Schluss mit lustig: ZDF entsorgt Böhmermann nach 187 Folgen Haltungsjournalismus
Manchmal beendet man eine Beziehung, bevor sie einem zu unbequem wird – und manchmal tut das eben der Sender. Das ZDF hat sich entschieden, Jan Böhmermanns Vertrag für das „Magazin Royale” nicht zu verlängern, und am 18. Dezember darf der Satiriker zum 187. und letzten Mal erklären, warum die Welt gerade wieder ein bisschen kaputter ist, als sie gestern war. Danach: Sendepause. Für immer, oder zumindest bis zur nächsten PR-tauglichen Wiederauferstehung.
Ganz vom Tisch ist die Personalie freilich leider noch nicht, denn in der Medienbranche endet nichts wirklich, es wird nur „neu gedacht”. Böhmermann selbst lässt bereits durchblicken, dass er „nochmal eine andere Sendung machen” wolle – ein Satz, der sich liest, als sei die Kündigung weniger Rauswurf als Gelegenheit zur Neuerfindung. Auch das ZDF beeilt sich zu betonen, man befinde sich in „guten Gesprächen” über ein neues Konzept. Übersetzt heißt das: Man trennt sich, bleibt aber beruflich lose verbunden, ganz wie es sich für erwachsene Medienmenschen gehört.
Die eigentlichen Verlierer der Personalentscheidung durften die Nachricht standesgemäß am Freitagnachmittag erfahren – jenem Zeitpunkt der Woche, der für schlechte Nachrichten reserviert zu sein scheint, weil bis Montag ohnehin niemand mehr nachfragt. Gleich mit über die Klinge sprang die für 2027 geplante Tour des Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld, das nun sein Bandleben ohne Hauptbühne fortsetzen darf.
Immerhin: Auf ein ruhmreiches Erbe kann man sich hinausreden. Seit 2013, als das „Neo Magazin Royale” noch als Nischending im Spätprogramm startete, hat sich Böhmermann mit seiner „Royale”-Marke eine mediale Dauerpräsenz erarbeitet, komplett mit Grimme-Preis, Deutschem Fernsehpreis und der einen oder anderen einstweiligen Verfügung als Bonusmaterial. Elf Nominierungen und sechs Trophäen in den letzten sechs Jahren – eine Bilanz, die zeigt, dass Haltung zeigen und Preise abräumen sich in diesem Land hervorragend vertragen, bis der Vertrag eben doch ausläuft.
Was folgt, bleibt Spekulation. Sicher ist nur: Am 18. Dezember geht das Licht im „Magazin Royale” aus – und die Branche wartet gespannt darauf, unter welchem neuen Namen das Ganze in ein paar Monaten wieder anläuft.
