Groß­han­dels­prei­se stei­gen auf Höchst­stand seit 2023: Der Nah­ost-Krieg schlägt auf die Vor­stu­fe durch

Die Prei­se im deut­schen Groß­han­del sind im Sep­tem­ber 2026 so stark gestie­gen wie seit fast drei­ein­halb Jah­ren nicht mehr. Wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt mit­teil­te, lagen die Ver­kaufs­prei­se um 8,7 Pro­zent über dem Niveau des Vor­jah­res­mo­nats. Gegen­über August leg­ten sie um 1,9 Pro­zent zu. Eine höhe­re Jah­res­teue­rung hat­te es zuletzt im Febru­ar 2023 gege­ben, als die Prei­se um 9,5 Pro­zent über dem Vor­jahr lagen, mit­ten in der Ener­gie­kri­se nach Beginn des rus­si­schen Angriffs auf die Ukrai­ne.

Beson­ders alar­mie­rend ist die Dyna­mik: Im Juli hat­te die Jah­res­ra­te noch bei 5,3 Pro­zent gele­gen, im August bei 6,8 Pro­zent. Der Anstieg beschleu­nigt sich also von Monat zu Monat. Als Ursa­che nen­nen die Sta­tis­ti­ker die anhal­ten­den Kriegs­hand­lun­gen im Iran und im Nahen Osten, die vor allem Ener­gie­pro­duk­te und Vor­leis­tungs­gü­ter wie Metal­le ver­teu­ern.

Den größ­ten Bei­trag lie­fert der Han­del mit Mine­ral­öl­er­zeug­nis­sen. Dort lie­gen die Prei­se 48,8 Pro­zent über dem Vor­jahr, allein im Ver­gleich zum August stie­gen sie um 10,5 Pro­zent. Doch die Ver­teue­rung bleibt nicht auf Öl, Ben­zin und Heiz­öl beschränkt. Nicht-Eisen-Erze, Metal­le und Metall­halb­zeug kos­ten 24,9 Pro­zent mehr als vor einem Jahr, che­mi­sche Erzeug­nis­se 16,4 Pro­zent. Auch Getrei­de, Roh­ta­bak, Saat­gut und Fut­ter­mit­tel haben sich um 19,3 Pro­zent ver­teu­ert, und selbst Daten­ver­ar­bei­tungs­ge­rä­te und Peri­phe­rie lie­gen mit 12,1 Pro­zent im Plus. Das Mus­ter ist typisch für einen Schock auf der Ange­bots­sei­te: Weil Ener­gie in nahe­zu jeder Pro­duk­ti­ons- und Lie­fer­ket­te steckt, pflanzt sich ein Preis­sprung bei Roh­stof­fen schnell durch die gesam­te Vor­stu­fe der Wirt­schaft fort.

Eine gewis­se Gegen­be­we­gung zeigt sich bei tie­ri­schen Lebens­mit­teln. Leben­de Tie­re sind 15,1 Pro­zent bil­li­ger als im Sep­tem­ber 2025, Milch, Milch­er­zeug­nis­se, Eier und Spei­se­öle kos­ten 9,7 Pro­zent weni­ger, Fleisch und Fleisch­wa­ren 6,0 Pro­zent. Aller­dings zogen auch die­se Prei­se gegen­über dem Vor­mo­nat bereits wie­der an, bei leben­den Tie­ren sogar um 5,0 Pro­zent. Ob hier ledig­lich ein Basis­ef­fekt durch hohe Vor­jah­res­prei­se aus­läuft oder die teu­re­ren Fut­ter­mit­tel bald auf die Erzeu­ger­sei­te durch­schla­gen, lässt sich aus den Daten nicht ein­deu­tig able­sen. Denk­bar ist bei­des.

Für Ver­brau­cher und Unter­neh­men ist die Ent­wick­lung ein Warn­si­gnal. Groß­han­dels­prei­se gel­ten als Früh­in­di­ka­tor, denn Preis­stei­ge­run­gen auf die­ser Stu­fe errei­chen Ein­zel­han­del und End­kun­den erfah­rungs­ge­mäß mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung. Wie stark und wie schnell das geschieht, hängt auch davon ab, ob Händ­ler und Her­stel­ler höhe­re Ein­kaufs­kos­ten an ihre Kun­den wei­ter­ge­ben kön­nen oder ob sie ihre Mar­gen schmä­lern müs­sen. Zu beach­ten ist zudem, dass die Zah­len die Groß­han­dels­stu­fe betref­fen und nicht direkt mit der Ver­brau­cher­preis­in­fla­ti­on gleich­zu­set­zen sind.

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet, wie lan­ge der Aus­lö­ser anhält. Solan­ge die Lage im Nahen Osten die Ener­gie­märk­te belas­tet, spricht wenig für eine rasche Ent­span­nung. Die Sta­tis­ti­ker selbst geben kei­ne Pro­gno­se ab, doch die Par­al­le­le zu 2022 und 2023 liegt auf der Hand: Wie­der ist es ein geo­po­li­ti­scher Kon­flikt, der über die Ener­gie­prei­se die gesam­te Wirt­schaft erfasst. Ob die aktu­el­le Wel­le das dama­li­ge Rekord­ni­veau erreicht oder bald abebbt, wer­den die kom­men­den Monats­zah­len zei­gen.


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