China entgeht dem weltweiten Anleihe-Ausverkauf – aber nicht wegen wirtschaftlicher Stärke, sondern wegen struktureller Besonderheiten, die Kapital im Land festhalten und die Renditen künstlich niedrig halten.
1. Globale Anleihemärkte unter Druck – China als Ausnahme
- Weltweit steigen die Staatsanleiherenditen stark an, getrieben von Inflation, Zweifeln an der Politik und hohen Schulden .
- In China dagegen fällt die Rendite der 10‑jährigen Staatsanleihe unter 1,7 %, über 300 Basispunkte unter der US‑Rendite – der größte Abstand seit Anfang 2025 .
2. Deflation statt Inflation
- Während andere Länder gegen hohe Inflation kämpfen, steckt China weiterhin in einer mehrjährigen Deflationsphase .
- Der Immobiliencrash seit 2021 belastet Konsum und Wirtschaft stark .
- Einige Indikatoren drehen jedoch leicht ins Positive (Produzentenpreise, BIP‑Deflator) .
3. Schuldenlage: Offizielle Zahlen schön, tatsächliche Lage kritisch
- Offizielle Staatsverschuldung: 75 % des BIP – niedriger als bei den meisten G7‑Staaten .
- Inoffizielle „augmented debt“ des IWF: 136 % des BIP, bis 2030 über 150 % erwartet – ähnlich wie USA oder Italien .
- Analysten argumentieren: Eigentlich müssten Chinas Renditen höher sein, nicht niedriger .
4. Warum die Renditen trotzdem sinken: „Trapped Money“
Die entscheidenden Faktoren sind strukturell:
- Extrem hohe Sparquote: 43 % des BIP – doppelt so hoch wie in den USA .
- Kapitalverkehrskontrollen: Geld kann kaum ins Ausland abfließen .
- Kaum Alternativen:
- Immobilienmarkt kollabiert
- Aktien volatil und seit 2021 stark gefallen (CSI 300 −20 %)
- Haushalte kaufen weiter Anleihen – trotz niedriger Renditen .
HSBC erwartet daher Renditen bis 1,50 % später im Jahr .
Chinas niedrige Renditen sind kein Zeichen wirtschaftlicher Stärke, sondern Ausdruck:
- einer deflationären Wirtschaft,
- eines übermäßigen Sparens,
- fehlender Investitionsalternativen,
- und Kapital, das im Land „gefangen“ ist .