Abbvie Inc.
Sector: Healthcare Drug Manufacturers — General

Geschäftsmodell
AbbVie verdient sein Geld hauptsächlich mit patentgeschützten Medikamenten, insbesondere gegen Autoimmunerkrankungen. Daneben hat das Unternehmen größere Geschäfte in Neurologie, Krebsmedizin und ästhetischer Medizin. 2025 erzielte AbbVie weltweit 61,2 Mrd. USD Umsatz.
| Bereich | Umsatz 2025 | Anteil | Wichtige Produkte |
|---|---|---|---|
| Immunologie | 30,4 Mrd. $ | 49,7 % | Skyrizi, Rinvoq, Humira |
| Neurologie | 10,8 Mrd. $ | 17,6 % | Botox Therapeutic, Vraylar, Ubrelvy, Qulipta |
| Onkologie | 6,7 Mrd. $ | 10,9 % | Venclexta, Imbruvica, Elahere, Epkinly |
| Ästhetik | 4,9 Mrd. $ | 7,9 % | Botox Cosmetic, Juvederm |
| Augenheilkunde | 2,1 Mrd. $ | 3,4 % | Ozurdex, Lumigan/Ganfort u. a. |
| Sonstige Medikamente | ca. 6,3 Mrd. $ | ca. 10 % | Creon, Mavyret, Linzess u. a. |
Die mit Abstand wichtigste Sparte ist damit die Immunologie.
Die eigentlichen Geldmaschinen: Skyrizi und Rinvoq
Skyrizi ist inzwischen AbbVies wichtigstes Medikament. Es wird unter anderem bei Schuppenflechte, Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eingesetzt. 2025 brachte Skyrizi bereits 17,56 Mrd. USD Umsatz ein – rund 29 % des gesamten Konzernumsatzes.
Rinvoq ist ebenfalls ein Medikament gegen verschiedene entzündliche Autoimmunerkrankungen. Der Umsatz lag 2025 bei 8,30 Mrd. USD. Zusammen machten Skyrizi und Rinvoq damit bereits rund 42 % des gesamten AbbVie-Umsatzes aus.
Die Entwicklung setzt sich 2026 fort: Allein im ersten Halbjahr 2026 erzielten Skyrizi 9,99 Mrd. USD und Rinvoq 4,64 Mrd. USD. Zusammen waren das rund 46 % des gesamten AbbVie-Umsatzes im ersten Halbjahr.
Humira verliert stark an Bedeutung
Historisch war AbbVie fast gleichbedeutend mit Humira. Das Medikament gegen Autoimmunerkrankungen war jahrelang eines der umsatzstärksten Arzneimittel der Welt.
Durch den Patentablauf und Konkurrenz durch Biosimilars schrumpft dieses Geschäft jedoch rapide:
- 2023: 14,4 Mrd. $
- 2024: 9,0 Mrd. $
- 2025: 4,54 Mrd. $
- Halbjahr 2026: 1,44 Mrd. $
AbbVie ersetzt den wegbrechenden Humira-Umsatz also hauptsächlich durch Skyrizi und Rinvoq.
Neurologie ist die zweite Wachstumssäule
Hier verdient AbbVie unter anderem mit Botox Therapeutic Geld. Das ist nicht das kosmetische Botox, sondern Botox zur medizinischen Behandlung, beispielsweise bestimmter Formen chronischer Migräne oder neurologischer Erkrankungen. 2025 lag der Umsatz bei 3,77 Mrd. USD.
Dazu kommen unter anderem Vraylar mit 3,62 Mrd. USD sowie die Migränepräparate Ubrelvy und Qulipta. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der gesamte Neurologie-Umsatz um rund 20 % auf 3,23 Mrd. USD.
Krebsmedikamente
In der Onkologie stammen die Umsätze hauptsächlich aus:
Venclexta mit rund 2,79 Mrd. USD Umsatz 2025, Imbruvica mit 2,87 Mrd. USD, Elahere mit 690 Mio. USD sowie Epkinly mit 271 Mio. USD.
Imbruvica befindet sich allerdings bereits im Rückgang, während neuere Medikamente wie Elahere wachsen.
Botox und Schönheitsmedizin
Durch die Übernahme von Allergan im Jahr 2020 besitzt AbbVie außerdem ein bedeutendes Ästhetikgeschäft.
2025 kamen 2,60 Mrd. USD aus Botox Cosmetic, knapp 1,0 Mrd. USD aus den Juvederm-Fillern sowie rund 1,27 Mrd. USD aus weiteren ästhetischen Produkten wie CoolSculpting, Natrelle oder SkinMedica.
Wichtig ist deshalb die Unterscheidung:
Botox Therapeutic → medizinische Anwendungen → Neurologie
Botox Cosmetic → Faltenbehandlung etc. → Ästhetik
Wie funktioniert das Geschäftsmodell?
AbbVie entwickelt oder kauft Medikamente, lässt sie klinisch testen, erhält Zulassungen und versucht anschließend, über Patente und regulatorische Exklusivität über viele Jahre hohe Umsätze mit diesen Wirkstoffen zu erzielen. Der Konzern investiert deshalb sehr viel in Forschung, klinische Studien sowie den Kauf anderer Biotechunternehmen und Wirkstoffrechte.
