INSM-Bil­dungs­mo­ni­tor 2026

Der INSM-Bil­dungs­mo­ni­tor 2026 (erstellt vom Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft Köln) unter­sucht zum 23. Mal die Leis­tungs­fä­hig­keit des deut­schen Bil­dungs­sys­tems aus bil­dungs­öko­no­mi­scher Sicht. Im Fokus der Aus­ga­be 2026 ste­hen die Bewäl­ti­gung der vier gro­ßen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se (Demo­gra­fie, Dekar­bo­ni­sie­rung, Digi­ta­li­sie­rung und Deglo­ba­li­sie­rung) sowie das Schwer­punkt­the­ma „Bil­dungs­stand, Bil­dungs­chan­cen und Bil­dungs­mo­bi­li­tät“.

1. Gesamt­ergeb­nis: Zuneh­men­de Sche­re zwi­schen Input und Out­put

  • Gesamt­be­wer­tung: Deutsch­land erreicht im Durch­schnitt 46,2 Punk­te und liegt damit um 2,9 Punk­te unter dem Refe­renz­jahr 2013.
  • Posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen (Input-Bereich):
    • Fort­schrit­te zei­gen sich vor allem bei der Inter­na­tio­na­li­sie­rung (+35,1 Punk­te), der För­der­in­fra­struk­tur (+19,7 Punk­te, z. B. Ganz­tags­aus­bau) und den Betreu­ungs­be­din­gun­gen (+19,2 Punk­te, z. B. rech­ne­risch bes­se­re Schü­ler-Leh­rer-Rela­tio­nen).
  • Alar­mie­ren­de Rück­schrit­te (Out­put-Bereich):
    • In den Kern­be­rei­chen des Lern­erfolgs haben sich die Ergeb­nis­se seit 2013 dra­ma­tisch ver­schlech­tert:
      • Schul­qua­li­tät: −48,5 Punk­te (star­ker Rück­gang der Basis­kom­pe­ten­zen in Deutsch, Mathe und Natur­wis­sen­schaf­ten laut PISA und IQB).
      • Bil­dungs­ar­mut: −41,8 Punk­te (star­ker Anstieg der Risi­ko­grup­pen; bei PISA 2022/2025 ver­fehl­te mehr als ein Drit­tel der Jugend­li­chen die Min­dest­stan­dards in Mathe­ma­tik).
      • Inte­gra­ti­on / Bil­dungs­chan­cen: −25,1 Punk­te (wei­ter­hin extrem hohe Kopp­lung des Schul­erfolgs an Her­kunft und Fami­li­en­spra­che).

2. Bun­des­län­der-Ran­king 2026

  1. Spit­zen­grup­pe:
    • 1. Sach­sen (62,9 Punk­te): Füh­rend bei För­der­in­fra­struk­tur, Schul­qua­li­tät, Bil­dungs­ar­muts­ver­mei­dung und For­schungs­ori­en­tie­rung; Schwä­chen bei Betreu­ungs­be­din­gun­gen (hohe Schü­ler-Leh­rer-Rela­ti­on).
    • 2. Bay­ern (57,8 Punk­te): Spit­ze in der beruf­li­chen Bil­dung, hohe Schul­qua­li­tät und gerin­ge Bil­dungs­ar­mut; Nach­hol­be­darf bei der För­der­in­fra­struk­tur (Ganz­tag).
    • 3. Ham­burg (53,6 Punk­te): Bes­ter Wert bei Inter­na­tio­na­li­sie­rung und Ganz­tags­ab­de­ckung; Defi­zi­te bei der Inte­gra­ti­on.
    • 4. Baden-Würt­tem­berg (52,3 Punk­te): Spit­ze bei Zeit­ef­fi­zi­enz, stark in Digi­ta­li­sie­rung und MINT; Aus­bau­be­darf beim Ganz­tag.
    • 5. Saar­land (51,5 Punk­te): Platz 1 bei Aus­ga­ben­prio­ri­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung; Schwä­chen bei Bil­dungs­ar­mut und beruf­li­cher Bil­dung.
    • 6. Thü­rin­gen (49,4 Punk­te): Platz 1 im Bereich Hochschule/MINT; Schwä­chen bei Inte­gra­ti­on und Inter­na­tio­na­li­sie­rung.
  2. Mit­tel­feld:
    • Hes­sen (45,4), Meck­len­burg-Vor­pom­mern (45,0), Schles­wig-Hol­stein (44,4), Nie­der­sach­sen (42,1), Ber­lin (41,9), Rhein­land-Pfalz (39,4).
  3. Schluss­lich­ter:
    • 13. Bran­den­burg (38,4 Punk­te): Schwä­chen bei Zeit­ef­fi­zi­enz, MINT und Digi­ta­li­sie­rung.
    • 14. Nord­rhein-West­fa­len (36,8 Punk­te): Nied­ri­ge Aus­ga­ben­prio­ri­sie­rung, Pro­ble­me bei Schul­qua­li­tät und beruf­li­cher Bil­dung.
    • 15. Sach­sen-Anhalt (36,7 Punk­te): Gro­ße Per­so­nal- und Unter­richts­ver­sor­gungs­pro­ble­me, schlech­tes­te Abbre­cher­quo­ten bei Aus­län­dern.
    • 16. Bre­men (36,1 Punk­te): Trotz sehr guter Betreu­ungs­re­la­tio­nen bun­des­weit Schluss­licht bei Schul­qua­li­tät und Bil­dungs­ar­mut.

