Die deutsche Wirtschaft sendet im Spätsommer vorsichtig positive Signale. Mehrere aktuelle Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die konjunkturelle Lage stabilisiert und sich die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern etwas verbessert. Gleichzeitig bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig, denn hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und Inflationsrisiken belasten weiterhin die Entwicklung.
Ein wichtiges Signal liefert das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Im August stieg der Indikator um gut fünf Punkte auf 96,4 Punkte und näherte sich damit wieder der neutralen Marke von 100 Punkten an. Das DIW wertet die Entwicklung als Hinweis darauf, dass die deutsche Wirtschaft langsam wieder Tritt fasst. Bereits im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung überraschend kräftig um 0,3 Prozent gestiegen. Zudem sorgten Rekordexporte für Unterstützung. Dennoch bleibt das konjunkturelle Bild instabil. Geopolitische Risiken, gestiegene Ölpreise und damit höhere Energiekosten belasten Unternehmen und Verbraucher. Auch niedrige Pegelstände auf wichtigen deutschen Wasserstraßen verteuern Transporte und Rohstoffe.
Besonders in der Industrie zeichnet sich eine gewisse Verbesserung ab. Kräftige Auftragseingänge, darunter größere inländische Aufträge im Verteidigungssektor, stabilere Produktionszahlen und eine bessere Stimmung in den Unternehmen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Nach Einschätzung des DIW wird die Wirtschaftsleistung derzeit vor allem durch das Exportgeschäft und hohe öffentliche Investitionen gestützt. Für eine nachhaltige Erholung seien jedoch zusätzlich mehr private Investitionen, eine höhere Produktivität und eine langfristige Stärkung des Wirtschaftsstandorts notwendig. Im Dienstleistungssektor zeigt sich dagegen ein gemischtes Bild. Während unternehmensnahe Dienstleistungen etwas optimistischer beurteilt werden, leiden konsumnahe Bereiche weiterhin unter schwacher Verbraucherlaune, höherer Inflation und sinkenden Erwerbstätigenzahlen.
Auch bei den Verbrauchern gibt es erste Anzeichen einer Aufhellung. Der vom Nürnberger Institut für Marktentscheidungen und der GfK veröffentlichte Konsumklimaindex verbesserte sich in der Prognose für September von minus 29,4 auf minus 26,6 Punkte. Damit fiel die Entwicklung deutlich besser aus als von Ökonomen erwartet. Besonders die Konjunkturerwartungen der Verbraucher legten zum vierten Mal in Folge zu. Trotz dieses Aufwärtstrends bleibt das Konsumklima jedoch auf einem niedrigen Niveau.
Ein zusätzlicher positiver Faktor ist die Entwicklung der Einkommen. Die Einkommenserwartungen der Verbraucher erreichten den höchsten Stand seit sechs Monaten. Gleichzeitig stiegen die Reallöhne in Deutschland im zweiten Quartal 2026 um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Nominallöhne erhöhten sich um 4,1 Prozent, während die Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent zunahmen. Besonders kräftige Lohnzuwächse verzeichneten unter anderem Geringverdiener und Auszubildende. Damit verfügen viele Beschäftigte real über etwas mehr Kaufkraft als ein Jahr zuvor.
Trotz dieser positiven Signale bleiben die Risiken erheblich. Steigende Öl- und Gaspreise könnten den Inflationsdruck erneut erhöhen und damit die Kaufkraft der Haushalte belasten. Zugleich sorgen die geopolitischen Unsicherheiten im Nahen Osten weiterhin für Zurückhaltung. Für das dritte Quartal wird deshalb nur ein geringes Wirtschaftswachstum erwartet.
Insgesamt deutet sich damit eine vorsichtige Stabilisierung der deutschen Wirtschaft an. Das bessere Konjunkturbarometer, eine leichte Erholung des Konsumklimas und steigende Reallöhne sprechen für eine günstigere Entwicklung als noch vor einigen Monaten. Von einem kräftigen und nachhaltigen Aufschwung kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Entscheidend wird sein, ob die bisherigen Impulse in den kommenden Monaten durch steigende private Investitionen, eine stärkere Binnennachfrage und eine dauerhaft niedrigere Belastung durch Energiepreise und Inflation unterstützt werden.