In den USA verkauft AbbVie einen großen Teil seiner Arzneimittel über wenige große Pharmagroßhändler; international erfolgt der Vertrieb je nach Land über Distributoren und Gesundheitsdienstleister. Rund 46,6 Mrd. USD der 61,2 Mrd. USD Umsatz 2025 kamen aus den USA, also etwa 76 %.
Für ABBV als Unternehmen ist daher derzeit die zentrale wirtschaftliche Story: Humira schrumpft massiv, aber Skyrizi + Rinvoq wachsen schneller, als Humira wegbricht. Gleichzeitig sorgen Neurologie, Onkologie und Botox dafür, dass AbbVie nicht mehr von einem einzigen Blockbuster abhängig ist. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Konzernumsatz bereits bei 32,0 Mrd. USD, +11,2 % gegenüber dem Vorjahr.
Aus Investorensicht sind bei AbbVie vor allem vier Punkte entscheidend:
- Wachstum: Skyrizi und Rinvoq ersetzen den rückläufigen Humira-Umsatz derzeit sehr erfolgreich.
- Risiko: AbbVie ist inzwischen stark von diesen beiden neuen Blockbustern abhängig; spätere Patentabläufe bleiben ein zentrales Langfristrisiko.
- Diversifikation: Botox, Neurologie und Onkologie reduzieren die Abhängigkeit vom Immunologiegeschäft etwas.
- Investment-Charakter: AbbVie ist eher ein Cashflow- und Dividendenwert mit moderatem Wachstum als eine klassische Hochwachstumsaktie.
Der wichtigste Punkt für die Aktie ist daher: Können Skyrizi und Rinvoq dauerhaft stark genug wachsen, um Patentverluste und schwächere ältere Produkte zu kompensieren?
Momentum-Aktie
Eine Momentum-Aktie ist eine Aktie, deren Kurs bereits einen starken Aufwärts- oder Abwärtstrend zeigt und bei der Anleger darauf setzen, dass sich dieser Trend zunächst fortsetzt.
Momentum-Anleger richten ihren Blick weniger auf die Frage, ob eine Aktie günstig bewertet ist, sondern vor allem darauf, welche Titel aktuell besonders stark steigen. Die Grundidee dahinter ist einfach: Aktien, die sich in der Vergangenheit besser als der Markt entwickelt haben, können diesen Trend eine gewisse Zeit fortsetzen. Deshalb achten Momentum-Anleger auf Kursstärke, relative Performance, Handelsvolumen und klare Aufwärtstrends. Entscheidend ist dabei nicht, eine Aktie möglichst früh zu entdecken, sondern in einen bereits bestehenden Trend einzusteigen. Gleichzeitig birgt diese Strategie Risiken, denn starke Kursbewegungen können abrupt enden. Momentum-Investing setzt daher auf Trends – und auf die Fähigkeit, rechtzeitig zu erkennen, wenn deren Stärke nachlässt.
Die Schattenseiten der Momentum-Strategie
Das Hauptrisiko sind sogenannte Momentum-Reversals: Sobald sich die Marktstimmung dreht, können zuvor besonders stark gestiegene Aktien auch überdurchschnittlich schnell fallen.
Die Momentum-Strategie verspricht auf den ersten Blick einen einfachen Königsweg an der Börse: Kaufe, was steigt, verkaufe, was fällt, und reite auf der Welle des Trends. Doch wer sich allein auf diese Logik verlässt, unterschätzt oft die Risiken, die sich hinter dem scheinbar simplen Prinzip verbergen.
Das größte Problem ist die Anfälligkeit für plötzliche Trendumkehrungen. Gerade wenn sich Märkte nach starken Verwerfungen abrupt erholen, können Momentum-Portfolios innerhalb weniger Wochen einen Großteil ihrer Gewinne wieder verlieren – Phänomene, die als “Momentum Crashes” bekannt sind. Hinzu kommt, dass Momentum-Aktien sich häufig in bestimmten Branchen konzentrieren, was die Diversifikation schwächt und das Portfolio anfällig für sektorspezifische Schocks macht.
Auch die Marktmechanik selbst birgt Tücken: Weil zahlreiche Anleger und quantitative Fonds ähnliche Strategien verfolgen, entsteht ein sogenanntes Crowding-Risiko. Kippt die Stimmung, ziehen sich viele Akteure gleichzeitig zurück, was Verluste dramatisch beschleunigen kann. Wer zudem auf einen bereits laufenden Trend aufspringt, läuft Gefahr, spät einzusteigen – oft genau dann, wenn der Höhepunkt bereits überschritten ist.
Nicht zu unterschätzen sind schließlich die psychologischen Fallen: Übermäßiges Vertrauen in kurzfristige Kursbewegungen, die Schwierigkeit, rechtzeitig auszusteigen, und die Neigung, Übertreibungen und Blasenbildung noch zu verstärken. Wer Momentum-Investing betreibt, sollte sich dieser Risiken bewusst sein und mit klaren Regeln – etwa Stop-Loss-Mechanismen, begrenzten Positionsgrößen und einer Kombination mit anderen Anlagefaktoren – gegensteuern.
Information
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