Han­tel-Stra­te­gie

Sicher­heit und Risi­ko bewusst kom­bi­nie­ren

Die Han­tel-Stra­te­gie, auf Eng­lisch Bar­bell Stra­tegy, bezeich­net ein Anla­ge- und Risi­ko­kon­zept, bei dem das Ver­mö­gen gezielt auf zwei gegen­sätz­li­che Berei­che ver­teilt wird. Ein gro­ßer Teil wird sehr defen­siv ange­legt, wäh­rend ein deut­lich klei­ne­rer Teil in Posi­tio­nen mit hohem Risi­ko und über­durch­schnitt­li­chem Ertrags­po­ten­zi­al fließt. Der mitt­le­re Risi­ko­be­reich wird weit­ge­hend ver­mie­den. Bild­lich erin­nert die­se Ver­tei­lung an eine Han­tel, deren Gewicht an bei­den Enden liegt, wäh­rend die Mit­te ver­gleichs­wei­se leicht bleibt.

Ursprüng­lich stammt die Stra­te­gie aus dem Anlei­hen­han­del. Dort besteht eine klas­si­sche Han­tel aus kurz­lau­fen­den und lang­lau­fen­den Anlei­hen, wäh­rend Papie­re mit mitt­le­rer Lauf­zeit nur eine gerin­ge oder gar kei­ne Rol­le spie­len. Kurz­lau­fen­de Anlei­hen bie­ten in der Regel eine höhe­re Fle­xi­bi­li­tät und kön­nen bei ver­än­der­ten Markt­be­din­gun­gen schnel­ler neu ange­legt wer­den. Lang­lau­fen­de Anlei­hen ermög­li­chen dage­gen häu­fig höhe­re lau­fen­de Erträ­ge und reagie­ren stär­ker auf Ver­än­de­run­gen des Zins­ni­veaus. Die Stra­te­gie ver­bin­det damit zwei unter­schied­li­che Lauf­zeit­pro­fi­le, ohne sich auf den mitt­le­ren Bereich zu kon­zen­trie­ren.

Über den Anlei­hen­markt hin­aus wur­de die Han­tel-Stra­te­gie ins­be­son­de­re durch den Risi­ko­for­scher und Autor Nas­sim Nicho­las Taleb bekannt. In sei­ner Inter­pre­ta­ti­on steht nicht die Lauf­zeit von Wert­pa­pie­ren, son­dern die Begren­zung exis­tenz­ge­fähr­den­der Ver­lus­te im Vor­der­grund. Der über­wie­gen­de Teil des Ver­mö­gens wird in mög­lichst robus­te und liqui­de Anla­gen inves­tiert, etwa in Tages­geld, Geld­markt­in­stru­men­te oder kurz­lau­fen­de Staats­an­lei­hen hoher Boni­tät. Ein klei­ne­rer Anteil wird dage­gen bewusst in spe­ku­la­ti­ve Anla­gen mit asym­me­tri­schem Ertrags­pro­fil gesteckt. Dazu kön­nen unter ande­rem Optio­nen mit begrenz­tem Ver­lust­ri­si­ko, Betei­li­gun­gen an jun­gen Unter­neh­men oder aus­ge­wähl­te Wachs­tums­wer­te gehö­ren.

Ein ver­ein­fach­tes Bei­spiel wäre die Auf­tei­lung eines Ver­mö­gens von 100.000 Euro. Davon könn­ten 90.000 Euro defen­siv und 10.000 Euro spe­ku­la­tiv ange­legt wer­den. Selbst wenn der risi­ko­rei­che Teil voll­stän­dig ver­lo­ren gin­ge, blie­be der größ­te Teil des Ver­mö­gens erhal­ten. Ent­wi­ckelt sich dage­gen eine der spe­ku­la­ti­ven Posi­tio­nen außer­ge­wöhn­lich posi­tiv, kann sie einen über­pro­por­tio­na­len Bei­trag zur Gesamt­ren­di­te leis­ten. Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass der mög­li­che Ver­lust des spe­ku­la­ti­ven Anteils von Beginn an klar begrenzt ist.

Auch eine Umset­zung mit Akti­en ist grund­sätz­lich mög­lich. Dabei kön­nen breit gestreu­te Akti­en­fonds oder Akti­en gro­ßer, eta­blier­ter Unter­neh­men dem defen­si­ve­ren Ende der Han­tel zuge­ord­net wer­den, wäh­rend klei­ne Wachs­tums­un­ter­neh­men, Bio­tech­no­lo­gie­wer­te oder Tur­n­around-Akti­en den spe­ku­la­ti­ven Teil bil­den. Eine sol­che Kon­struk­ti­on bleibt jedoch voll­stän­dig dem Akti­en­markt­ri­si­ko aus­ge­setzt. Selbst ver­gleichs­wei­se sta­bi­le Akti­en kön­nen in einer schwe­ren Bör­sen­kri­se deut­lich an Wert ver­lie­ren. Eine rei­ne Akti­en-Han­tel ent­spricht daher nur ein­ge­schränkt der ursprüng­li­chen Risi­ko­lo­gik Talebs, bei der der siche­re Teil mög­lichst wenig mit dem ris­kan­ten Teil kor­re­lie­ren soll.

Zu den Vor­tei­len der Stra­te­gie zählt vor allem die kla­re Tren­nung zwi­schen Kapi­tal­erhalt und spe­ku­la­ti­ven Chan­cen. Risi­ken wer­den nicht gleich­mä­ßig über das gesam­te Port­fo­lio ver­teilt, son­dern aus­drück­lich begrenzt und einem klei­nen Teil des Ver­mö­gens zuge­ord­net. Gleich­zei­tig kann ein gro­ßer, defen­si­ver Anteil die Schwan­kun­gen des Gesamt­port­fo­li­os redu­zie­ren und Liqui­di­tät für spä­te­re Inves­ti­tio­nen bereit­stel­len.

Dem ste­hen meh­re­re Nach­tei­le gegen­über. Siche­re Anla­gen kön­nen ins­be­son­de­re in Zei­ten hoher Infla­ti­on rea­le Kauf­kraft ver­lie­ren. Der spe­ku­la­ti­ve Teil kann voll­stän­dig aus­fal­len, ohne jemals einen außer­ge­wöhn­li­chen Gewinn zu erzie­len. Zudem kann die Stra­te­gie in lang anhal­ten­den Auf­wärts­pha­sen hin­ter einem stär­ker akti­en­ori­en­tier­ten Port­fo­lio zurück­blei­ben. Ihre Umset­zung erfor­dert daher Dis­zi­plin, regel­mä­ßi­ge Kon­trol­le der Gewich­tung und eine genaue Defi­ni­ti­on des­sen, was tat­säch­lich als sicher oder als klar begrenz­tes Risi­ko ein­zu­stu­fen ist.

Die Han­tel-Stra­te­gie ist somit weni­ger eine fes­te Pro­dukt­emp­feh­lung als ein Grund­prin­zip des Risi­ko­ma­nage­ments. Ihr Ziel besteht dar­in, den größ­ten Teil des Ver­mö­gens vor schwe­ren Ver­lus­ten zu schüt­zen und zugleich einen begrenz­ten Anteil für außer­ge­wöhn­li­che Ren­di­te­chan­cen bereit­zu­hal­ten. Ob sie für einen Anle­ger geeig­net ist, hängt von des­sen Anla­ge­ho­ri­zont, Risi­ko­to­le­ranz, Liqui­di­täts­be­darf und finan­zi­el­len Zie­len ab.


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