Mit dem Kauf von 35 F‑35-Kampfjets will Deutschland seine Luftwaffe modernisieren. Die Maschinen sollen die alternden Tornados ablösen und Deutschlands Beitrag zur nuklearen Teilhabe der NATO sichern. Auch Nordrhein-Westfalen profitiert von dem milliardenschweren Auftrag: Rheinmetall fertigt in Weeze Rumpf-Mittelteile für das Flugzeug. Doch den industriellen Chancen stehen erhebliche Fragen gegenüber – zur Zuverlässigkeit, zu langfristigen Kosten und zur Abhängigkeit von den USA.
Knapp zehn Milliarden Euro umfasst das deutsche Beschaffungspaket einschließlich Ersatzteilen, Bewaffnung und Wartung für fünf Jahre. In Weeze beschäftigt Rheinmetall einem WDR-Bericht zufolge rund 350 Menschen; etwa 100 weitere sollen hinzukommen. Bis zu 36 Rumpf-Mittelteile können dort jährlich entstehen. Der Standort erhält damit neue industrielle Perspektiven. Allerdings bleibt der überwiegende Teil der Wertschöpfung in den USA. Die neuen Arbeitsplätze in NRW bilden deshalb nur einen begrenzten Anteil am wirtschaftlichen Gesamtumfang des Programms.
Besonders deutlich fällt die Kritik des US-Rechnungshofs GAO an der Einsatzbereitschaft aus. Laut seinem Bericht vom Juni 2026 waren die amerikanischen F‑35 im Haushaltsjahr 2025 durchschnittlich nur 25 Prozent der Zeit für sämtliche vorgesehenen Aufgaben einsatzbereit. Für mindestens eine Aufgabe lag der Wert bei 44 Prozent. Beide Kennzahlen haben sich seit 2021 verschlechtert. Daraus lässt sich keine identische Ausfallquote für die künftige deutsche Flotte ableiten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, welche Schwierigkeiten beim Betrieb des Flugzeugtyps bestehen.
Hinzu kommen steigende Folgekosten. Nach Angaben des GAO werden in den USA bis 2031 rund 13,7 Milliarden Dollar zusätzlich zu den bisherigen Planungen benötigt, um die Versorgung zu verbessern und Finanzierungslücken zu schließen. Fehlende Ersatzteile und begrenzte industrielle Kapazitäten erschweren die Bemühungen. Auch Leistungsprämien an den Auftragnehmer hätten die angestrebten Verbesserungen nicht erreicht. Für Deutschland stellt sich damit die Frage, welche finanziellen Belastungen nach Ablauf der zunächst vereinbarten Wartungsleistungen entstehen.
Politisch umstritten ist zudem die langfristige Bindung an die USA. Eine Recherche von Le Monde beschreibt, wie Software, Wartung und internationale Lieferketten europäische Nutzer an das amerikanisch geführte System binden. Solche Abhängigkeiten können den politischen Handlungsspielraum einschränken, wenn sich die Interessen der Partner auseinanderentwickeln. Ein nachgewiesener Fernabschaltmechanismus ergibt sich daraus allerdings nicht.
Die Bundeswehr bestreitet ausdrücklich, dass ein solcher „Killswitch“ existiert. Angeblich können die Maschinen auch längere Zeit ohne permanente Datenverbindung zu den USA betrieben werden. Fehlende amerikanische Updates könnten ihren Einsatzwert jedoch auf Dauer verringern.
Der deutsche F‑35-Kauf muss sich deshalb an mehr als neuen Arbeitsplätzen und moderner Technik messen lassen. Entscheidend wird sein, wie zuverlässig die Flugzeuge verfügbar sind, welche Kosten über Jahrzehnte entstehen und wie viel Eigenständigkeit Deutschland bei Wartung und Weiterentwicklung tatsächlich besitzt.