1. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
Die deutsche Wirtschaft hat ihre Wachstumsdynamik vom Jahresbeginn fortgesetzt. Das BIP stieg im 2. Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal preis‑, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 %. Dies entspricht einer leichten Aufwärtskorrektur von 0,1 Prozentpunkten gegenüber der Schnellmeldung vom Juli 2026, was vor allem auf positivere Daten im Groß- und Einzelhandel sowie nach oben revidierte Exporte zurückzuführen ist.
Im Vorjahresvergleich wuchs das BIP preisbereinigt sowie preis- und kalenderbereinigt um jeweils 1,0 %.
2. Verwendungskomponenten des BIP
Das Wachstum wurde im 2. Quartal 2026 fast ausschließlich vom Außenhandel getragen, während die Binnennachfrage schwächelte:
- Außenhandel: Die Exporte von Waren und Dienstleistungen stiegen zum Vorquartal kräftig um 2,0 % (Warenexporte +2,6 %). Die Importe legten ebenfalls um 1,5 % zu. Da die Exporte stärker wuchsen als die Importe, lieferte der Außenbeitrag einen positiven Wachstumsimpuls. Im Vorjahresvergleich stiegen die Exporte sogar um 3,7 %, getrieben durch Ausfuhren in die EU sowie von chemischen Erzeugnissen und Technikgütern.
- Investitionen: Die Bruttoanlageinvestitionen sanken leicht um 0,2 %. Während Bauinvestitionen nur minimal zulegten (+0,1 %), gingen die Ausrüstungsinvestitionen deutlich um 1,4 % zurück. Im Vorjahresvergleich zeigte sich ein zweigeteiltes Bild: Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen um 1,1 % (u. a. durch staatliche Verteidigungsausgaben), während die Bauinvestitionen preisbereinigt um 1,5 % fielen.
- Konsum: Die Konsumausgaben entwickelten sich verhalten und stiegen sowohl insgesamt als auch bei privaten Haushalten und Staat nur um jeweils 0,1 % zum Vorquartal. Im Vorjahresvergleich wuchs der Staatskonsum hingegen deutlich um 3,0 %, während der private Konsum mit +0,1 % nahezu stagnierte.
3. Entstehungsseite: Bruttowertschöpfung
Die preis‑, saison- und kalenderbereinigte Bruttowertschöpfung stieg um 0,4 % zum Vorquartal bzw. um 1,1 % zum Vorjahr.
- Verarbeitendes Gewerbe: Verzeichnete ein deutliches Plus von 0,9 % zum Vorquartal und erstmals seit Q1 2023 wieder einen Zuwachs im Vorjahresvergleich (+1,1 %). Treiber waren die Chemieindustrie und elektrische Ausrüstungen; der Fahrzeugbau blieb jedoch schwach.
- Dienstleister: Fast alle Bereiche legten zu. Besonders stark wuchsen Information und Kommunikation (+0,6 % zum Vorquartal / +3,9 % zum Vorjahr) sowie Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit. Einzig Finanz- und Versicherungsdienstleister mussten einen Rückgang hinnehmen (-0,7 % zum Vorquartal).
- Baugewerbe: Die Wertschöpfung war zum Vorquartal nahezu unverändert (-0,1 %), womit sich die vorherige Abwärtsdynamik zumindest abschwächte. Im Vorjahresvergleich sank sie jedoch weiterhin um 1,6 %.
4. Arbeitsmarkt und Produktivität
Trotz Wirtschaftsplus entwickelte sich der Arbeitsmarkt rückläufig:
- Erwerbstätigkeit: Die Zahl der Erwerbstätigen sank im 2. Quartal 2026 auf 45,7 Millionen Personen (-0,5 % bzw. ‑212.000 Personen zum Vorjahr). Dies betraf erstmals seit der Corona-Krise auch den Dienstleistungssektor sowie das Verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe.
- Arbeitsvolumen: Da die geleisteten Stunden je Erwerbstätiger konstant blieben, sank das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen ebenfalls um 0,5 %.
- Produktivität: Aufgrund des Produktionswachstums bei sinkender Beschäftigung stieg die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde um 1,5 % zum Vorjahr.
5. Einkommen und Sparquote
In jeweiligen Preisen stieg das BIP um 3,8 % und das Volkseinkommen um 4,3 %.
- Einkommensentwicklung: Unternehmens- und Vermögenseinkommen wuchsen überdurchschnittlich um 5,5 %. Die Nettolöhne und ‑gehälter stiegen um 4,7 %, die Bruttolöhne um 4,4 %.
- Sparquote: Da die Einkommen der privaten Haushalte (+3,1 %) etwas stärker stiegen als deren nominale Konsumausgaben (+2,9 %), erhöhte sich die Sparquote leicht auf 9,6 % (Vorjahresquartal: 9,5 %).
6. Internationaler Vergleich und Revisionen
- Vergleich: Deutschland lag mit +0,3 % Wachstum zum Vorquartal unter dem EU-Durchschnitt (+0,5 %) und deutlich hinter Spanien (+0,7 %), aber vor Frankreich und Italien (je +0,2 %). Auch im Vorjahresvergleich (+1,0 %) hinkte Deutschland der EU-Gesamtentwicklung (+1,2 %) leicht hinterher.
- Sommerüberarbeitung 2026: Wie üblich wurden die Ergebnisse der Jahre 2022 bis 2025 überarbeitet. Eine wesentliche Korrektur ergab sich für das Jahr 2024: Statt eines bisher ausgewiesenen Rückgangs von ‑0,5 % stagnierte die Wirtschaftsleistung nun laut neuer Berechnung (0,0 %). Zudem wurden außerplanmäßig Daten bis 2011 zurückgerechnet, wodurch das BIP-Wachstum im Zeitraum 2011–2021 kumuliert um 0,8 Prozentpunkte höher ausfällt als bisher berichtet.