Konjunktur Anfang 2026: Entlastung durch sinkende Energiepreise, aber fragile wirtschaftliche Erholung

1. Erzeugerpreise gewerblicher Produkte (Dezember 2025)

Zentrale Ergebnisse

  • –2,5 % gegenüber Dezember 2024
  • –0,2 % gegenüber November 2025
  • –1,2 % im Jahresdurchschnitt 2025 gegenüber 2024

Hauptursachen

  • Der Preisrückgang ist fast ausschließlich auf sinkende Energiepreise zurückzuführen:
    • Energie insgesamt: –9,7 % zum Vorjahr
    • Erdgas: –14,6 %
    • Strom: –11,1 %
    • Mineralölerzeugnisse: –6,6 %

Preisentwicklung ohne Energie

  • +0,9 % gegenüber dem Vorjahr
  • Damit weiterhin moderater Kostenauftrieb im industriellen Kernbereich

Weitere Entwicklungen

  • Investitionsgüter: +2,0 %
  • Verbrauchsgüter: +0,6
    – starke Gegensätze bei Lebensmitteln (z. B. Butter –39,6 %, Rindfleisch +25,7 %)
  • Vorleistungsgüter: +0,3 %

Bewertung

Der Rückgang der Erzeugerpreise signalisiert keine breit angelegte Deflation, sondern ist primär ein energiepreisbedingter Basiseffekt. Ohne Energie bleiben die Produktionskosten steigend, was den Preisdruck entlang der Wertschöpfungsketten weiterhin aufrechterhält.

2. Gastgewerbeumsatz (November 2025)

Monatliche Entwicklung

  • +2,5 % real gegenüber Oktober 2025
  • +2,8 % nominal

Jahresvergleich

  • real –1,2 %
  • nominal +2,2 %

→ Preissteigerungen kompensieren reale Nachfrageverluste.

Teilbereiche

  • Beherbergung:
    • –0,5 % real zum Vormonat
    • –1,6 % real zum Vorjahr
  • Gastronomie:
    • +3,9 % real zum Vormonat
    • –1,0 % real zum Vorjahr

Bewertung

Das Gastgewerbe zeigt kurzfristige Erholungstendenzen, bleibt aber real deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die positive Monatsentwicklung deutet eher auf Nachholeffekte als auf nachhaltiges Wachstum hin. Die reale Konsumzurückhaltung bleibt spürbar.

3. Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe (November 2025)

Kerndaten

  • +1,8 % real zum Vormonat
  • +5,9 % gegenüber November 2024
  • Reichweite: 8,0 Monate (höchster Stand seit längerer Zeit)

Treibende Branchen

  • Sonstiger Fahrzeugbau (u. a. Flugzeuge, Schiffe): +3,1 %
  • Automobilindustrie: +3,0 %
  • Maschinenbau: +1,1 %

Herkunft der Aufträge

  • Inland: +3,6 %
  • Ausland: +0,9 %

Bewertung

Die Industrie profitiert von Großaufträgen mit langfristiger Laufzeit, insbesondere im Fahrzeug- und Rüstungsumfeld. Allerdings deutet der hohe Auftragsbestand nicht zwangsläufig auf eine konjunkturelle Breite hin, sondern auf sektorale Sondereffekte.

4. Exporte in die USA (Januar–November 2025)

Gesamtergebnis

  • –9,4 % deutsche Exporte in die USA
  • Exportwert: 135,8 Mrd. Euro
  • US-Importe nach Deutschland: +2,2 %

Folgen

  • Exportüberschuss gegenüber den USA:
    • 48,9 Mrd. Euro
    • niedrigster Stand seit 2021

Branchenentwicklung

  • Kraftfahrzeuge: –17,5 %
  • Maschinen: –9,0 %
  • Chemie: –14,2 %
  • Pharma: +0,7 % (einzige größere Wachstumsbranche)

Strukturverschiebung

  • USA verlieren Rang als wichtigster deutscher Handelspartner
  • China wieder auf Platz 1

Bewertung

Die Daten zeigen eine deutliche handelspolitische Belastung durch US-Zölle. Besonders betroffen sind klassische deutsche Exportindustrien. Die zunehmende Bedeutung pharmazeutischer Produkte deutet auf eine strukturelle Verschiebung weg vom industriellen Kernexport hin.

Gesamtwirtschaftliche Einordnung

Positive Signale

  • Sinkende Energiepreise entlasten Unternehmen
  • Industrieauftragsbestände steigen
  • Kurzfristige Belebung im Dienstleistungssektor

Belastende Faktoren

  • Reale Konsumnachfrage weiterhin schwach
  • Industrieaufschwung stark von Einzelaufträgen abhängig
  • Außenhandel mit den USA deutlich rückläufig
  • Exportüberschüsse schrumpfen

Gesamtbewertung

Die deutsche Wirtschaft zeigt Anfang 2026 ein uneinheitliches Bild:

  • Preislich Entspannung, aber keine echte Deflationsphase
  • Industrie stabilisiert sich, jedoch ohne breite Nachfragebasis
  • Binnenkonsum bleibt real schwach
  • Außenwirtschaftliche Risiken nehmen zu, insbesondere im transatlantischen Handel

Insgesamt deutet die Datenlage eher auf eine fragile Stabilisierung als auf einen selbsttragenden Aufschwung hin. Die konjunkturelle Entwicklung bleibt stark abhängig von Energiepreisen, geopolitischen Rahmenbedingungen und einzelnen Großaufträgen – nicht von einer robusten gesamtwirtschaftlichen Dynamik.


Quelle: Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamts (Destatis)

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