3. Schwer­punkt­the­ma: Bil­dungs­stand, Bil­dungs­chan­cen und Mobi­li­tät

  • Pola­ri­sie­rung des Bil­dungs­stands:
    • Der Anteil der Per­so­nen mit Hoch­schul­ab­schluss stieg zwi­schen 2005 und 2024 von 15,4 % auf 25,6 % (bei den 25- bis 34-Jäh­ri­gen bereits 32,3 %).
    • Gleich­zei­tig stieg der Anteil der 25- bis 64-Jäh­ri­gen ohne berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss wie­der auf 20,4 % an.
  • Ein­kom­mens- und Abstiegs­ab­si­che­rung:
    • Eine abge­schlos­se­ne Berufs­aus­bil­dung bil­det wei­ter­hin das Fun­da­ment der gesell­schaft­li­chen Mit­tel­schicht. Gering­qua­li­fi­zier­te sind fast sechs­mal häu­fi­ger von Arbeits­lo­sig­keit betrof­fen als Per­so­nen mit beruf­li­cher Aus­bil­dung.
    • Das Risi­ko eines Ein­kom­mens­ab­stiegs ist bei Per­so­nen ohne Berufs­ab­schluss (22,4 %) deut­lich höher als bei Aka­de­mi­kern (20,9 %) oder Fach­ar­bei­tern (21,1 %).
  • Unglei­che Bil­dungs­chan­cen & Selek­ti­vi­tät:
    • Eltern­haus & Grund­schu­le: Bereits im Vor­schul­al­ter bestehen mas­si­ve Wort­schatz- und Kom­pe­tenz­un­ter­schie­de. Haben bei­de Eltern­tei­le kein Abitur, liegt die Wahr­schein­lich­keit eines Gym­na­si­al­be­suchs bei 25,3 %; haben bei­de Abitur, steigt sie auf 72,6 %.
    • Migra­ti­ons­hin­ter­grund: Rund 64 % der Schü­le­rin­nen und Schü­ler der ers­ten Zuwan­de­rungs­ge­nera­ti­on errei­chen nicht die PISA-Min­dest­kom­pe­tenz­stu­fe II.
    • Digi­ta­le Medi­en­nut­zung: Jugend­li­che aus bil­dungs­fer­nen Fami­li­en ver­brin­gen über­pro­por­tio­nal viel Zeit an Bildschirmen/Social Media, was empi­risch signi­fi­kant nega­tiv mit den Schul­leis­tun­gen kor­re­liert.
  • Kura­ti­ve Rol­le der Berufs­aus­bil­dung:
    • Das dua­le Sys­tem fun­giert als wich­ti­ger Aus­gleichs­me­cha­nis­mus („zwei­te Chan­ce“), wodurch Deutsch­land mit 6,6 % eine der nied­rigs­ten Jugend­ar­beits­lo­sen­quo­ten der OECD (Schnitt: 14,3 %) auf­weist. Zuneh­mend pro­ble­ma­tisch sind jedoch Pas­sungs­pro­ble­me (hohe Zahl unbe­setz­ter Lehr­stel­len bei vie­len unver­sorg­ten Bewer­bern) und Ver­trags­lö­sungs­quo­ten (~30 %).

4. Zen­tra­le Hand­lungs­emp­feh­lun­gen der Stu­die

  1. Frü­he & ver­bind­li­che För­de­rung:
    • Ein­füh­rung bun­des­weit flä­chen­de­cken­der und ver­bind­li­cher Sprach­stands­er­he­bun­gen im Alter von vier Jah­ren mit ver­pflich­ten­der Sprach­för­de­rung vor der Ein­schu­lung.
    • Aus­bau von qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Betreu­ungs­plät­zen (U3 und Kita) und Aus­wei­tung des Start­chan­cen-Pro­gramms auf Kitas in Brenn­punk­ten.
  2. Daten­ge­stütz­te Schul­ent­wick­lung & Auto­no­mie:
    • Aus­bau von Lern­stands­er­he­bun­gen (z. B. nach Ham­bur­ger KER­MIT-Vor­bild) auf min­des­tens zwei Jahr­gangs­stu­fen je Schul­form zur Mes­sung von Lern­zu­wäch­sen.
    • Ein­füh­rung einer bun­des­wei­ten Schü­ler-ID und eines Bil­dungs­ver­laufs­re­gis­ters, um Über­gän­ge bes­ser zu beglei­ten.
    • Mehr Hand­lungs- und Bud­get­au­to­no­mie für Ein­zel­schu­len bei klar defi­nier­ten Zie­len.
  3. Lehr­kräf­te- & Unter­richts­ver­sor­gung:
    • Stan­dar­di­sier­te und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Nach­qua­li­fi­zie­rung für Quer- und Sei­ten­ein­stei­ger.
    • Ent­las­tung der Lehr­kräf­te durch den sys­te­ma­ti­schen Aus­bau mul­ti­pro­fes­sio­nel­ler Teams (Schul­so­zi­al­ar­beit, IT-Sup­port, Schul­psy­cho­lo­gie).
  4. Digi­ta­le Kom­pe­ten­zen & Medi­en­schutz:
    • Umset­zung einer Digi­tal­stra­te­gie an Schu­len inklu­si­ve Ver­mitt­lung von KI-Kom­pe­ten­zen („KI-See­pferd­chen“).
    • Gesetz­li­che Regu­lie­run­gen und Schutz­kon­zep­te gegen übermäßige/suchtfördernde Social-Media-Nut­zung bei Kin­dern (Altersbegrenzungen/Schutzstandards).
  5. Stär­kung der beruf­li­chen Ori­en­tie­rung:
    • Fes­te Ver­an­ke­rung sys­te­ma­ti­scher Berufs­ori­en­tie­rung im Unter­richt aller Schul­for­men, um den Wert der dua­len Aus­bil­dung zu ver­mit­teln und Aus­bil­dungs­ab­brü­che zu redu­zie­ren.

Quel­le: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2026/INSM-Bildungsmonitor_2026.pdf

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