt für Daten zum Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (ab 1994). Vor­he­ri­ge Leis­tun­gen nach Bun­des­so­zi­al­hil­fe­ge­setz sind nicht spe­zi­fisch nach Asyl­su­chen­den auf­schlüs­sel­bar.
    • Inte­gra­ti­on/Kin­der- und Jugend­hil­fe: Kon­kre­te Kos­ten für Inte­gra­ti­ons­kur­se oder Betreu­ung unbe­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Aus­län­der sind man­gels sepa­ra­ter sta­tis­ti­scher Erfas­sung oder wegen Län­der­zu­stän­dig­keit nicht voll­stän­dig bezif­fer­bar.
  • Gerichts­ver­fah­ren und Straf­voll­zug (Fra­ge 77–85):
    • Ver­wal­tungs­ge­rich­te: Von 2008 bis April 2026 ca. 1,43 Mil­lio­nen Ent­schei­dun­gen in Asyl­an­ge­le­gen­hei­ten.
    • Straf­recht: Es wer­den kei­ne Sta­tis­ti­ken geführt, die Asyl­be­wer­ber als Täter­grup­pe aus­wei­sen. Daher kei­ne Anga­ben zu Anzahl der Ver­fah­ren, Ver­ur­tei­lun­gen oder Kos­ten mög­lich.
    • Abschie­bun­gen: Kei­ne zen­tra­le Kos­ten­auf­stel­lung vor­han­den, da vie­le Behör­den betei­ligt sind.
    • Straf­voll­zug: Län­der­sa­che, kei­ne Bun­des­da­ten.

F. Sons­ti­ges

  • TAR­GE­T2-Sal­den (Fra­ge 1 & 2): Die Sal­den sind öffent­lich ein­seh­bar. Der Bun­des­bank ent­ste­hen kei­ne ent­gan­ge­nen Net­to­zins­er­trä­ge, da die Sal­den Teil des geld­po­li­ti­schen Geschäfts sind.
  • Schul­den­er­lass (Fra­ge 42): Ver­weis auf die Inter­net­sei­te des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums. Erlas­se wur­den von der Bun­des­re­gie­rung ver­ein­bart.
  • Rück­über­wei­sun­gen (Fra­ge 73): Ver­weis auf frü­he­re Ant­wor­ten; spe­zi­fi­sche Daten zu Rück­über­wei­sun­gen von Leis­tungs­be­zie­hern ins Hei­mat­land wer­den nicht neu erho­ben.
  • Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rung (Fra­ge 65–72): Eine Dif­fe­ren­zie­rung der Ausgaben/Einnahmen nach Staats­an­ge­hö­rig­keit oder Migra­ti­ons­hin­ter­grund ist in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Kran­ken­ver­si­che­rung sta­tis­tisch nicht vor­ge­se­hen bzw. nicht mög­lich. Daher kei­ne Berech­nung von “Net­to-Kos­ten” oder Dif­fe­renz­be­trä­gen mög­lich.

3. Fazit der Zusam­men­fas­sung

Die Bun­des­re­gie­rung lie­fert in die­ser Druck­sa­che zahl­rei­che kon­kre­te his­to­ri­sche Daten­rei­hen (ins­be­son­de­re zu BAMF-Kos­ten, Ver­tei­di­gungs­las­ten, GIZ-Zuwen­dun­gen und huma­ni­tä­rer Hil­fe), ver­wei­gert jedoch kon­se­quent die von der AfD gefor­der­te agg­re­gier­te Gesamt­sum­me aller Aus­lands­zah­lun­gen sowie die infla­ti­ons­be­rei­nig­te Hoch­rech­nung.

Als Begrün­dung die­nen:

  1. Die föde­ra­le Struk­tur (kei­ne Kom­pe­tenz für Länder/Kommunen).
  2. Feh­len­de sta­tis­ti­sche Erfas­sungs­mög­lich­kei­ten (kei­ne Tren­nung nach Staats­an­ge­hö­rig­keit in Sozi­al­sys­te­men).
  3. Der unver­hält­nis­mä­ßi­ge admi­nis­tra­ti­ve Auf­wand für die Recher­che his­to­ri­scher Papier­ak­ten vor Ein­füh­rung digi­ta­ler Sys­te­me.
  4. Die poli­ti­sche Auf­fas­sung, dass inter­na­tio­na­le Zah­lun­gen kei­ne ein­sei­ti­gen Ver­lus­te, son­dern stra­te­gi­sche Inves­ti­tio­nen sind.

Die Ant­wort bleibt damit frag­men­ta­risch und lie­fert Ein­zel­bau­stei­ne, aber kein geschlos­se­nes Gesamt­bild der seit 1949 getä­tig­ten Aus­lands­zah­lun­gen in heu­ti­ger Kauf­kraft.


Quel­le: Druck­sa­che 21/8327

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