Der Moloch wächst und wächst

Streit um EU-Haus­halt: Kri­tik an geplan­ten 2500 zusätz­li­chen Stel­len in der Kom­mis­si­on

Der Streit über den nächs­ten lang­fris­ti­gen EU-Haus­halt ver­schärft sich. Im Mit­tel­punkt der Debat­te steht neben dem Gesamt­vo­lu­men des Finanz­rah­mens für die Jah­re 2028 bis 2034 auch der Plan der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on, ihre Ver­wal­tung um rund 2500 zusätz­li­che Stel­len aus­zu­bau­en. Deutsch­land und Öster­reich sehen dar­in ein fal­sches Signal in einer Pha­se ange­spann­ter öffent­li­cher Haus­hal­te.

Der von der Kom­mis­si­on vor­ge­leg­te Finanz­rah­men bewegt sich in einer Grö­ßen­ord­nung von rund zwei Bil­lio­nen Euro. Er soll die Finan­zie­rung der Euro­päi­schen Uni­on über sie­ben Jah­re sichern und umfasst unter ande­rem Aus­ga­ben für Agrar­po­li­tik, Struk­tur­för­de­rung, Sicher­heit, Wett­be­werbs­fä­hig­keit, Kli­ma­po­li­tik und neue tech­no­lo­gi­sche Auf­ga­ben­fel­der. Gera­de die­se neu­en Auf­ga­ben nennt die Kom­mis­si­on als Begrün­dung für zusätz­li­chen Per­so­nal­be­darf. Genannt wer­den ins­be­son­de­re Berei­che wie Künst­li­che Intel­li­genz, Cyber­si­cher­heit und digi­ta­le Regu­lie­rung.

Kri­tik kommt vor allem von Net­to­zah­ler­staa­ten. Öster­reichs Euro­pa­mi­nis­te­rin Clau­dia Bau­er sprach sich gegen den Stel­len­auf­bau aus und ver­wies auf lang­fris­ti­ge Fol­ge­kos­ten, ins­be­son­de­re bei den Pen­sio­nen. Auch aus Deutsch­land wird der Plan kri­tisch bewer­tet. Der deut­sche Euro­pa­mi­nis­ter Gun­ther Krich­baum argu­men­tiert, dass auch die EU-Insti­tu­tio­nen zu Haus­halts­dis­zi­plin ver­pflich­tet sei­en. Die Kri­tik erhält zusätz­li­ches Gewicht, weil die deut­sche Bun­des­ver­wal­tung selbst Stel­len abbau­en soll.

Ein wei­te­rer Streit­punkt sind die Ver­sor­gungs­an­sprü­che von EU-Bediens­te­ten. Nach dem EU-Beam­ten­sta­tut kön­nen Ruhe­ge­häl­ter bis zu 70 Pro­zent des letz­ten Grund­ge­halts errei­chen. Kri­ti­ker sehen dar­in ein erheb­li­ches lang­fris­ti­ges Kos­ten­ri­si­ko, wenn die Ver­wal­tung wei­ter aus­ge­baut wird. Die Kom­mis­si­on ver­weist dem­ge­gen­über auf gestie­ge­ne regu­la­to­ri­sche und stra­te­gi­sche Anfor­de­run­gen, die ohne zusätz­li­ches Fach­per­so­nal schwer zu bewäl­ti­gen sei­en.

Bun­des­kanz­ler Fried­rich Merz hat den vor­lie­gen­den Haus­halts­vor­schlag eben­falls als zu hoch kri­ti­siert. Nach sei­ner Dar­stel­lung müs­sen die Zah­len sin­ken, bevor Deutsch­land einem Kom­pro­miss zustim­men kann. Neue gemein­sa­me EU-Schul­den lehnt die Bun­des­re­gie­rung ab. Damit rückt die Fra­ge nach zusätz­li­chen Ein­nah­me­quel­len stär­ker in den Vor­der­grund. Dis­ku­tiert wer­den etwa neue EU-Ein­nah­men aus bestehen­den Steu­er­be­rei­chen wie Tabak oder Ener­gie.

Eine Eini­gung ist der­zeit nicht abseh­bar. Zwi­schen Net­to­zah­lern und Emp­fän­ger­län­dern bestehen erheb­li­che Dif­fe­ren­zen über Umfang und Prio­ri­tä­ten des künf­ti­gen Haus­halts. Wäh­rend eini­ge Mit­glied­staa­ten auf Ein­spa­run­gen drän­gen, war­nen ande­re vor einer Schwä­chung gemein­sa­mer euro­päi­scher Pro­gram­me. Nach der Som­mer­pau­se wird ein neu­er Vor­schlag der Rats­prä­si­dent­schaft erwar­tet. Ob bis Jah­res­en­de ein trag­fä­hi­ger Kom­pro­miss erreicht wird, bleibt offen.


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