Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum rechtsextremen Kampfsport-Netzwerk „Active Clubs“.
Wichtigste Aussagen:
- Der Bundesregierung sind derzeit rund 20 regionale „Active Clubs“ in Deutschland bekannt. Seit 2024 ist die Zahl deutlich gestiegen, insbesondere im Laufe des Jahres 2026.
- Die Gruppen treten vor allem auf Telegram und teilweise auf Instagram auf. Als zentrale Plattform fungiert der Kanal „Active Club Germania“, der Inhalte deutscher und ausländischer Gruppen verbreitet.
- Die Sicherheitsbehörden beschäftigen sich seit 2023 mit dem Phänomen. Der Austausch erfolgt unter anderem über das Gemeinsame Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ‑R) sowie mit den Landesbehörden.
- Die Bundesregierung sieht weiterhin ein Gewalt- und Bedrohungspotenzial. Besonders die Kampfsporttrainings, die Rekrutierung junger Männer und die Darstellung von Wehrhaftigkeit werden als problematisch bewertet. Direkte gewaltsame Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern seien bisher jedoch nicht feststellbar.
- Es bestehen Verbindungen zu rechtsextremistischen Strukturen. Doppelmitgliedschaften werden von den „Active Clubs“ ausdrücklich befürwortet. Bekannt sind Bezüge insbesondere zur Partei „Die Heimat“ und deren Jugendorganisation.
- Die Bundesregierung verfügt derzeit über keine Erkenntnisse zu Gefährdern, relevanten Personen oder offenen Haftbefehlen im Zusammenhang mit „Active Clubs“. Die Gruppen würden konspirativ agieren, was die Identifizierung erschwere.
- Die Rekrutierung erfolgt stark über soziale Medien. Die Gruppen präsentieren sich häufig zunächst als unpolitische Sportgemeinschaften und sprechen besonders männliche Jugendliche und junge Erwachsene an. Rechtsextreme Inhalte werden teils offen, teils unterschwellig vermittelt.
- Zu internationalen Verbindungen liegen derzeit keine konkreten Erkenntnisse vor. Die Bundesregierung bestätigt jedoch, dass das Konzept seinen Ursprung in den USA hat.
- Viele Detailfragen, etwa zur regionalen Verteilung, Mitgliederzahl oder Altersstruktur, beantwortet die Bundesregierung nicht mit Verweis auf den Schutz der Arbeit des Verfassungsschutzes und das Staatswohl.
Kurzfazit: Die Bundesregierung betrachtet die „Active Clubs“ als wachsendes rechtsextremes Netzwerk mit Rekrutierungs- und Radikalisierungspotenzial, beobachtet die Entwicklung intensiv, verfügt aber nach eigenen Angaben bislang nur über begrenzte personenbezogene Erkenntnisse.
Quelle: [Drucksache 21/8714]